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Gedanken zum Internationalen Frauentag

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Der 8. März ist Internationaler Frauentag. Das ist ein guter Anlass, über Sexismus zu reden – sei er noch so klein.

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Es ist 20.30 Uhr, ich gehe von der Arbeit zu meinem Auto. Eine Gruppe junger Männer kommt mir entgegen. Sie drehen um und verfolgen mich für 3 Minuten. Einer von ihnen ruft ununterbrochen „Willst du f*cken?“. Reizende Einladung – ich dachte, es gibt keine Gentlemen mehr.

Es ist 22.30 Uhr, ich gehe wieder zu meinem Auto. Und ich scheine in meiner Winterjacke unwiderstehlich auszusehen, weil eine Gruppe Männer mich anschaut und anfängt, mich zu filmen. Was sie sagen, versteh ich leider nicht. Ich ignoriere sie und höre weiter Musik. Wie ein Charakter in einem Musikvideo fühle ich mich. Ich muss mit Humor an diese Situationen gehen. Es sind ja nicht alle Männer so. Es sind nur Witze.

Pro Jahr wird in Deutschland etwa jede siebte Frau Opfer von sexualisierter Gewalt – und meldet den Vorfall. Bei Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen ist es fast jede zweite. Das Spiel kann man weiterspielen. Ich habe Glück, nicht trans, lesbisch oder nicht-weiß zu sein. Aber ich merke mir: Alles ist gut, denn es sind ja nicht alle Männer so.

Aber es gibt größere Probleme. Wir leben in Deutschland. Institutionalisierter und kulturell etablierter Frauenhass ist nicht so weit verbreitet. Unsere Grundrechte werden in der Regel nicht durch Beschneidungen, Femizide oder rechtliche Unterdrückung bedroht, wie es in einigen anderen Ländern der Fall ist. Ich muss nicht täglich um mein Leben fürchten.

"Frauenfeindliche Akte werden Tragödien – nicht Taten, die voraussehbar waren."Ella Wenzel

Mein Problem ist klein. In Pakistan müsste ich mich über eine Zwangsverheiratung oder einen Ehrenmord sorgen. In Afghanistan könnte ich nicht zur Schule gehen. Diese Probleme sind schrecklich und müssen gelöst werden, aber: Diese Probleme werden meist als reine Ablenkung genutzt. So können wir uns einreden, dass es hier, direkt vor unserer Nase, kein Problem gibt. Frauenfeindliche Akte werden Tragödien – nicht Taten, die voraussehbar waren. Wir könnten niemals Teil des Problems sein. Und das, obwohl Täter meist aus dem sozialen Umfeld der Mädchen und Frauen kommen.

Dabei ist das Problem klein. Die Erfahrungen, von denen ich erzählt habe, sind vergleichsweise harmlos und nicht nur meine. Jede Frau kennt mindestens eine Frau, die wegen ihres Geschlechts falsch behandelt wurde – sei es sexuell, am Arbeitsplatz, von Partnern oder wildfremden Personen. Ich glaube, bei vielen Männern ist das nicht anders. Komisch ist: Auf jede Frau kommt ein Mann, der die Tat begangen hat. Wer kennt ihn? Gab es keine Anzeichen, dass er dazu in der Lage sein würde?

Deswegen ist mein Appell an diesem Frauentag: Redet mit den Frauen in eurem Leben! Und an die Männer: Fühlt euch nicht angegriffen, versucht zu lernen! Denn auch uns ist bewusst, dass nicht alle Männer schlecht sind. Aber woher sollen wir wissen, welche es sind?


Zur Person:

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