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Elternratsvorsitzender: "Kind schon vor Jahren in Brunnen gefallen"

Florian Schmedes spricht sich für einen vorübergehenden Umzug der Marienschule Oythe aus. Die Versäumnisse sieht er in der Vergangenheit.

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Wohin führt der Weg in der Marienschule Oythe? Die Verwaltungsspitze um Bürgermeister Kristian Kater und das Lehrerkollegium um Schulleiterin Ulrike Binder sprechen sich für einen vorübergehenden Umzug in die Liobaschule aus, damit die Bauarbeiten ungestört über die Bühne gehen können.   Foto: Speckmann

Wohin führt der Weg in der Marienschule Oythe? Die Verwaltungsspitze um Bürgermeister Kristian Kater und das Lehrerkollegium um Schulleiterin Ulrike Binder sprechen sich für einen vorübergehenden Umzug in die Liobaschule aus, damit die Bauarbeiten ungestört über die Bühne gehen können.   Foto: Speckmann

Der Schulausschuss der Stadt Vechta befasst sich am 20. April (Mittwoch) mit der Zukunft der Marienschule Oythe. Die Position der Stadtverwaltung ist klar: Sie favorisiert einen vorübergehenden Umzug in die Liobaschule, um den Ausbau zur Dreizügigkeit realisieren zu können. Hintergrund ist vor allem die finanzielle Situation, denn eine 2-jährige Containerlösung in Oythe würde mehr als 2 Millionen Euro kosten und damit die Ausgaben eines Standortwechsels um ein Vielfaches übersteigen.

Dass ein Umzug an die Antoniusstraße allen Beteiligten nicht leicht fallen würde, schweren Herzens aber Sinn mache, meint auch Florian Schmedes. Er ist Elternratsvorsitzender der Grundschule und zugleich Mitglieder der CDU-Fraktion im Stadtrat. „Ich bin schon ein Patriot, wenn es um Oythe geht. Aber wir müssen die Kirche im Dorf lassen“, sagt Schmedes und warnt vor einer ungemeinen Belastung des städtischen Haushalts.

Der zweifache Familienvater hat sich in den vergangenen Tagen mit vielen Eltern ausgetauscht, deren Kinder ebenfalls von der Schulerweiterung und deren Folgen betroffen sind. In den sozialen Netzwerken gibt es einen intensiven Austausch über die sich abzeichnenden Pläne. „Die Einsicht zur Notwendigkeit ist da. Aber es ist schon eine gewisse Enttäuschung zu spüren“, berichtet Schmedes.

Florian Schmedes, Elternratsvorsitzender der Marienschule Oythe und zugleich CDU-Fraktionsmitglied im Stadtrat. Foto: SchmedesFlorian Schmedes, Elternratsvorsitzender der Marienschule Oythe und zugleich CDU-Fraktionsmitglied im Stadtrat. Foto: Schmedes

Was in dieser Gefühlslage offenbar immer wieder mitschwingt, sind mögliche Versäumnisse aus der Vergangenheit. Sowohl im Schul- als auch Kindertagesstättenbereich läuft die Kommune dem Betreuungsbedarf hinterher. „Das Kind ist schon vor Jahren in den Brunnen gefallen. Es war absehbar, dass die Kapazitäten nicht ausreichen werden“, sagt der Oyther und verweist auf Gutachten zur Bevölkerungsentwicklung.

"Viele Familien sind nach Oythe gezogen, um dort zu wohnen und eine Betreuung für ihre Kinder zu haben. Aber die Infrastruktur ist viel zu spät ins Laufen gekommen."Florian Schmedes, Elternratsvorsitzender der Marienschule Oythe

„Viele Familien sind nach Oythe gezogen, um dort zu wohnen und eine Betreuung für ihre Kinder zu haben. Aber die Infrastruktur ist viel zu spät ins Laufen gekommen“, so der Elternvertreter weiter. Die Stadt hätte bei der Entwicklung der Baugebiete langfristiger planen müssen. Eltern wollten ihre Kinder auf kurzen Wegen in die Grundschule oder Kita schicken. Nun seien die Leute aufgrund der Entwicklung einfach nur noch genervt.

Nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sieht der Elternvertreter die Grundschüler vor einer neuen Herausforderung. Durch einen Umzug würden sie zwar dem Baulärm entfliehen, doch der Ortswechsel könne emotionale Probleme mit sich bringen. „Ein Wir-Gefühl kann kaum entstehen. Identifikation und Bindung zur Schule sind am fremden Standort schwer möglich“, befürchtet er.

Die Marienschule Oythe wäre jedoch nicht die erste städtische Grundschule, die einen solchen Ortswechsel mitmachen müsste. Seit vergangenem Sommer haben die Kinder der Martin-Luther-Schule und Alexanderschule ihr gewohntes Umfeld verlassen, damit die Sanierung und Erweiterung ihrer Gebäude reibungslos über die Bühne gehen kann. Vereinzelte Proteste aus der Elternschaft sind inzwischen verstummt.

Verwaltung hat schon Busfahrplan ausgearbeitet

Die Entfernung zwischen Marienschule und Liobaschule ist jedoch deutlich größer. Ohne eine organisierte Beförderung ginge es in diesem Fall nicht. Das ist auch einer der Punkte, die in WhatsApp-Gruppen der Eltern hinterfragt würden, wie Schmedes berichtet. Die Mütter und Väter wollten von der Stadt wissen, wie der Busverkehr ablaufen, wo sich etwa die Haltestellen befinden und wie die Aufsicht geregelt werden sollten.

„Die Verwaltung hat gemeinsam mit dem Planungsteam der Marienschule und einem örtlichen Busunternehmen eine Grundlage für einen möglichen Fahrplan ausgearbeitet“, berichtet Pressesprecher Volker Kläne auf Anfrage. Es würden jeden Morgen Busse vor der Marienschule sowie auf dem Parkplatz an der Kreuzung Oythe/Im Kühl bereitstehen und die Kinder zur Bushaltestelle am Übergangsstandort bringen.

Die Haltestelle an der Liobschule sei gut ausgebaut und würde während des Eintreffens der Oyther Busse von keiner anderen Schule genutzt. Hierfür würden zeitversetzte Ankunftszeiten sorgen. Sowohl von der Haltestelle als auch von der daneben liegenden Hol- und Bringzone für Eltern könnten die Schüler über den Pausenhof die Klassenräume erreichen, ohne eine Straße überqueren zu müssen.

Am Mittag und Nachmittag, entsprechend dem Unterrichts- und Ganztagsbetrieb, sollen die Busse wieder zurück nach Oythe fahren. Dort müsste Aufsichtspersonal eingesetzt werden, eine Unterstützung durch Eltern wäre erwünscht, heißt es weiter. Für den Transfer bräuchten die Eltern nichts zu bezahlen. Dafür würde laut Stadtverwaltung voraussichtlich der für die Schülerbeförderung zuständige Landkreis Vechta aufkommen.

Die Abwägung zwischen Umzug und Containerlösung, verbunden mit einer konkreten Bauplanung zur Schulerweiterung, will die Verwaltung nach Ostern im Schulausschuss vorstellen. Florian Schmedes hätte sich hier eine frühzeitigere Information für die Eltern gewünscht. Er selbst habe im Rathaus danach gefragt, sei aber auf die öffentliche Sitzung verwiesen worden.

Schulteam hätte Eltern gerne früher informiert

Unterdessen bedauert das Schulteam um Ulrike Binder, dass die Eltern von den Überlegungen aus der Zeitung erfahren hätten. „Das ist nicht schön und auch nicht in unserem Sinn. Es führt verständlicherweise zu Unmut und Unverständnis. Wir hätten Sie gerne vorher informiert. Von Seiten der Stadt war aber die Vorgabe, dass erst die politische Entscheidung am 20. April erfolgen muss“, heißt es im jüngsten Elternbrief.

Ausführliche Informationen zum Sachverhalt sind jetzt über das Ratsinfosystem auf der städtischen Internetseite abrufbar. Die Sitzung findet im Forum der Geschwister-Scholl-Oberschule, also in Nachbarschaft der Liobaschule, statt. Beginn ist um 18 Uhr. Es gelten die 3G-Regeln.

  • Info: Eine Teilnahme ist nur nach Anmeldung bis 14 Uhr am Sitzungstag unter Telefon 04441/886-1201 oder E-Mail: ratsbuero@vechta.de möglich.

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