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Für Humanität gibt es keinen falschen Zeitpunkt

Thema: Flüchtlingsdrama zwischen Belarus und Polen – Es ist einfach, immer neue Sanktionen zu verhängen. Noch viel einfacher wäre es, die Menschen aufzunehmen.

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Natürlich ist der belarussische Herrscher Alexander Lukaschenko ein Schurke, der gezielt Menschenleben aufs Spiel setzt, wenn es seinem Machterhalt dienlich ist. Selbstverständlich ist der russische Präsident Wladimir Putin ein durchtriebener Stratege, der sich ob des Flüchtlingsstreits zwischen der Europäischen Union und Belarus genüsslich im Hintergrund die Hände reibt. Und fraglos darf Polen in dem Konflikt um Souveränität und Migration nicht alleine gelassen werden.

Gleichwohl ist es zynisch und heuchlerisch, wenn Deutschland und die EU all diese Tatsachen lediglich wie ein Mantra vor sich hertragen und sie schlussendlich doch nur als Legitimation zum Nichtstun missbrauchen. Denn eines wird auch in der Debatte um schutzsuchende Männer, Frauen und Kinder an der polnisch-belarussischen Grenze einmal mehr deutlich: Wie schon zuvor im Mittelmeer und auf dem Balkan geht es den westeuropäischen Staaten nicht um die Rettung von Menschenleben, sondern um Abschottung und Zurückweisung.

Auf Unrecht mit Recht und Anstand antworten

Das ist in den vergangenen Tagen wieder mehr als deutlich geworden. Während allerorten dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende eines Unrechtsregimes gedacht wurde, werden an der EU-Außengrenze Stacheldraht ausgerollt, Militär aufgefahren und ernsthaft über die Errichtung eines „Schutzwalls“ nachgedacht.

Schutz wovor? Vor 2000 verzweifelten Menschen, die selber dringend jedweden Schutz und Hilfe benötigen? Das ist Unsinn. Genauso absurd sind die plötzlichen Solidaritätsbekundungen gegenüber Polen, dessen aktuelle Regierung den Begriff Solidarität (Solidarność) im Gegensatz zur einstigen gleichnamigen Reformbewegung im Land noch nicht einmal buchstabieren kann.

Also: Es ist einfach, die Schuld bei anderen zu suchen, immer neue Sanktionen zu verabschieden und sich hinter einer aktuell nicht aufzulösenden Endlosdebatte über die europäische Uneinigkeit bei der Lösung des Problems zu verstecken. Noch viel einfacher wäre es dagegen, auf Unrecht mit Recht, Anstand und Menschlichkeit zu antworten. Heißt: Viele Städte in Deutschland und anderen Ländern sind bereit, die Flüchtenden aufzunehmen. Das muss jetzt ermöglicht werden. Für Humanität gibt es keinen falschen Zeitpunkt.

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