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Frühe Debatte: Kinder und Jugendliche zuerst?

Noch ist kein Corona-Impfstoff für ganz junge Menschen in Europa zugelassen. Eine Ankündigung des Gesundheitsminister ist zweifelhaft - und unnötig. Ein Leitartikel zur Diskussion.

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Es ist völlig unstrittig: Selbstverständlich müssen Kinder und Jugendliche so schnell wie möglich geimpft werden. Und jede (frühe) Diskussion ist erlaubt, um den erforderlichen Prozess mit den notwendigen Expertisen nach vorne zu bringen.

Aktuell stellt sich jedoch die Frage, ob die Debatte nicht völlig verfrüht geführt wird. Gut ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland sind geimpft. Eine gute Entwicklung nach den lähmenden Startschwierigkeiten. Doch es wird noch Monate dauern, bis wirklich alle ein Angebot bekommen haben. Nach wie vor fehlt das Vakzin an allen Ecken und Enden, nach wie vor warten viele Millionen Menschen auf den erlösenden Piks. Es ist keine neue Erkenntnis, dass schon jetzt die Produktionskapazitäten nicht ausreichen, um den Markt ausreichend zu bedienen.

Insofern erscheint die Ankündigung des Gesundheitsministers, ab Ende der Sommerferien Kinder und Jugendliche impfen zu können, als äußerst zweifelhaft - und unnötig. Zumal bislang weder die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) noch die Ständige Impfkommission (STIKO) einen von Biontech-Pfizer vorgestellten Impfstoff in Europa zugelassen hat.

Eine Sache der Abwägung 

Sie lassen sich ausreichend Zeit, um den hohen Anforderungen bei Studien an Kindern gerecht zu werden. Nur so sind Experimente zu verhindern, nur so schafft man das dringend erforderliche Vertrauen. Voraussetzung dafür dürfte auch eine verlässliche Datenanalyse aus den Erfahrungen bei Erwachsenen sein. Am Ende gilt es abzuwägen, ob das Risiko einer Corona-Erkrankung, die nach bisherigen Erkenntnissen bei Kindern und Jugendlichen in den allermeisten Fällen glimpflich verläuft, oder einer (zu frühen) Impfung höher einzuschätzen ist.

Unterm Strich dürfte außer Frage stehen: Auch die ganz jungen Menschen unter uns müssen so schnell wie möglich geschützt werden. Sonst hätte das Virus ein leichtes Spiel. Doch es hat keinen nachhaltigen Wert, wenn der Dampf bei den Erwachsenen herausgenommen wird, um das Pferd quasi von hinten aufzuzäumen. Wenn es gelänge, alle Generationen gleichzeitig zu versorgen - wunderbar.

Bis dahin sollte die eine Gruppe weitestgehend abgearbeitet werden, bevor man mit der nächsten beginnt. Diese Vorgehensweise hat sich schon oft bewährt.

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