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Gibt es in Dinklage zunehmend Schotterflächen?

Ja, findet das Bürgerforum mit Blick auf die Neubaugebiete und die Friedhöfe. Die Stadt Dinklage und die evangelische Kirche teilen den Eindruck. Sie betonen, bereits entsprechend zu handeln.

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Wenn Kies dominiert: Ein Beispiel aus einem Schottergarten im Dinklager Wohngebiet Am Trenkampsbach. Foto: Bürgerforum

Wenn Kies dominiert: Ein Beispiel aus einem Schottergarten im Dinklager Wohngebiet Am Trenkampsbach. Foto: Bürgerforum

Das Bürgerforum Dinklage (BfD) kritisiert die ihrer Wahrnehmung nach zunehmenden Schottergärten im Dinklager Stadtgebiet. Dies sei vor allem in den Neubaugebieten, aber auch auf den 3 Friedhöfen festzustellen. Die Fraktion fordert aufgrund der "negativen ökologischen Folgen" daher in einer Pressemitteilung ein Umdenken in der Bevölkerung – und gleichzeitig das Bauamt der Stadt Dinklage sowie die evangelische und katholische Kirche auf, diesem Negativtrend "schnellstmöglich entgegenzuwirken".

Die Gründe, warum sich scheinbar immer mehr Grundstücksbesitzer für Schottergärten entscheiden, mögen vielfältig sein. Umweltfreundlich seien sie jedenfalls nicht, sagt der Fraktionsvorsitzende Ulrich Heitmann – und führt zusammen mit seinen Fraktionskollegen mehrere Beispiele dafür an.

Henning Hilgefort sagt: Im Sommer heize die Sonne die Steine in Schottergärten auf. "Die sehr hohen Temperaturen grillen die spärliche Bepflanzung, die nicht an diese wüstenähnlichen Bedingungen angepasst ist – und sorgen so dafür, dass die Pflanzen vertrocknen." Die Konsequenz: Die Luft werde nicht durch Pflanzen abgekühlt, sondern auch in der Nacht durch die Steine erwärmt. Durch die fehlenden Blätter der Pflanzen könnten feine Staubpartikel nicht mehr aus der Luft gefiltert werden, Staub und Stickstoffdioxid reichern sich an. Auch der Lärm der Autos wird durch den Schotter verstärkt.

Steffen Lampe wiederum kritisiert, dass bei vielen Schottergärten die Optik im Vordergrund stehe. Doch Bambus, Rhododendren oder einzelne Töpfe mit Buxbaum würden Insekten und Vögeln wenig bis keine Nahrung und Unterschlüpfe bieten. Und Lampe macht auch darauf aufmerksam: Bei Starkregenfällen nehme ein Schottergarten kaum Wasser auf. Dieses Wasser landet daher dann in Kellern, der übervollen Kanalisation und am Ende vollkommen verdreckt in Flüssen und Bächen, statt gefiltert im Grundwasser.

Naturschützer Heitmann sagt: Mit der Zeit setzten Kiesel Moos an, welches sie "dreckig und ungepflegt wirken lassen". Um dem zu entgehen, müssten sie von Blättern befreit und regelmäßig mit dem Laubbläser oder Hochdruckreiniger gereinigt werden. Diese Geräte seien laut, verbrauchten viel Energie und würden obendrein dem Kleinstlebewesen schaden. Heitmann meint: Nach 3 bis 10 Jahren müsse eine Schotterfläche wieder neu aufgelegt werden.

Das Bürgerforum bilanziert: "Eine Kiesfläche vor dem Haus bewirkt  lediglich, dass es heiß, stickig, staubig, laut, anstrengend und kostenintensiv wird und keine Tiere mehr den Garten als Lebensraum nutzen können." Auch die Bodenfruchtbarkeit gehe verloren. Dies sei beunruhigend. Ästhetisch wirkten Schotterflächen monoton und zeigten wenig jahreszeitliche Aspekte oder Veränderung. "Kleine Entdeckungen, leckere Früchte oder wohltuende Düfte fehlen vollkommen und so bieten die Flächen Spaziergängern und Kindern wenig Anlass zur Freude."

Die Stadtverwaltung teilt den Eindruck des Bürgerforums, dass es in Dinklage zunehmend Schottergärten gebe. Für die Bebauungspläne der neuen Wohngebiete – also Hof Menke und Staggenborg – hätten Verwaltung und Politik dementsprechend schon reagiert, "aufgrund der  zunehmenden Verbreitung von naturfernen Gärten". Seit 2020 ist es nämlich vorgeschrieben, dass Freiflächen gärtnerisch anzulegen sind. Kiesflächen oder vergleichbare Materialien dürfen nicht zur Gestaltung genutzt werden. Für die Kontrolle ist der Landkreis Vechta zuständig. Dabei gilt: Sollten Flächen nicht dem Baurecht entsprechen (also nicht nur in Neubaugebieten), kann der Landkreis Vechta theoretisch den Rückbau versiegelter Flächen anordnen.

Steine auf Gräbern sind unter Bedingungen erlaubt

Und was sagen die Kirchen zu dem Vorwurf des Bürgerforums, auch auf den Friedhöfen würde es zunehmend Schotterflächen geben? Der katholische Pastor Johannes Kabon kann den Eindruck nicht teilen. Laut Friedhofssatzung der Pfarrgemeinde St. Catharina ist es übrigens erlaubt, zwei Drittel der Grabstätten mit Steinen oder Platten zu versiegeln, wenn ein wasserdurchlässiges Flies darunter eingebracht wird. Fridtjof Amling, Pastor der evangelischen Kirchengemeinde Dinklage und Wulfenau, räumt dagegen ein, dass die Verkiesung ein Problem sei: "Dem versuchen wir schon entgegenzuwirken."


Was ist im Garten erlaubt – und was nicht?

Die Anforderungen an Freiflächen der Baugrundstücke sind laut der Stadt Dinklage in Paragraf 9 der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) geregelt. "Ungeachtet der Festsetzungen des Bebauungsplanes müssen die nicht überbauten Flächen der Baugrundstücke Grünflächen sein, soweit sie nicht für eine andere, zulässige Nutzung erforderlich sind, wie es beispielsweise bei Gartenwegen, Stell- oder Lagerplätzen sowie Arbeitsflächen der Fall sein kann", teilte die Verwaltung mit. Unter Grünfläche seien neben Zier- oder Nutzgärten auch Flächen zu verstehen, die weitgehend sich selbst überlassen bleiben und so Wildpflanzen eine Zuflucht bieten können.

Generell gilt, dass die Kommunen die Gestaltung der nicht überbauten Flächen – also der Grünflächen – konkretisieren können, etwa durch Festsetzungen zur Art der Bepflanzung, zur Wahl der Gehölze. Zudem können die Kommunen  "das Anlegen von Vorgärten vorschreiben, soweit solche Regelungen darauf abzielen, ästhetische Belange zu wahren und Verunstaltungen abzuwehren".

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