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Es fehlt der Mensch

Hilferufe der Klinikchefs: Angesichts eskalierender Corona-Zahlen ist in Sachsen bereits die Rede von Triage - behandelt wird dann je nach Überlebenschance. Das Sparen am Gesundheitssystem rächt sich.

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Wenn Katastrophenfilme über die Mattscheibe flimmern und schwerkranke Menschen auf überfüllten Fluren der Krankenhäuser zeigen, mag es zum Spannungsbogen des Regisseurs dazugehören. Das Szenario der Hollywood-Strategen hatte aber doch nicht wirklich etwas mit dem tatsächlichen Leben zu tun. Zumindest nicht in Deutschland. So dachten wir. Falsch gedacht.

Den beschriebenen Zustand haben wir zwar noch nicht erreicht. Und werden ihn hoffentlich verhindern können. Aber Corona lehrt uns: Auch in einem technisch hochentwickelten Industrieland können die Kapazitäten der medizinischen Versorgung an ihre Grenzen stoßen. Die Hilferufe einzelner Klinikchefs werden lauter. Von einer Triage spricht der Ärztliche Direktor eines Krankenhauses in Sachsen. Im Klartext: Die Mediziner müssen aussortieren, wem zuerst geholfen wird, wer die besten Überlebenschancen hat. Eine unwirkliche Situation – wie aus einem schlechten Film.

Dabei fehlen nicht in erster Linie Bettgestelle oder intensivmedizinische Ausrüstung. Es fehlt der Mensch. Die Erkenntnis, die schon vor Corona klar war, bestätigt sich: Sparmaßnahmen in den vergangenen Jahren haben für eine ausgedünnte Personaldecke gesorgt, die einem echten Belastungstest auf Dauer nicht standhalten kann. Nun spiegelt die Entwicklung in einzelnen Häusern nicht das Gesamtbild in Deutschland wider. Symptomatisch ist sie jedoch allemal. Die Zahlen werden in den nächsten zwei Wochen noch nicht nennenswert sinken. Umso wichtiger ist bundesweite Bündelung und Koordinierung aller Kräfte, um flexibel auf regionale Engpässe reagieren zu können. Nur so ist eine professionelle und würdevolle Behandlung aller Patienten zu gewährleisten.

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