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Ehrung oder nicht? 4 Veteranen der Kommunalpolitik mussten sich entscheiden

Zur Würdigung ihrer langen Ratsherrenzeit gab es eine Terminkollision. Verärgert sind Heinrich Luhr (UWG) und Eckhard Knospe (SPD). Entspannt sind Heiko Bertelt (FDP) und Hermann Schütte (SPD).

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Scharfe Kritik und versöhnliche Worte: (von links) Heinrich Luhr (UWG) aus Steinfeld, Eckhard Knospe (SPD) aus Lohne, Heiko Bertelt (FDP) aus Damme und Hermann Schütte (SPD) aus Neuenkirchen-Vörden. Fotos: M. Niehues (Nummer 1) und Landkreis Vechta/Dorgelo (Nummer 2 bis 4)

Scharfe Kritik und versöhnliche Worte: (von links) Heinrich Luhr (UWG) aus Steinfeld, Eckhard Knospe (SPD) aus Lohne, Heiko Bertelt (FDP) aus Damme und Hermann Schütte (SPD) aus Neuenkirchen-Vörden. Fotos: M. Niehues (Nummer 1) und Landkreis Vechta/Dorgelo (Nummer 2 bis 4)

Jahrzehntelang haben sie die Lokalpolitik im Landkreis Vechta mitgeprägt, Akten durchgeackert, Wortgefechte ausgetragen, Kompromisse geschmiedet oder es aushalten müssen, überstimmt zu werden. Unzählige Stunden an Arbeit und viele nervenaufreibende Situationen kommen da zusammen – für das ehrenamtliche Engagement im Gemeinde- oder Stadtrat.

Die Veteranen der Demokratie vor Ort wurden am vergangenen Donnerstag dafür geehrt, erhielten Urkunden vom kommunalen Spitzenverband Niedersächsischer Städte- und Gemeindebund (NSGB). Der Ort der Veranstaltung war Holdorf. Auch ein Spargelessen gab es.

So weit, so gut? Nicht in jedem Fall. Denn 4 Herren hatten einen anderen sehr wichtigen Termin: eine Kreistagssitzung um 17 Uhr. Unter den Betroffenen waren ausgerechnet 3 Spitzenvertreter der Kreistagsabgeordneten. Nämlich Heinrich Luhr aus Steinfeld, der der Kreistagsgruppe UWG/Die Linke vorsitzt, sowie die Fraktionschefs Eckhard Knospe (SPD) und Heiko Bertelt (FDP). Zudem sah sich Hermann Schütte (SPD) aus Neuenkirchen-Vörden mit der Überschneidung des Termins für die Ehrung und der Kreistagssitzung konfrontiert.

Ehrung wurde vorgezogen

Es gab Anrufe und E-Mails, die Abgeordneten machten das Büro von Steinfelds Bürgermeisterin Manuela Honkomp, der Geschäftsführerin des NSGB-Kreisverbandes, auf die Terminkollision aufmerksam. Der NSGB reagierte so: Die Ehrung wurde nicht verlegt, was im Zuge der Coronapandemie bereits geschehen war. Aber die Veranstaltung wurde vorgezogen, von 17.30 Uhr auf 16 Uhr.

Das sorgte für Ärger bei Luhr und Knospe. Bertelt und Schütte klingen hingegen versöhnlich. Ebenso gab es Unterschiede, wie die 4 Kommunalpolitiker sich verhielten. Ein Überblick:

Luhr bezeichnet Verhalten des NSGB als "Frechheit"

Heinrich Luhr: Der 68-jährige Steinfelder schrieb an Honkomp eine empörte E-Mail. „Meinen Bemühungen für eine Terminverlegung konnte beziehungsweise wollte man anscheinend nicht nachkommen“, heißt es darin. Lediglich eine Vorverlegung habe es geben, was ihn dennoch am pünktlichen Erscheinen im Kreistag hindern würde, stellte er heraus.

„Für mich ist dieser Ablauf und das Verfahren kein angemessener Rahmen für die Würdigung des Ehrenamtes als Kommunalpolitiker“, schrieb er. Er empfinde den Vorgang als „Frechheit“. Er verzichte „auf eine Übergabe der Ehrengabe im Vorbeigehen“. Außerdem warf Luhr dem NSGB vor, die Ehrung wohl eher als lästige Pflichtaufgabe zu sehen. Luhr sollte für 30 Jahre Mitgliedschaft im Gemeinderat von Steinfeld geehrt werden.

Eckhard Knospe: Der Fraktionschef der SPD-Kreistagsfraktion hatte sich für die Ehrung „abgemeldet“, wie er auf Anfrage von OM-Online sagte. Zudem habe er mitgeteilt, dass er es als „sehr unglücklich empfinde“, wenn es keine Abstimmung ohne Terminkollision geben könne.

Knospe sieht ein Angebot, das "mehr als peinlich" ist

Das Angebot, „um 16 Uhr vorbeizukommen, damit schnellstmöglich die Ehrung vorgenommen wird“, fand er „mehr als peinlich“. Das habe darauf hingedeutet, dass der Tagungsordnungspunkt schnell abgearbeitet werden sollte. Dabei sei die langjährige ehrenamtliche Tätigkeit völlig in den Hintergrund getreten.

Der NSGB habe sich keinen Gefallen getan, „indem er es auf diese Art und Weise abfrühstücken wollte“. Knospe ist 68 Jahre alt und gehört dem Lohner Stadtrat seit 1991 an.

NSGB-Kreischef Averbeck: Situation ist "unglücklich"

Heiko Bertelt: Der FDP-Fraktionschef im Kreistag hat das Angebot der Vorverlegung angenommen. Das sei bei ihm in 5 bis 6 Minuten „über die Bühne gegangen“. Dann fuhr er zum Kreistag. Bertelt: „Klar hätte man das besser abstimmen können, aber so hoch anzusiedeln ist das für mich nicht.“ Bertelt ist 69 und gehört dem Dammer Stadtrat seit 32 Jahren an.

Hermann Schütte: Nicht verärgert, aber verwundert sei er gewesen, sagte der 67-jährige SPD-Politiker aus Neuenkirchen-Vörden über die Terminkollision. Er habe für sich entschieden, an der Ehrung in Holdorf teilzunehmen. Deshalb habe er sich „bei der Kreistagssitzung abgemeldet“. Das Spargelessen sei „eine kleine Entschädigung“ für die Überschneidung der Termine gewesen. Schütte gehört seit 40 Jahren dem Gemeinderat von Neuenkirchen-Vörden an.

Was der NSGB sagt: Kreisvorsitzender des NSGB ist der Bakumer Bürgermeister Tobias Averbeck. Er bezeichnete die Situation als „unglücklich“. Da gebe es nichts zu beschönigen. Allerdings: Terminsetzungen des NSGB würden am Jahresanfang vorgenommen. Ursprünglich sei die Ehrung am 28. Januar geplant gewesen, zur konstituierenden Sitzung der neuen NSGB-Mitgliederversammlung. Die sei als zentrales Organ auch der offizielle Rahmen für Ehrungen. Eine Koordinierung von Terminen sei bereits unter den 18 Mitgliedern der Versammlung schwierig.

Einzige Alternative wäre Verschiebung in den Herbst gewesen

Wegen der Corona-Lage im Januar sei die Ehrung der langjährigen Mandatsträger auf die Versammlung im Frühjahr verlegt worden. Als die Terminkollision bekannt wurde, habe es Telefonate mit den Betroffenen gegeben – und unterschiedliche Reaktionen auf den Vorschlag, die Ehrung vorzuziehen.

Die Alternative wäre eine neue Verschiebung in den Herbst gewesen. Doch da sei die Corona-Lage ungewiss, es gebe ein latentes Risiko. Er könne aber die Irritationen verstehen, sagte Averbeck.

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