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Ein Bier bitte – der Staat braucht mehr Geld

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Japans Regierung will junge Menschen dazu bringen, mehr Alkohol zu trinken. Und das nur, um mehr Geld in die Staatskassen zu spülen.

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Samstagabend, kurz vor dem Schlafen gehen: Ich scrolle durch meinen Instagram-Feed. Zwischen all den Memes und Bildern von Freunden halte ich kurz an. Eine Schlagzeile erweckt meine Aufmerksamkeit: "Japans Regierung will junge Menschen dazu bringen, mehr Alkohol zu trinken." Das ist ein schlechter Scherz, denke ich. Ich switche auf Google News um und merke schnell: Nein, das ist kein Scherz. 

Die Steuerbehörde in Japan hat mit dem zurückgehenden Alkoholkonsum in der Bevölkerung ein Problem. So werden nämlich weniger Steuereinnahmen in die Staatskassen gespült. Deshalb hat die Regierung nun einen landesweiten Wettbewerb ausgerufen, bei dem Menschen zwischen 20 und 39 Jahren, Geschäftsideen entwickeln sollen, um Alkohol für die jüngere Generation wieder attraktiver zu machen. 

Aufklärung über Alkohokonsum ist wichtig

Wer jetzt denkt, dass sich das nach einer schlechten Storyline für einen noch schlechteren Teenie-Film anhört, hat recht. Aber leider meint die japanische Regierung das ernst. Junge Menschen dazu zu bringen, ein Mittel zu konsumieren, welches abhängig machen kann und massive Auswirkung auf die Gesundheit haben kann, erscheint mir mehr als fragwürdig. Besonders dann, wenn es nur dazu dienen soll, dem Staat mehr Geld einzubringen. Japan hat bereits seit Längerem mit einem chronischen Haushaltsdefizit zu kämpfen. Die Gesamtverschuldung des Staates ist mehr als doppelt so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt des Landes. Doch es muss andere Wege geben, um das Defizit wieder auszugleichen. 

Natürlich haben wir alle schon mal einen über den Durst getrunken. Ein Glas Wein zu einem guten Essen oder ein Bier zum Grillen darf eben nicht fehlen. Trotzdem ist die Aufklärung über Alkohol seitens der deutschen Regierung gegeben und vor allem auch nötig. Immerhin lassen sich alleine in der Bundesrepublik 5,8 Prozent der Krankenhausaufenthalte komplett oder teilweise auf Konsum von Alkohol zurückführen. 

"Und doch wird nicht verstanden, warum sich die junge Generation mit der Politik nicht identifizieren kann."Lisa Bernhardt

Besonders in den jungen Jahren testen einige ihre Grenzen beim Alkoholkonsum aus. Das kann besonders dann nach hinten losgehen, wenn über die Folgen nicht richtig aufgeklärt wird. Oder, wie im Falle Japans, junge Menschen noch dazu angestiftet werden. 

Fakt ist: Alkohol ist bei der jungen Generation in Japan out. Dass dies als ein negativer Trend seitens der Regierung aufgenommen wird, ist mehr als nur paradox. Sollte nicht eigentlich die Gesundheit der Bevölkerung im Interesse des Staates liegen? Oder gehen volle Staatskassen dann doch vor? Eine weitere Frage, die sich mir angesichts dieses Wettbewerbsaufrufs stellt, ist: Was sagt eigentlich das japanische Gesundheitsamt dazu? Die Behörde meint dazu nur: "Bei der Kampagne wird erwartet, auf eine angemessene Menge an Alkoholkonsum zu achten." 

Und doch wird nicht verstanden, warum sich die junge Generation mit der Politik nicht identifizieren kann. 


Zur Person:

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