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Entsteht in Steinfeld eines der ersten klimaneutralen Wohnquartiere in Niedersachsen?

Markus Borgerding und Michael Heese wollen den Spagat zwischen Nachhaltigkeit und bezahlbarem Wohnraum meistern. Doch die Politik hat Bedenken wegen der geplanten Verdichtung.

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Ein zukunftsweisendes Vorhaben: An der Graf-von-Galen-Straße nördlich der Allensteiner Straße wollen die Investoren eine Siedlung mit 12 Bauplätzen und bis zu 26 Wohnungen entwickeln. Foto: Timphaus

Ein zukunftsweisendes Vorhaben: An der Graf-von-Galen-Straße nördlich der Allensteiner Straße wollen die Investoren eine Siedlung mit 12 Bauplätzen und bis zu 26 Wohnungen entwickeln. Foto: Timphaus

In Steinfeld könnte eines der ersten klimaneutralen Wohnquartiere in Niedersachsen entstehen. Die Investoren Markus Borgerding und Michael Heese (Borgerding & Heese Bau) möchten an der Graf-von-Galen-Straße, nördlich der Allensteiner Straße, auf einer bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche eine Siedlung mit 12 Bauplätzen und bis zu 26 Wohnungen entwickeln.

Das Besondere: Die Energieversorgung soll über Photovoltaik in Kombination mit Luftwärmepumpen und Stromspeichern erfolgen. Damit wäre das Quartier CO2-neutral und energieautark. Die Siedlung soll durch den Einsatz recycelbarer Baustoffe und ein intelligentes Wassermanagement auch in anderen Bereichen nachhaltig sein. Die Investoren befinden sich dazu nach eigenen Angaben in Gesprächen mit lokalen Kooperationspartnern. Bei der Konzeption arbeiten Borgerding und Heese mit dem Planungsbüro Diekmann, Mosebach & Partner aus Rastede zusammen. Ebenfalls im Boot ist der Energieberater Frank Pjede aus Lohne.

Heese, ein gebürtiger Steinfelder, der als Strategieberater im Süden Deutschlands arbeitet und bald in die Region zurückzieht, ist vom innovativen Ansatz des Vorhabens überzeugt. "Angesichts des Klimawandels brauchen wir keine normalen Baugebiete mehr. Wir müssen an die Zukunft denken und endlich den ersten Schritt machen."

Dort, wo jetzt noch der Mais in die Höhe wächst, könnten perspektivisch 12 Bauplätze mit bis zu 26 Wohnungen entstehen. Foto: TimphausDort, wo jetzt noch der Mais in die Höhe wächst, könnten perspektivisch 12 Bauplätze mit bis zu 26 Wohnungen entstehen. Foto: Timphaus

Bauland soll zu ortsüblichen Preisen verkauft werden

Er betont die Vorreiterrolle, die Steinfeld einnehmen könne. Weiter sagt der 30-Jährige: "Die Herausforderung unseres Projekts liegt im Spagat zwischen CO2-Neutralität und bezahlbarem Wohnraum. Diese Hürde wollen wir meistern."

Laut Konzept sind vier Mehrparteienhäuser mit je 4 Wohnungen, 2 Doppelhäuser sowie 6 Bauplätze für Einfamilienhäuser vorgesehen. Die Mehrparteien- sowie die Doppelhäuser wollen die Investoren selbst bauen und vermieten. Die 6 Bauplätze sollen in Kooperation mit der Gemeinde zu ortsüblichen Preisen verkauft werden. Zur Orientierung: Aktuell werden in Steinfeld schätzungsweise 110 bis 120 Euro pro Quadratmeter aufgerufen. Weiter ist geplant, für 1 Mehrparteienhaus eine anfängliche Mietpreisbindung vertraglich festzuhalten. 

"Angesichts des Klimawandels brauchen wir keine normalen Baugebiete mehr. Wir müssen an die Zukunft denken und endlich den ersten Schritt machen."Michael Heese, Borgerding & Heese Bau aus Steinfeld

Borgerding verweist darauf, dass die Strom- und Wärmegewinnung in Eigenregie zu stabilen Energiekosten führe. "Das gibt Planungssicherheit für die Mieter und Hauseigentümer", sagt der 41-jährige Bauunternehmer aus Steinfeld.

Während der Sitzung des Bauausschusses erläuterte Stadt- und Regionalplanerin Stephanie Geelhaar das Konzept, für dessen Umsetzung die Aufstellung eines Bebauungsplans und die Änderung des Flächennutzungsplans für das 9920 Quadratmeter große Areal notwendig ist. Falls alles wie von den Investoren gewünscht verläuft, könnte ab dem 2. Halbjahr 2022 an der Graf-von-Galen-Straße eine weitere Siedlung entstehen.

Dazu müsste die Politik mitspielen. Doch sowohl aus den Reihen der CDU-Mehrheitsfraktion als auch der Opposition wurden Bedenken wegen der Anzahl der Mehrparteienhäuser angemeldet. Stellvertretend äußerte Hubert Ritterhoff (CDU), dass er sich lediglich 2 Mehrparteienhäuser wünsche, um sich den Wohngebieten im Umfeld anzupassen. 

Konzept steht und fällt mit den Mehrparteienhäusern

Borgerding entgegnete, dass für die Photovoltaikanlagen, die sowohl auf dem Mehrparteien- als auch den Doppelhäusern installiert werden sollen, eine bestimmte Fläche vorhanden sein müsse. "Damit steht und fällt das Konzept." Das Thema wurde nun in den Herbst vertagt. Die Investoren haben derweil für Ende August die Anlieger zum Gespräch eingeladen.


Ein Kommentar zum Thema von Andreas Timphaus (Reporter):

Ein bezahlbarer Preis

Steinfeld hat sich bisher nicht unbedingt als Vorreiter beim Klimaschutz hervorgetan. Umso wichtiger wäre jetzt ein Zeichen meiner Heimatgemeinde für die Bereitschaft, ihren Beitrag zur Bewältigung der aktuell größten globalen Herausforderung für die Menschheit zu leisten. Fakt ist: Bei der Entwicklung künftiger Wohngebiete müssen eine möglichst CO2-neutrale Energieversorgung und ein nachhaltiges Wassermanagement bedacht werden. Am Ende geht es um 2 Wohnungen mehr oder weniger. Wenn diese für eine Realisierung notwendig sind, dann ist das ein bezahlbarer Preis für mehr Klimaschutz.

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