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Familie in Quarantäne wird nicht getrennt

Hat ein Kind das Coronavirus, setzt der Landkreis Vechta auf die Verantwortung der Eltern. Das ist nicht überall in Deutschland selbstverständlich. Es gibt Fälle von Isolierung des Nachwuchses.

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Gemeinsam in Quarantäne: Wegen der engen Eltern-Kind-Kontakte komme es oft ohnehin zu einer Infektionsübertragung innerhalb der Familie, heißt es vom Landkreis. Und grundsätzlich gelte, dass Kinder nicht von ihren Eltern getrennt werden. Foto: dpa / Hildenbrand

Gemeinsam in Quarantäne: Wegen der engen Eltern-Kind-Kontakte komme es oft ohnehin zu einer Infektionsübertragung innerhalb der Familie, heißt es vom Landkreis. Und grundsätzlich gelte, dass Kinder nicht von ihren Eltern getrennt werden. Foto: dpa / Hildenbrand

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie gehen die Bundesländer oft sehr unterschiedliche Wege. Auch die Landkreise haben Freiräume für ein eigenes Vorgehen. Auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes sind auch Eingriffe in den häuslichen Alltag und die Privatsphäre von Familien möglich.

Wie drastisch das ausfallen kann, zeigt das Beispiel der Gesundheitsämter in Offenbach (Hessen) und Karlsruhe (Baden-Württemberg). Die Behörden haben dort laut Berichten der "Neuen Westfälischen" und der "B.Z. Berlin" in der Corona-Krise Eltern dazu aufgefordert, ihre Kinder in häuslicher Quarantäne getrennt von der Familie in einem Raum zu isolieren, wenn der Verdacht auf eine Infektion bestehe. Ebenso dürfe es keine gemeinsamen Mahlzeiten geben.

"Seitens des Gesundheitsamtes Vechta werden Kinder nicht von ihren Eltern getrennt."Jochen Steinkamp, Sprecher des Landkreises Vechta

Eltern, die sich nicht daran halten, müssen laut den Zeitungsberichten damit rechnen, dass die Verwaltung das Kind für die Dauer der Quarantäne in einer geschlossenen Einrichtung unterbringt. Bei den Empfängern dieser schriftlichen Anordnung soll es sich um Eltern von Kindern im Alter von drei und elf Jahren gehandelt haben.

Und wie geht der Landkreis Vechta vor? Gelten hier besondere Vorschriften für Familien in Quarantäne? Die Antworten der Kreisverwaltung zeigen, dass es vor Ort eine völlig andere Verfahrensweise gibt - im starken Gegensatz zu den einschneidenden Maßnahmen in Offenbach und Karlsruhe. Der Landkreis Vechta setzt auf Aufklärung und vertraut auf das angemessene Verhalten der Eltern.

Krankheitsverläufe bei Kindern sind "eher milde"

So gelte: "Seitens des Gesundheitsamtes Vechta werden Kinder nicht von ihren Eltern getrennt." Das teilt Kreis-Sprecher Jochen Steinkamp auf Anfrage von OM online mit. Und weiter: Wegen der engen Eltern-Kind-Kontakte sei es "mit Bekanntwerden eines positiven Befundes in der Regel bereits schon zu einer Infektionsübertragung" in der Familie gekommen, erläutert Steinkamp.

Er verweist darauf, dass die Krankheitsverläufe bei Kindern "eher milde" seien. Sollte ein Familienmitglied allerdings einer medizinischen Risikogruppe angehören, bleibe es "nach Aufklärung des Gesundheitsamtes im Ermessen der Familie, den Kontakt zur infizierten Person vorübergehend einzustellen, beispielsweise durch Umzug".

Verurteilt Isolierung: Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes. Foto: dpaVerurteilt Isolierung: Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes. Foto: dpa

Gibt es zu Beginn der Quarantäne behördliche Weisungen darüber, welche Regeln gelten? Und was müssen Familien mit mindestens einem infizierten Mitglied beachten? Steinkamp erläutert grundsätzlich: "Die in Quarantäne versetzten Personen werden schriftlich und regelmäßig mündlich darauf hingewiesen, den Haushalt nicht zu verlassen, den Empfang von Besuch und den Kontakt zu möglichen Mitbewohnern auf das Notwendigste zu beschränken."

Außerdem sollen sich Personen in Quarantäne bei Auftreten von Symptomen "unverzüglich beim Gesundheitsamt beziehungsweise dem Hausarzt melden".

Steinkamp betont: Anders als die in den Presseberichten genannten Gesundheitsämter mache das Gesundheitsamt des Landkreises Vechta "bewusst keine speziellen Vorgaben zum Umgang mit Kindern". Das Ausmaß der Kontaktreduzierung liege nach vorangegangener Aufklärung allein "im Ermessen der Familie", sagt Steinkamp.

"Die Situation der Quarantäne ist für Familien, insbesondere für Kinder, ohnehin sehr belastend. Kinder in dieser Phase von ihren Eltern und Geschwistern zu isolieren, ist eine Form psychischer Gewalt."Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes

Das klingt nach der richtigen Strategie. Dennoch wird sie nicht überall in Deutschland angewandt. Das hat inzwischen auch den Kinderschutzbund auf den Plan gerufen, dem ebenfalls Berichte darüber vorliegen, dass bundesweit einige Gesundheitsämter die Isolierung von unter Corona-Verdacht stehenden Kindern im eigenen Haushalt anordnen - auch wenn es sich um sehr junge Kinder handelt.

Der Kinderschutzbund sieht dadurch Kinderrechte verletzt. Der Präsident des Bundesverbandes, Heinz Hilgers, sagt laut einer Mitteilung: "Die Situation der Quarantäne ist für Familien, insbesondere für Kinder, ohnehin sehr belastend. Kinder in dieser Phase von ihren Eltern und Geschwistern zu isolieren, ist eine Form psychischer Gewalt."

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