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Ermordet wegen eines kleinen Stücks Stoff: Neue Form von rechtem Terror droht

Thema: Urteil im Prozess um Mord nach Maskenstreit – Das Opfer hatte den politisch motivierten Täter lediglich darauf hingewiesen, dass es ihm ohne Mund-Nasen-Schutz kein Bier verkaufen könne.

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Es macht immer noch fassungslos und beschreibt doch zugleich, wozu menschenfeindliche, verschwörungsideologische und rechtsextreme Desinformation fähig ist: Ein radikalisierter und völlig enthemmter Corona-Leugner erschießt einen jungen Mann, der als Kassierer in einer Tankstelle arbeitet. Warum? Wegen eines kleinen Stücks Stoff. Der 20-Jährige wird erschossen, weil er den Kunden auf die seinerzeit geltende Maskenpflicht hingewiesen hatte und ihm mitteilte, dass er ohne Mund-Nasen-Schutz kein Bier kaufen könne.

Jener Kunde handelte dann nicht etwa spontan, sondern erschütternd strategisch, was seinen abgrundtiefen Hass untermauert. Er ging nach Hause, holte einen Revolver, kehrte zurück in die Tankstelle, trug dabei eine Maske, setzte sie an der Kasse ab, verlangte erneut ein Bier und tötete – nachdem er es wieder nicht bekam – das junge Opfer mit einem gezielten Schuss in den Kopf.

Die Tat geschah vor einem Jahr, in der 3. Hochphase der Corona-Pandemie. Der 50-jährige Täter setzte um, was eine entfesselte und entmenschlichte Corona-Leugner-Szene in (un)sozialen Online-Medien und zunehmend auch auf Demonstrationen einforderte: Gewalt als Mittel gegen die verhasste Regierung. Nachdem auch er sich anfangs in Chats ausgelassen hatte und dort unter anderem verlangte, Lockdown-Befürworter „in die Gaskammer“ zu schicken, ließ der Mann seinen Worten diese abscheuliche Tat folgen.

Legitimation für Rücksichtslosigkeit und Intoleranz

Von daher ist dieses Verbrechen, das sich in Idar-Oberstein zutrug, politisch motiviert. So sah es jetzt auch das zuständige Landgericht Bad Kreuznach und verurteilte den Mann zu lebenslanger Haft. Gleich zwei Mordmerkmale waren nach Ansicht der Richter erfüllt: Heimtücke und niedere Beweggründe. Heimtücke, weil das Opfer arg- und wehrlos war. Niedere Beweggründe, weil er den Kassierer in seiner absurd-boshaften Logik als ausführende Person der staatlich angeordneten Maßnahmen ansah.

Der Fall macht deutlich, welche durchaus vorhersehbare Gefahr von dieser Szene ausgeht, die sich gerne Freiheit auf die Fahnen schreibt, letztlich aber nur die eigene Rücksichtslosigkeit und Intoleranz legitimieren will. Der Täter war, wie viele andere Gleichgesinnte auch, sowohl in rechtsextremen als auch Querdenker-Milieus unterwegs und hat sich dort radikalisiert. Es besteht die berechtigte Sorge, dass die Tat von Idar-Oberstein nicht die letzte ihrer Art war, sondern der Anfang einer neuen Form von Terror ist.

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