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Frank Wassenberg: "Ein Spaßbad für Lohne mit Erlebnisgastronomie wäre ein echter Gewinn"

Kandidaten-Check zur Bürgermeisterwahl am 6. März (Sonntag) in Lohne: Der 52 Jahre alte, staatlich geprüfte Landwirtschaftsleiter stellt sich 20 provokanten Thesen rund um Themen der Stadt.

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Ein besonderer Ort: Auf dem Sportplatz und in der Sportklause von Schwarz-Weiß Kroge-Ehrendorf hält sich Frank Wassenberg gerne auf. Im Video auf OM-Online erklärt er, was ihm die Sportstätte bedeutet – und welche Ideen er für die Lohner Innenstadt hat. Foto: Timphaus

Ein besonderer Ort: Auf dem Sportplatz und in der Sportklause von Schwarz-Weiß Kroge-Ehrendorf hält sich Frank Wassenberg gerne auf. Im Video auf OM-Online erklärt er, was ihm die Sportstätte bedeutet – und welche Ideen er für die Lohner Innenstadt hat. Foto: Timphaus

Wer wird Bürgermeister von Lohne? Eine Frau und zwei Männer kämpfen um das höchste Amt der Stadt. Bei der Wahl am 6. März (Sonntag) entscheidet sich, wer die Nachfolge des heutigen Landrats Tobias Gerdesmeyer antritt: Dr. Henrike Voet (CDU), Frank Wassenberg oder Stephan Blömer (beide unabhängig und parteilos), den ein breites Bündnis aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Die Linke und der Bürgerinitiative „Pro Wald“ unterstützt.

Doch wie ticken die Bürgermeisterkandidaten? Welche politischen Positionen vertreten sie? OM-Online fühlt den Kandidaten auf den Zahn – mit 20 provokanten Thesen zu unterschiedlichen Lohner Themen. Heute stellt sich Frank Wassenberg dem Kandidaten-Check.

These 1: Die geplante Leffers-Erweiterung ist der letzte Sargnagel einer sterbenden Innenstadt.

Das ist ein hochkomplexes Thema. Eigentlich gehört das Modehaus Leffers in die Innenstadt. Aber wir können das Rad nicht mehr zurückdrehen. Der Einzelhandel hat in den vergangenen 2 Jahren soviel auf die Mütze gekriegt. Wir müssen Leffers die Möglichkeit zur Erweiterung geben – und gleichzeitig die Strahlkraft des Modehauses nutzen. Die Innenstadt selbst braucht zwei, drei attraktive Gaststätten. Der Brunnen "Ego Lohne" sollte vors Rathaus versetzt und stattdessen ein begehbares Wasserspiel auf dem Markt geschaffen werden. Ein Brunnen, in den man seine Füße halten kann und in dem Kinder spielen. Und was mir noch fehlt, ist eine Diskothek – nicht für 2000 Menschen, aber als Anziehungspunkt für junge Leute. Wir werden nie alle Interessen unter einen Hut kriegen. Eine Mutter mit kleinen Kindern will etwas anderes als ein 22-Jähriger oder ein Rentner. 

These 2: 2030 redet niemand mehr über die Probleme der Lohner Innenstadt.

Wir müssen jeder noch so kleinen Chance die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln. Der jetzige Ansatz heißt Gründerprogramm. Wir brauchen frische Vorschläge von allen Bürgern – und der Wahlkampf ist die Gelegenheit, um diese Ideen direkt ins Rathaus zu bringen. Und die Stadt muss die Eigentümer an einen Tisch bringen. Um die Probleme der Innenstadt zu lösen, hilft nur ein Miteinander, kein Gegeneinander. Wir müssen gemeinsam einen Plan entwickeln.

These 3: Das Ende der Fußgängerzone wäre der Neuanfang für die Innenstadt.

Ich bin Befürworter eines Einbahnstraßensystems. Wir sind leider so bequem, dass wir am liebsten mitten vor dem Laden parken wollen. Aber an dieser Stelle müssen wir uns entscheiden: entweder Erlebnisgastronomie und Diskothek oder Öffnung der Fußgängerzone.

These 4: Die Nordwestumgehung kommt nie – und das ist auch gut so.

Die Entlastungsstraße kommt garantiert. Wir brauchen sie auch. Alles hängt mit der Bahnlinie zusammen. Die Bahn legt die Innenstadt lahm. Zu Hauptverkehrszeiten an der Kreuzung Keetstraße/Vechtaer Straße kriegt man fast einen Herzinfarkt. Jetzt kommt auch noch der Famila-Markt auf die frühere Hofstelle Küstermeyer. Das ist schon ein Pfund. Hinzu kommt noch der Schulverkehr. Wir brauchen die Nordwestumgehung, aber noch aus einem anderen Grund. Es ist nun einmal so, dass wir eine Boomregion sind. Das ist schön, birgt aber auch Probleme: Wir ringen um Flächen, die Stadt wächst. Die Stärke von Lohne ist die Vielfalt, auch in der Industrie. Um Wohnen und Gewerbe weiterhin zu ermöglichen, müssen wir die Stadt in nordwestlicher Richtung entwickeln.

These 5: Der Radverkehr in Lohne lässt sich nur stärken, indem weite Teile der Innenstadt für Pkw gesperrt werden.

Wenn wir die Innenstadt lebenswerter machen wollen, sollten wir keine Autos mehr reinlassen. Die Innenstadt ist derzeit zu Hauptverkehrszeiten mit Fahrzeugen verstopft. Wenn wir aber im Zentrum auch einkaufen wollen – ich verweise auf den beschlossenen Famila-Neubau auf der früheren Hofstelle Küstermeyer – dann funktioniert das nicht. Klar ist: Die Menschen aus den Bauerschaften werden auch künftig nicht mit dem Lastenrad in die Innenstadt fahren, um ihre Einkäufe zu erledigen. Den geplanten Pendlerradweg von Lohne nach Vechta und eine mögliche Variante für den Sommerweg halte ich indes für sinnvoll.

These 6: Lohne sollte um das St.-Franziskus-Hospital kämpfen.

Wir haben drei Krankenhäuser im Landkreis Vechta – und das macht uns stark. Das hat auch die Corona-Pandemie gezeigt. Gerade für die ältere Bevölkerung ist es sehr praktisch, ein Hospital vor Ort zu haben. Falls das Zentralklinikum Vechta-Lohne kommt, ist das in Ordnung. Pläne für eine Nachnutzung des Gebäudes gibt es ja offensichtlich bereits. Die Finanzierung muss aber gesichert sein. Falls ein Zentralklinikum aber nicht kommt, müssen wir mit aller Macht um unser Lohner Krankenhaus kämpfen.

These 7: Ein Kinder- und Jugendparlament für Lohne wäre ein Rohrkrepierer. Die Jugend hat kein Bock auf Politik.

Das sehe ich völlig anders. Ich arbeite viel mit der Landjugend in Kroge-Ehrendorf zusammen und weiß, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene durchaus eine politische Meinung haben. Wir müssen sie mitnehmen. Das fängt schon bei den Terminen für politische Events an. Vormittags haben die wenigsten Zeit, am späten Nachmittag auch eher wenige. Ein Kinder- und Jugendparlament ist im Grundsatz eine gute Sache. Wie es am Ende aufgebaut ist, steht auf einem anderen Blatt. 

These 8: Wenn Ratssitzungen live gestreamt werden, finden Parteien bald kein Personal mehr.

Ich bin kein Freund eines Livestreams. Wenn es eng wird, verlagern sich die Entscheidungen ins Hinterzimmer, auf die Toilette oder an die Theke. Dann wird während der Sitzung nichts mehr gesagt. Die Stadt könnte Sitzungen zu wichtigen Themen ja auch mal samstags um 10 Uhr abhalten. Da könnten dann deutlich mehr Leute teilnehmen als mittwochs um 16 Uhr. Generell bin ich für mehr Bürgerbeteiligung, zum Beispiel zur Entscheidung über den Neubau eines Hallen- oder eines Spaßbades in Lohne. Aber es gibt auch Themen, die zu komplex sind für eine Bürgerbeteiligung. 

These 9: Lohne will eine Stadt für Familien sein. Dann braucht die Kommune ein Spaßbad.

Ich wünsche mir ein Spaßbad. Dass das ein Zuschussgeschäft ist, darüber brauchen wir nicht sprechen. Da kriegt man nie eine Schwarze Null dran. Aber wenn wir unserer Jugend etwas bieten wollen, wäre ein Spaßbad in Verbindung mit einer Erlebnisgastronomie ein echter Gewinn.

These 10: Das Freizeitangebot bedarf keiner Verbesserung.

Die Freizeitgestaltung ist in jedem Lebensabschnitt anders. Aber Fakt ist: Kinder und Jugendliche, die sich nicht für Fußball interessieren, haben es in Lohne verdammt schwer, eine Beschäftigung zu finden. Da sollten wir gegensteuern.

These 11: Der Jugendtreff muss sich von seiner Sozialarbeit trennen.

Man müsste die Einrichtung eigentlich aufteilen. Das eine ist die Kinder- und Jugendarbeit. Das andere ist die Sozialarbeit. Es besuchen keine Kinder mehr den Jugendtreff, weil die Mitarbeiter zu viel Sozialarbeit um die Ohren haben. Beide Bereiche sind wichtig. Aber sie passen nicht unter ein Dach.

These 12. Lohne braucht keine flexiblere Kinderbetreuung, keinen Ganztag im Kitabereich. Der Nachwuchs fühlt sich bei Oma und Opa viel wohler.

Die Zeiten haben sich geändert. Heute sind viele Familien darauf angewiesen, dass beide Partner arbeiten. Wenn innerhalb der Familie die Möglichkeit zur Kinderbetreuung besteht, ist das ein großes Glück. Aber allgemein brauchen wir in Lohne flexible Betreuungszeiten in den Kindertagesstätten. 

These 13: Blau-Weiß Lohne ist der größte Verein der Stadt, ein absolutes Aushängeschild. Es ist richtig, BWL bevorzugt zu behandeln.

Ich bin seit 44 Jahren Mitglied beim Sportverein Schwarz-Weiß Kroge-Ehrendorf. Deshalb habe ich dazu eine klare Meinung. Unsere Vereine in Lohne stehen gut da. Aber Versprechungen im Hinterzimmer? Da kann ich die Kritik der Opposition schon nachvollziehen. Alle Vereine sollten finanziell gleich behandelt werden. 

These 14: Die Stadt muss die Sportförderung zurückschrauben.

Nein. Man muss sich das leisten können. Aber Lohne kann das.

These 15: Lohne, bis 2050 klimaneutral? Das ist eine Illusion!

Wenn wir das wollen, können wir das. Aber dafür sind Anstrengungen erforderlich. "Jeder kehre vor seiner eigenen Tür" – dieser abgedroschene Spruch gilt auch bei der Energiewende. Es ist für mich eine Schmach, dass ich mir ein reines Gewissen durch CO2-Zertifikate erkaufen kann, wenn ich ins Ausland fliege. Emissionshandel hat für mich nichts mit Klimaschutz zu tun. Ich bin der Meinung: Jeder sollte sich möglichst klimaschonend verhalten.

These 16: Jeder Baum zählt. Die Stadt sollte eine Baumschutzsatzung erlassen.

Nein. Ich bin selbst Waldbesitzer, und an jedem Feld stehen auch Bäume. Ich gebe zu, so manchen Strauch haben wir schon abgeschnitten, der noch gut 3 Jahre hätte stehen können, weil wir ihn sonst nicht mehr weggekriegt hätten. Die Stadt engagiert sich sehr für den Erhalt der Bäume in der Innenstadt. Und wenn beispielsweise die Keetstraße ausgebaut werden muss, dann hat das sicherlich seine Notwendigkeit. Vor diesem Hintergrund finde ich es nicht fair, wenn gegen die Fällung der dortigen Linden demonstriert wird. Derjenige, der damals die Bäume pflanzte, hat sich keine Gedanken zur Zukunft der Keetstraße gemacht. 

These 17: Zukünftige Generationen müssen sich darauf einstellen, dass sie in Lohne kein Eigenheim mehr bauen können.

Diese Entscheidung treffen wir selbst. Falls es so ist, wäre es aus meiner Sicht eine Katastrophe. Vielleicht müssen wir über andere Konzepte nachdenken. Der Bau eines Eigenheims gilt in Südoldenburg aber weiterhin als Lebensziel. Und das sollten wir den nach uns kommenden Generationen auch ermöglichen.

These 18: Strukturwandel und Transformationsprozesse sind schuld: Die Finanzkraft bröckelt. Die Stadt muss den Gürtel künftig enger schnallen.

Wie haben während der Corona-Pandemie einen Rekordhaushalt aufgestellt. Nach oben kommen, ist ziemlich schwer – oben bleiben, umso mehr. Das gilt für alle Lebensbereiche und ganz besonders für die Wirtschaft, die in Lohne sehr vielfältig ist. Dass Lohne so finanzstark ist, liegt für mich nicht an der Politik. Das liegt an den Menschen dieser Stadt, die vor Ideenreichtum strotzen. Es heißt nicht "Lohne kann mehr", sondern "Lohner können mehr". Politik muss den Rahmen setzen, in dem sich die Wirtschaft bewegt. Wirtschaft ist dynamisch und kann mit allen Problemen umgehen. Ich habe keine Angst, dass Lohnes Finanzkraft auf Dauer schwindet.

These 19: Wohnen, Industrie und Klimaschutz brauchen Platz. Die Landwirtschaft muss zurückstecken.

Wir haben in Lohne etwa 22 Prozent Siedlungsfläche. Ich weiß nicht, ob wir auf 25 oder gar 30 Prozent gehen wollen. Mein Grundsatz ist: höher bauen, die Innenstadt verdichten und überall, wo es möglich ist, Lückenbebauung zulassen. Dann müssten wir nicht weiter in die Fläche gehen. Im vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft arbeitet ein Großteil der Bevölkerung in Südoldenburg. Vor allem die Industrie muss die Option erhalten, höher zu bauen. Was mich ärgert, ist, wenn Unternehmen sich riesige Vorratsflächen vorhalten – und andere Betriebe können nicht wachsen.

These 20: Lohne sollte an den Straßenausbaubeiträgen festhalten.

Es kommt immer darauf an, wen man fragt. Bei Anliegerstraßen ist meines Erachtens eine Beteiligung sinnvoll. Extrem finde ich es aber bei einer Straße mit viel Durchgangsverkehr, wie zum Beispiel der Steinfelder Straße. Da finde ich die Erhebung von Anliegerbeiträgen schon knüppelhart. 


Fakten:

  • Am 6. März 2022 (Sonntag) wählen die Lohner einen neuen Bürgermeister.
  • Um das höchste Amt der Stadt bewerben sich Dr. Henrike Voet (CDU), Stephan Blömer und Frank Wassenberg (beide unabhängig und parteilos).
  • Die Amtszeit des neuen Verwaltungschefs geht bis 2031.
  • OM-Medien stellt die Kandidaten jeweils in einem Porträt vor und macht mit ihnen einen Kandidaten-Check.
  • Videos zu den Bürgermeisterkandidaten finden Sie unter www.om-online.de.

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