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Erdoğans Machtspielchen

Thema: Machtkampf am Bosporus – Der türkische Präsident will 10 westliche Botschafter aus dem Land schmeißen. Ob er innenpolitisch damit Erfolg hat, hängt vom Westen und innerparteilichen Gegnern ab.

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Erst 2023 sind in der Türkei Präsidentschaftswahlen, Präsident Recep Tayyip Erdoğan aber hat den Wahlkampf bereits eröffnet. Denn Stimmung und Lage im Land können ihm nicht gefallen: Die Inflation liegt bei 19 Prozent, die Lira verliert dramatisch an Wert, die Menschen können sich kaum mehr das Nötigste kaufen, die Umfragewerte seiner AKP sind im Sinkflug. Erdoğan reagiert wie immer, wenn er innenpolitisch unter Druck ist. Er setzt außenpolitisch auf Konfrontation, um sich als starker Mann zu präsentieren. Sein Lieblingsziel: die Staaten der EU und die USA.

Die aber haben auf die angedrohte Ausweisung der Botschafter so gelassen und nüchtern reagiert, dass man sich fragen möchte, ob sie Erdoğan noch ernst nehmen. Mit einem simplen Satz haben sie eine Eskalation fürs Erste verhindert. Erdoğan mag das als Sieg verkaufen, doch selbst in seiner Partei gab und gibt es Kritik an seinem Machtspielchen, einflussreiche (Regierungs-) Mitglieder hüllen sich nach außen in ungewohntes Schweigen. 

Möglicherweise haben sie erkannt, dass ihr Präsident mit dem Feuer spielt. Denn der Westen hat mit Wirtschaftssanktionen ein Instrument in der Hand, dem Russland und China als Profiteure vermutlich nicht genug entgegenzusetzen hätten. Die Leidtragenden, und das ist die Crux an der Sache, wären die Menschen in der Türkei. Deutschland selbst allerdings ist hier in einer schwachen Position. Zu sehr hat sich die Bundesrepublik durch den Flüchtlingsdeal vom Wohlwollen des Potentaten am Bosporus abhängig gemacht.

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