Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

#FreeAssange – Hoffnungsschimmer für den Whistleblower?

Kolumne: Irgendwas mit # – Der Kronzeuge der Anklage gegen den Wikileaks-Gründer hat seine Aussage widerrufen. Was bedeutet das nun für Julian Assange?

Artikel teilen:

Gefängniswärter statt Freunde, Wasser statt Sekt, Einzelhaft statt Party? Julian Assange hat am Samstag seinen 50. Geburtstag gefeiert – in einer knapp sechs Quadratmeter kleinen Gefängniszelle in einem Hochsicherheitsgefängnis in Belmarsh bei London.

Dabei dürfte gefeiert wohl kaum der richtige Begriff sein. Verbracht trifft es eher. Doch einen kleinen Lichtblick gab es für den Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks und seine Anhänger kürzlich doch. Der Kronzeuge der Anklage gegen den Australier hat seine Aussage widerrufen. Ein Hoffnungsschimmer?

Zum Hintergrund: Julian Assange hatte geheime US-Dokumente über Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan veröffentlicht. Videos zeigten mutmaßliche Kriegsverbrechen. Für die Verantwortlichen in den USA hat es keine Konsequenzen gegeben. Julian Assange hingegen zahlt die Veröffentlichung mit seiner Freiheit – bis heute.

Die USA verfolgten ihn, die Schweden nahmen Ermittlungen gegen ihn auf (der Vergewaltigungsvorwurf wurde inzwischen fallen gelassen), Assange floh 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London. Nach einem Machtwechsel in Ecuador gewährte das südamerikanische Land dem Journalisten nicht länger Asyl. Die Folge: Er wurde festgenommen.

"Ob sich etwas tun wird? Es bleibt abzuwarten. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt!"Joanna Abou Boutros, Redakteurin

Der Prozess zieht sich. Im Januar entschied ein Gericht, Assange nicht an die USA auszuliefern. Ihm drohen dort bei einer Verurteilung bis zu 175 Jahre Haft. Doch ein freier Mann ist der Australier noch immer nicht. Könnte sich das jetzt ändern?

Sigurdur Ingi Thordarson, einer der Hauptzeugen im Prozess gegen Assange, hat seine Aussage widerrufen. Der Isländer hatte behauptet, dass Assange sich aktiv am Diebstahl von US-Dokumenten beteiligt habe. Er gab nun zu, mit dem FBI kooperiert und die Aussagen erfunden zu haben.

Mit dieser neuen Entwicklung sind die #FreeAssange-Stimmen wieder lauter geworden. Am Wochenende kamen unter anderem in Berlin und in Hamburg Menschen zu Kundgebungen zusammen. Auch mehrere Bundestagsabgeordnete aller Parteien – bis auf die der AfD – fordern Freiheit für den Journalisten. Wie die Berliner Zeitung berichtet, schrieben sie in einem offenen Brief an US-Präsident Joe Biden: "Die jüngsten Enthüllungen über erfundene Hacking-Vorwürfe eines mit dem FBI kooperierenden Kronzeugen zeigen einmal mehr, dass die Anschuldigungen gegen den Journalisten Julian Assange konstruiert und haltlos sind." Die Arbeitsgemeinschaft "Freiheit für Julian Assange" der Abgeordneten forderte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Handeln auf. Sie solle sich bei ihrem anstehenden Besuch in den Staaten für ein Ende der Verfolgung von Assange einsetzen.

Ob sich etwas tun wird? Es bleibt abzuwarten. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt!


Zur Person:

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

#FreeAssange – Hoffnungsschimmer für den Whistleblower? - OM online