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Ehrenamtliche sollen Hilfe in bürokratischen Fragen bekommen

Die CDU-Fraktion schlägt die Einführung eines Ehrenamtsbeauftragten in der Stadt Vechta vor. Bei der Schaffung einer zusätzlichen Personalstelle gibt es allerdings Bedenken.

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Besitzer der Ehrenamtskarte können in Niedersachsen und Bremen von vergünstigten Angeboten profitieren. In Vechta ist jetzt zusätzlich eine Beratung in bürokratischen Fragen im Gespräch. Foto: Stadt Vechta

Besitzer der Ehrenamtskarte können in Niedersachsen und Bremen von vergünstigten Angeboten profitieren. In Vechta ist jetzt zusätzlich eine Beratung in bürokratischen Fragen im Gespräch. Foto: Stadt Vechta

In Deutschland engagieren sich rund 30 Millionen Menschen freiwillig und ohne Bezahlung für das Gemeinwohl. Auch in der Stadt Vechta gibt es viele Bürger, die ihre Freizeit für die Arbeit in Vereinen, Feuerwehren und anderen Organisationen opfern. Um ihnen bei Fragen und Problemen zur Seite zu stehen, will die Politik nun über die Einführung eines Ehrenamtsbeauftragten beraten.

Das Thema soll in der nächsten Sitzung des Stadtrates Ende Februar auf den Tisch kommen. Den Anstoß liefert die CDU-Fraktion. Sie fordert in einem Antrag, dass Ehrenamtliche künftig in personeller Hinsicht durch die Kommune konkret unterstützt werden. Durch die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle im Rathaus soll eine niederschwellige Erstberatung und Hilfeleistung angeboten werden.

„Durch immer höhere Aufgaben und kompliziertere Regelungen, Verordnungen und Gesetze werden unsere Ehrenamtlichen immer stärker gefordert und leider immer mehr auch überfordert“, erklärt CDU-Fraktionschef Thomas Frilling. Er verweist unter anderem auf Haftungsfragen, Datenschutzvorschriften oder auch Förderrichtlinien, mit denen sich die Ehrenamtlichen beschäftigen müssten.

Um den wachsenden Anforderungen gerecht werden zu können, müssten die Betroffenen einen Aufwand betreiben, der zeitweise über dem eigentlichen Zweck der ehrenamtlichen Tätigkeit liege, so Frilling weiter. Seine Fraktion sehe daher einen großen Bedarf, ehrenamtliche Bürger bei ihrer freiwilligen Tätigkeit und dem damit verbundenen Zeitaufwand durch einen städtischen Beauftragten zu entlasten.

Ansprechpartner in der Stadtverwaltung

Wenn es nach dem Willen der Christdemokraten geht, sollte die Aufgabe zunächst durch vorhandenes Personal der Stadtverwaltung wahrgenommen werden. Sie könne einen Ansprechpartner benennen, der sich um die Begleitung der Ehrenamtlichen kümmere. Bei hohem Bedarf müsse über einen festen Mitarbeiter nachgedacht werden. Doch genau an diesem Punkt könnten die Meinungen im Stadtrat auseinandergehen.

„Die Forderung der CDU nach Unterstützung der Vereine in bürokratischen Fragen durch die Stadt können wir grundlegend befürworten. Wir sehen die Schaffung einer zusätzlichen Personalstelle jedoch zunächst nicht zielführend“, erklärt SPD-Fraktionsvorsitzender Sam Schaffhausen. Vielmehr sollten vorhandenen Strukturen und Expertisen des Fachdienstes genutzt werden, um Vereinen eine Unterstützung zukommen zu lassen.

Zu dieser Unterstützung gehören nach Ansicht der SPD auch die Pflege des Vereinsregisters, die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche sowie die Bereitstellung von Plattformen zur Darstellung des Vereinsangebotes. Zudem verweist Schaffhausen auf die mögliche Einführung eines zusätzlichen Fördertopfes, der im vergangenen Jahr von seiner Fraktion beantragt, aber von der CDU abgelehnt worden sei und keine Mehrheit gefunden habe.

Bürgermeister Kristian Kater (SPD) sieht in dem Vorschlag der CDU „inhaltlich noch sehr viel Raum für Diskussionen“, wie er sagt. "Aktuell erschließt sich für mich der Mehrwert für unsere Vereine nicht. Die Antrag stellende Fraktion hat aber ja Gelegenheit, einen möglichen konkreten Bedarf in den politischen Beratungen darzustellen und näher zu erläutern“, so der Verwaltungschef.

Er weist ferner darauf hin, dass die Stadt Vechta schon jetzt ein kompetenter Ansprechpartner für die Anliegen der Vereine sei und die Mitarbeiter bei Beratungsbedarf auch persönlich zur Verfügung stünden. Sofern für diese Arbeit eine hauptamtliche Besetzung erfolgen sollte, entstünden Kosten in Höhe von 40.000 bis 50.000 Euro pro Jahr, je nach Eingruppierung, Zeitanteilen und Qualifikation, gibt Kater zu bedenken.

Angebote auch außerhalb des Rathauses

Seinen Angaben zufolge gibt es auch außerhalb des Rathauses eine Vielzahl an Beratungsmöglichkeiten, die die Vereine kennen und nutzen würden, etwa über ihre Dachverbände. Zudem sei im Jahr 2020 die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) gegründet worden, die für ehrenamtliche Menschen eine zentrale Anlaufstelle darstelle und dabei das Engagement insbesondere in ländlichen Regionen fördere.

Darüber hinaus macht Kater darauf aufmerksam, dass die Stadt Vechta die ehrenamtliche Arbeit im erheblichen Umfang fördere. Davon würden die im Bildungsbereich oder kulturell tätigen, sozial engagierten, Sport treibenden und sonstigen Vereine auf vielfältige Weise profitieren. Das Engagement von Bürgern werde auch durch die Ehrenamtskarte, die den betreffenden Personen viele Vergünstigungen biete, honoriert.

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