Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Essener SPD spricht sich für Erdkabel statt Freileitung aus

Der Bau der 380-kv-Leitung könnte bald genehmigt werden. Detlef Kolde warnt. Die Folgen für den Essener Westen seien erheblich.

Artikel teilen:
Symbolfoto: dpa

Symbolfoto: dpa

Die Gemeinde Essen hat sich nicht ausreichend gegen einen Stromleitungsbau westlich von Sandloh aufgebäumt. Zu diesem Schluss kommt der SPD-Ortsverein in einer Pressemitteilung. Aus Sicht der Sozialdemokraten rückt die anvisierte Trassenvariante zu nah an bestehende Siedlungen heran.

2017 hatten die Netzentwickler Tennet und Amprion den möglichen Verlauf der 380-kv-Leitung vorgestellt. Die Enttäuschung damals sei groß gewesen, erklärt SPD-Ortsvereinsvorsitzender Detlef Kolde. Der Grund: In direkter Nähe zum geplanten Trassenkorridor befänden sich große Neubaugebiete. Und die betroffenen Bürgerinnen und Bürger seien in die Planungen nicht eingebunden. „Scheinbar wurde bewusst einfach die kürzeste Strecke von Cloppenburg nach Merzen ausgewählt, um Kosten zu sparen“, so Kolde. Geld zu sparen könne aber nicht das ausschlaggebende Argument sein. Stattdessen müsse die Raumverträglichkeit für Mensch und Umwelt besondere Berücksichtigung finden.

Für angrenzendes Siedlungsgebiet "unzumutbar"?

„Wir haben schon vor Jahren ganz deutlich gesagt, dass wir mit dem geplanten Bau der Überland-Leitung in unserem Nahbereich nicht einverstanden sind“, betont der SPD-Fraktionschef. Die sogenannte Trassenvariante A/B greife in „unzumutbarer Weise“ in das angrenzende Siedlungsgebiet ein.

Problemzone: Westlich von Essen soll die Stromleitung verlaufen. Aktuell liegen dafür zwei Varianten vor. Grafik: TennetProblemzone: Westlich von Essen soll die Stromleitung verlaufen. Aktuell liegen dafür zwei Varianten vor. Grafik: Tennet

Kolde übt zugleich Kritik an der CDU-Fraktion im Gemeinderat. Sie habe die Ansichten seiner Fraktion nicht geteilt, da sie stattdessen einen Stromtrassenverlauf zwischen Addrup und Lüsche befürchtete. Die Mehrheitsfraktion habe sich entschieden, dem weiteren Verfahren nicht zu widersprechen, um keine Interessenkonflikte zwischen Bevern und Essen zu fördern. "Auch unsere Argumentation, dass die Leitung und der ausgehende Elektrosmog negative Einflüsse auf die Menschen im Siedlungsgebiet Sandloh haben könnten, wurde nicht geteilt“, bedauert Kolde. Aus seiner Sicht  war das falsch. „Ein Aufbäumen gegen den Stromtrassenverlauf in Sandloh hätte einfach rechtzeitiger stattfinden müssen."

SPD wirbt für Erdkabel östlich von Bevern

Koldes plädiert stattdessen für Erdkabel, die „östlich von Bevern“ verlegt werden sollten. „Sie sind eine sichere Alternative und sie benötigen deutlich weniger Platz als Überland-Leitungen.“ Unverständnis äußert der SPD-Chef darüber, dass aktuell nur  bei Quakenbrück Erdverkabelungen vorgesehen sind. Die 380.000-Volt-Überlandstromtrasse mit rund 70 Meter hohen Masten bedeute jedoch „deutliche Wertminderungen“ der Wohnhäuser in Sandloh. Die optisch auffällige Trasse beeinträchtige die Lebensqualität erheblich. "Sie durchschneidet ein Sondergebiet Biogasanlagen und ein großflächiges Biotop in Ahausen. Eine westliche Gewerbeansiedlung wird es so nicht geben können, lediglich reine Lagerflächen sind theoretisch noch möglich." Und weil für neue Wohnhäuser eine 400 Meter Abstandsregel zu den Masten gilt, könne der Ort in westlicher Richtung nicht mehr baulich gestaltet werden. Oberirdische Leitungen brächten dem Wander- und Radtourismus zudem ebenfalls Nachteile.

„In unseren Augen gibt es keine nachhaltigen Gründe, die für eine Überlandtrasse im Bereich von Sandloh sprechen", bilanziert Kolde. Zwar sei auch die Essener SPD für die Energiewende und den endgültigen Atomausstieg. Doch das setze nicht voraus, dass die Stromleitungen über Land in den aktuell geplanten Gebieten gebaut werden müssten.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Essener SPD spricht sich für Erdkabel statt Freileitung aus - OM online