Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Geht's im Fußball nur noch darum, wer (den Preis) zahlt?

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Die WM in Katar: ehrlicher Boykott oder falsche Loyalität? Die Fanszene trifft Entscheidungen auf dem Abstellgleis.

Artikel teilen:

Als ich vor rund 15 Jahren selbst noch jeden freien Nachmittag draußen auf dem Bolzplatz gekickt habe, konnte ich nie verstehen, wie meine damaligen Idole für so horrende Geldsummen zwischen den Fußballvereinen hin- und herwechselten. Mal abgesehen davon, dass die Clubs heutzutage bereit sind, für ihren Wunschspieler deutlich tiefer in die Tasche zu greifen als damals, erfahren Fans heutzutage immer wieder selbst, wie die Geldgier den Spaß am Fußballsport zunehmend einschränkt.

Wer nämlich den gesamten nationalen als auch internationalen Topfußball live verfolgen will, muss sich zunächst in dem Anbieterdschungel zurechtfinden. Dabei verlangen längst nicht alle der mittlerweile 9 Anbieter in Deutschland ein Premium-Abo. Aber sportbegeisterte Fans, die gerne mehrere Wettbewerbe verfolgen, müssen teilweise ein halbes Vermögen dafür bereitstellen.

Immer häufiger treffen sich die Fans deshalb zumindest in meinem Bekanntenkreis in Gruppen, um als Kollektiv mit möglichst vielen Abonnements ausgestattet zu sein. Und so entschließe auch ich mich vor einigen Wochen dazu, ein paar Freunde zu mir nach Hause einzuladen. Schließlich ist die Vorfreude an diesem Abend auf die Champions League besonders groß, da in diesem Jahr mit dem Europapokal-Sieg von Eintracht Frankfurt sogar 5 Bundesligaclubs in der höchsten europäischen Liga vertreten sind.

"Zugleich beweist es, welche übergeordnete Bedeutung das Geld bei der Fifa einnimmt. Werte existieren gefühlt nur auf dem Papier und werden im Turnus zur Imagepolitur aus der Trickkiste geholt."Tobias Thomes

Beim Einschalten des TVs merke ich zunächst, dass Fußball wohl auch gerade das Thema der Berichterstattung in der Tagesschau zu sein scheint. Interessiert stelle ich den Ton lauter – es geht mal wieder um die WM in Katar. Die Fifa debattiert demnach, ob Ausgleichszahlungen an die katarischen Wanderarbeiter gezahlt werden sollten. Berichte und Beweise über die Verletzungen der Menschenrechte sowie der vielen Toten durch miserable Arbeitsbedingungen beim Stadionbau gibt es ja mehr als genügend. So ein Fond wäre deshalb vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung, ist aber meiner Meinung nach auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Zugleich beweist es, welche übergeordnete Bedeutung das Geld bei der Fifa einnimmt. Werte existieren gefühlt nur auf dem Papier und werden im Turnus zur Imagepolitur aus der Trickkiste geholt.

Derweil wird in unserer Runde vor dem Fernseher schon darüber gestritten, ob wir wirklich bei Glühwein und Spekulatius zuschauen werden, wie sich Müller & Co. bei sommerlichen Temperaturen im Dezember präsentieren, oder ob ein kollektiver Boykott der WM nicht die bessere Entscheidung wäre.

Ohne eine Einigung erzielt zu haben, schalte ich weiter auf das geplante Programm der Champions-League-Konferenz. Immerhin haben wir an diesem Abend einen kühlen Kopf bewahrt und bereits im Vorfeld den richtigen Anbieter ausgesucht. Schade nur, dass mir bereits beim Anhören der moralischen Anekdoten des in Doha lebenden Fifa-Präsidenten Infantino bereits die Lust auf Fußball für diesen Abend vergangen ist.


Zur Person:

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Geht's im Fußball nur noch darum, wer (den Preis) zahlt? - OM online