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Es war einmal ein Amerika

Über die Vereinigten Staaten im Jahr 2020 - im Zeichen von Rassismus und Pandemie. Viel ist in den vergangenen Jahrzehnten schief gelaufen.

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Es war einmal ein Amerika. Das war das Land der Verheißung. Das ist lange her.

2020 ist der Staatenbund gespaltener denn je. Kalifornien und Ohio haben im Grunde nichts gemein. Keine Gemeinschaft. So wie die Küstenregionen an Atlantik und Pazifik kaum eine gesellschaftliche Schnittmenge mit dem riesigen Binnenland hat. Die zwei großen politischen Parteien führen sich auf, als seien sie im Krieg. Demokratische Auseinandersetzung findet nicht mehr statt. Die Wahl des amtierenden Präsidenten war nur der vorläufige Endpunkt einer Entwicklung, die viel früher einsetzte. Mit der Wahl Ronald Reagans begann es. Im Weißen Haus saß ein Mann, der das ganze politische System in Washington verabscheute. Der glaubte, dass es im Grunde besser wäre, der Staat mischt sich nicht ein und lässt den Kräften des Kapitalismus freien Lauf. Dass die Staatsverschuldung gigantisch anwuchs: egal.

Natürlich ist die kapitalistische Ökonomie nur ein – freilich wichtiger – Teil der Gesellschaft. Aber in den USA gab man ihr freiwillig die ganze Hand. Wirtschaft ohne Regulierung ist toxisch. Die unvermeidliche Folge war, dass die Kluft zwischen Reich und Arm immer größer wurde. Unter Bush Senior und Clinton änderte sich daran kaum etwas. Im Gegenteil: Clinton ließ die Banken mit ihren Investment-Gangs vollends von der Leine. Wall Street als Casino. Unter Bush Junior kamen dann noch die Verwerfungen in Folge von 9/11 hinzu. Anstatt die Verbrecher, die überwiegend aus Saudi-Arabien kamen, wie Verbrecher und Massenmörder polizeilich zu suchen und zu verurteilen, hielt man Saudi-Arabien – Oil first – die Stange und marschierte in Afghanistan und den Irak ein. Eine Katastrophe für den Mittleren Osten. Obama konnte das Rad nicht zurückdrehen; er hat es aber, und das muss man ihm ankreiden, auch kaum versucht. Und dann wählten die US-Amerikaner ein empathiefreies, egozentrisches Monster zu ihrem Präsidenten.

"Und wo bleibt nun, im Jahr 2020, frei nach Erich Kästner, das Positive? Ja, weiß der Teufel, wo es bleibt."Dr. Dirk Dasenbrock, Redakteur

Bis heute kann man in den USA das Erbe der Pilgerväter, die jenseits des Atlantik siedelten, besichtigen. Das waren teils radikale, oft bigotte Religionsgemeinschaften, die sich selbst ausgrenzten. Was folgte, war ein gigantischer Landraub. Einhergehend mit dem kaum kaschierten Genozid an den Ureinwohnern. Jedem Siedler im Westen seine Waffen. Im Süden hatte sich da längst flächendeckende Sklaverei etabliert. Der Bürgerkrieg hat daran nur oberflächlich etwas geändert. Schwarze waren keine Sachen mehr, aber minderwertig. Die Diskriminierung ist strukturell, bis heute.

In die beiden großen Weltkriege, die in Europa entflammten, sind die USA spät eingetreten. Am Ende dann doch, beide Male kriegsentscheidend. Im Ersten Weltkrieg waren Großbritannien und Frankreich demokratische Verbündete – diese Solidarität zahlte sich aus. Seit 1917 sind die USA eine Großmacht. Im Zweiten Weltkrieg dauerte es bis zu Japans Angriff auf Pearl Harbour; nun trat das Land in den Krieg ein. Die USA haben Freiheit und Demokratie verteidigt, ein unermessliches Verdienst.

Demokratie, die diesen Namen verdient, braucht eine unabhängige Justiz und ebenso unabhängige Medien. Beides funktioniert in den USA. Noch. Der amerikanische Präsident hat nur ein politisches Ziel: seine Wiederwahl. Es steht zu erwarten, dass ihm dafür jedes Mittel recht ist. Er könnte bei anhaltender wirtschaftlicher Talfahrt sogar versuchen, die Corona-Pandemie zu instrumentalisieren, die Wahl zu manipulieren oder zu verschieben. Nichts ist bei ihm auszuschließen.

Und wo bleibt nun, im Jahr 2020, frei nach Erich Kästner, das Positive? Ja, weiß der Teufel, wo es bleibt. Immerhin: Aus den USA kamen im 20. Jahrhundert Hollywood und eine neue populäre Musik. Diese Musik war, schöne Pointe, in ihren Anfängen die Musik der Sklaven.

Aussicht auf Versöhnung? Vielleicht. Louis Armstrong hat die Welt mit seinem musikalischen Genie bereichert. Er wurde noch in seiner Heimat ganz klassisch als „Nigger“ diskriminiert. Und dann sang er, trotz alledem, „What A Wonderful World“.

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