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Generationenprojekt Zentralklinik verlangt konzertierte Aktion

Das Konzept der Schwester-Euthymia-Stiftung für die Zentralklinik Vechta/Lohne ist gut. Das Projekt ist für die Region lebenswichtig. Aber die Konkurrenz macht in Hannover deutlich mehr Wind.

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Für ländliche Wirtschaftsregionen wie das Oldenburger Münsterland ist eine gute Gesundheitsversorgung ein zentraler Standortfaktor. Qualifizierte Arbeitskräfte entscheiden sich nicht nur wegen des Geldes für einen Arbeitgeber. Gute Schulen für die Kinder und ein Krankenhaus mit ordentlichem Ruf in der Nähe sind entscheidende Argumente im Kampf um Fachkräfte.

Vor diesem Hintergrund ist der geplante Bau einer neuen Zentralklinik am Stadtrand von Vechta ein Generationenprojekt, dessen Bedeutung man nicht hoch genug ansetzen kann. Es muss gelingen, denn die Alternative ist angesichts der mittelfristigen Planungen in Bund und Land klar ersichtlich. Scheitert das Großprojekt, wird der Standort Lohne innerhalb der nächsten Dekade geschlossen und das Angebot in Vechta zugunsten umliegender Oberzentren reduziert. Das wäre ein schwerer Schlag für den Landkreis Vechta, die Wirtschaft und die Menschen, die hier leben.

Es geht um die Zukunft des Landkreises Vechta

Wie in den 1990er Jahren beim Kampf um den Erhalt der Universität in Vechta braucht es eine konzertierte Aktion aller politischen und gesellschaftlichen Kräfte, um eine positive Entscheidung der Kostenträger und der Landesregierung zu erzwingen und den Menschen vor Ort vernünftig zu erklären, warum diese Anstrengung nötig ist. Es geht nicht um 50 Krankenhaus-Betten mehr oder weniger, sondern um die Zukunft des Landkreises Vechta. In diesem Wissen nimmt man die Grabesruhe, die dieses Thema in Coronazeiten umweht, mit Sorge und Irritation zur Kenntnis.

Das Konzept, das die Schwester-Euthymia-Stiftung mit der Zusammenlegung der Kliniken verfolgt, ist mehr als konkurrenzfähig, denn mit der Zentralisierung wären für die Krankenkassen tatsächlich Kosteneinsparungen verbunden. Es ist zudem schon heute absehbar, dass eine Zentralklinik sowohl von Vechta und Lohne als auch von Diepholz frequentiert, also von der Bevölkerung tatsächlich angenommen würde. Das ist ein Vorteil gegenüber den 3 konkurrierenden Projekten in Ostfriesland, im Landkreis Diepholz und im Heidekreis, die teils umstritten, teils von Landräten und Kreistagen im Nirgendwo geplant werden.

Doch politisch macht die Konkurrenz gerade deutlich mehr Wind und treibt mit viel Geld ihre Planungen voran. Insbesondere das ostfriesische Projekt hat mit der SPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Johanne Modder, eine starke Fürsprecherin. Auch der Diepholzer Landrat rührt in Hannover in allen Töpfen. Da fragt man sich: Wer wirbt eigentlich wie und wo für das Vechtaer Projekt?

Setzt sich Ostfriesland durch, ist der Fördertopf leer

Hört man sich in Hannover um, wird frühestens im Sommer mit einer Entscheidung für oder gegen das ostfriesische Projekt gerechnet. Setzt es sich durch, ist der Fördertopf leer. Führt die Skepsis der Kostenträger zur Ablehnung, wäre das die große Chance für das Vechtaer Projekt. Aber stehen Landrat, Bürgermeister, Weihbischof und Krankenhaus-Chefs dann tatsächlich bereit und die Bevölkerung wie ein Mann dahinter?

Wie nachvollziehbar sind bis dahin die Klinikpläne? Bisher gibt es nur bunte Bildchen. Ist bis dahin geklärt, wie der Verlust an Wald für die Bevölkerung nachprüfbar ausgeglichen wird? Ist bis dahin politisch diskutiert, wo die Millionen Euro herkommen sollen, die zusätzlich nötig werden, auch wenn das Land die beantragten 220 Millionen Euro tatsächlich überweisen sollte? Es ist nicht mehr viel Zeit. Corona-Pandemie hin oder her – Südoldenburg muss seine Hausaufgaben machen.

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