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Drei gefällte Bäume sorgen für Ärger

Ratsherr Lutz Neubauer meint, am Pirolweg seien rechtswidrig drei Bäume gefällt worden. Die Stadt widerspricht: Die zwei Buchen und eine Eiche seien bereits tot gewesen.

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Abgestorben? Dass drei Bäume am Rande eines Neubaugebietes gefällt wurden, sorgt in Lohne für Streit. Foto: Ebert

Abgestorben? Dass drei Bäume am Rande eines Neubaugebietes gefällt wurden, sorgt in Lohne für Streit. Foto: Ebert

Um das Baugebiet südlich des Nachtigallenweges in Lohne gibt es Ärger. Im Mittelpunkt stehen drei Bäume: Zwei Buchen und eine Eiche sind im Mai vom städtischen Bauhof gefällt worden. Ratsmitglied Dr. Lutz Neubauer (parteilos) meint, das sei rechtswidrig gewesen. Das hat er in einem Schreiben an das Rathaus sowie in einem Beitrag bei Facebook öffentlich gemacht. Neubauer verlangt deshalb einen sofortigen Baustopp im Bereich des Bebauungsplanes (B-Plan) 54 E, wie er in einer E-Mail an Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer (CDU) und Bauamtsleiter Ralf Blömer schreibt.

Die Materie ist zwar kompliziert, im Kern geht es aber um drei Fragen:  Ob Bäume in der Brutzeit von Vögeln gefällt werden dürfen, ob die gerodeten Bäume zusätzlich besonders rechtlich geschützt waren und inwiefern eine angebliche baubedingte Absenkung des Grundwassers das Absterben der Bäume verursacht haben könnte. Die Bäume standen am Rande einer Fläche, auf der Einfamilienhäuser entstehen sollen. Momentan wird das Gebiet erschlossen.

Was steht im B-Plan?

Laut Lutz Neubauer verbietet der B-Plan 54 E die jetzt gerodeten Bäume zu fällen. Das sieht das Rathaus anders. In einer detaillierten Stellungnahme weist Bauamtsleiter Ralf Blömer die Vorwürfe des Ratsmitglieds zurück. Keiner der drei genannten Bäume sei über den Bebauungsplan geschützt gewesen. Der B-Plan schreibe zwar vor, dass 17 Einzelbäume am nördlichen und östlichen Rand des Areals erhalten werden sollen. Die nun gefällten Exemplare gehören aber nicht dazu, versichert die Verwaltung und verweist auf Kartenmaterial  vom November 2017.

Wie war der Zustand der Bäume?

Darüberhinaus seien die drei Bäume "komplett ohne Blätter und daher offensichtlich abgestorben" gewesen, schreibt Blömer. Daher habe eine "unmittelbare Gefahr" für "Spaziergänger, spielende Kinder und Bauarbeiter" bestanden – die Fällung sei "zum jetzigen Zeitpunkt zwingend erforderlich" gewesen. Eine spätere Untersuchung habe darüberhinaus gezeigt, dass die Schnittflächen der Baumstümpfe "völlig trocken" waren – nach Blömers Darstellung zeige dies, dass die Bäume "schon länger abgestorben" gewesen seien.

Das sieht Neubauer anders. Morsche Äste seien kein zwingender Hinweis darauf, dass "der Baum als Ganzes" krank sei. Der Ratspolitiker schreibt, er habe die Reste der Bäume vor Ort untersucht. Kleine Äste hätten "Knospen und Blätter" gehabt, allerdings habe er auch Spuren von Trockenheit entdecken müssen. Das Kambium, die Gewebeschicht unterhalb der Rinde, sei "lebend" gewesen, betont   Neubauer. Der parteilose Politiker ist sich sicher, dass alle drei Baumstämme "so stabil" gewesen seien, "dass eine Bruchgefahr nicht vorlag". Deshalb hätten die Bäume zumindest in der Brutzeit der Vögel nicht gefällt werden dürfen.

Da die Bäume kahl gewesen seien, sei allerdings deutlich zu sehen gewesen, dass sich keine Vogelnester in den Bäumen befunden hätten, entgegnet Bauamtsleiter Blömer. Das sei mehrfach kontrolliert worden.

Wie viel Grundwasser wurde abgepumpt?

Auch beim Thema Grundwasser kommt Neubauer zum Schluss, dass hier entgegen den Vorgaben möglicherweise im großen Stil abgepumpt worden ist. Der Verwaltung wirft er vor, den politisch festgesetzten Bebauungsplan nicht zu beachten. 

Amtsleiter Blömer hatte angegeben, dass Grundwasser nur "im Bereich der zukünftigen Planstraße abschnittsweise und nur kurzfristig" abgepumpt worden sei, um Leitungen zu verlegen. Es habe keine großflächige Grundwasserabsenkung stattgefunden.

Neubauer hält dagegen, dass  Grundwasserabsenkungen "immer Auswirkungen auf die Fläche" hätten. Daher halte er es für denkbar, dass die gefällten Bäume unter Wassermangel gelitten hätten, der durch die Bauarbeiten verursacht worden sein könnte. Schon innerhalb weniger Tage könnten die eingesetzten Pumpen nämlich die gesamte jährliche Niederschlagsmenge auf der Fläche abpumpen, so Neubauer.

Die Forderung nach einem Baustopp möchte Ratsherr Neubauer nun bei der nächsten Sitzung des Stadtrates am 17. Juni (Mittwoch) stellen. SPD-Fraktionschef Eckhard Knospe hat die Verwaltung ebenfalls um eine Stellungnahme gebeten.

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