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Es gibt kein einziges sachliches Argument gegen ein Tempolimit

Die Politik hat die einmalige Chance, den Energieverbrauch und die Energieerzeugung nachhaltig zu verändern. Stattdessen dominiert das „Weiter so“.

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Kohle, Gas, Öl, Atom: Der Ukraine-Krieg zeigt, wie abhängig Wirtschaft und Wohlstand in Deutschland weiterhin von diesen endlichen und gefährlichen Energieträgern sind. Gleichzeitig wird dadurch schonungslos aufgedeckt, wie konsequent die erneuerbaren Energien und eine höhere Energieeffizienz verpennt wurden. Die Folge ist allerdings nicht, umgehend die radikale Kehrtwende zu vollziehen, also das Verpasste nachzuholen und die Krise als Chance zu betrachten. Vielmehr dient der Missstand als Legitimation für ein „Weiter so“.

Beispiel: Die USA und Katar sollen große Mengen Flüssiggas (LNG) liefern. Heißt: Wir sind künftig nicht mehr abhängig von einem Kriegstreiber (Russland), sondern von extrem umwelt- und klimaschädlichem Frackinggas (USA) sowie Produkten aus einer für ihre Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen berüchtigten Monarchie (Katar). Wow, das ist ein Quantensprung, der natürlich ganz nebenbei neue Infrastrukturen benötigt, etwa an der Nordseeküste. Machen wir uns doch nichts vor: Mit dem Bau der kostspieligen Terminals wird sich Deutschland über Jahre hinweg festlegen und zur LNG-Abnahme verpflichten. Von wegen Übergangslösung.

Relikt aus der Nach-mir-die-Sintflut-Epoche

Genug des Sarkasmus, jetzt kommen wir ins Reich der Absurditäten. Nur ein einziges der in Stein gemeißelten Gebote fehlgeleiteter deutscher Klientelpolitik wird im Rahmen der ganzen Energiedebatten weiterhin kaum ernsthaft infrage gestellt: die ungehemmte Raserei auf den Autobahnen. Dieses Relikt aus der Nach-mir-die-Sintflut-Epoche wird eher wie eine Monstranz vor sich hergetragen. Tempolimit? Igitt. Dabei schreit einen die Sinnfrage nirgendwo anders derart an wie bei diesem Thema.

Und zwar aus vielerlei Gründen: Vorneweg ist ein Tempolimit ein schnelles und wirksames Mittel, um den Benzinverbrauch zu senken. Weiterhin würde eine Geschwindigkeitsbegrenzung den Ausstoß an Schadstoffen erheblich reduzieren und wäre damit ein wichtiger Beitrag sowohl für die Gesundheit als auch den Klimaschutz. Hinzu kommt der Sicherheitsaspekt: Eine geringere Geschwindigkeit führt nachweislich zu weniger Toten und Verletzten. Zudem würde ein Tempolimit die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen den Autos verringern, damit den Verkehrsfluss verbessern, weniger Staus verursachen und weniger Stress bei den Autofahrerinnen und Autofahrern erzeugen.

So viel zu den Argumenten für ein Tempolimit. Nun zu den Gegenargumenten. Problem: Es gibt schlichtweg keine einzige sachliche Rechtfertigung für Raserei. Alles, was an Contrapunkten angeführt wird, ist emotionaler oder ideologischer Natur ("Freie Fahrt für freie Bürger"). Und mit Aussagen wie „Autobahnen sind die sichersten Straßen der Welt“ wird auch hier krampfhaft versucht, das „Weiter so“ zu verteidigen.

Dass Deutschland kein Tempolimit hat, ist peinlich

Warum ändert sich dennoch nichts? Weil viele alte weiße Männer ihren SUV mit dem granitenen Gewicht eines Bergmassivs, dem Spritverbrauch eines Kreuzfahrtschiffes und dem Luftwiderstandsbeiwert des Hamburger Rathauses auch weiterhin ungezügelt ausfahren wollen? Gewiss. Weil in der Bundesregierung eine Partei vertreten ist (FDP), die sich zum Anwalt rücksichtsloser Autofahrer erklärt und dabei ähnlich vorgeht wie in der Corona-Pandemie? Also von Freiheit faseln, dabei aber lediglich die eigene, individuelle Freiheit meinen, hinter der die Freiheit aller anderen wie selbstverständlich zurückzustehen hat? Ganz sicher.

Dass Deutschland immer noch kein Tempolimit hat, ist keine Errungenschaft, sondern peinlicher Hochmut. Bleifuß und Tempo 200, die lediglich viel Schaden und Leid für Bevölkerung und Umwelt gebracht haben, gehören weg von der Straße und hin auf den Friedhof für verfehlte Verkehrs- und Energiedogmen.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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