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Diskriminierung: Erst muss sich die Mehrheitsgesellschaft bewegen, dann können Brücken gebaut werden

Thema: Neue Antidiskriminierungsbeauftragte legt ersten Jahresbericht vor – Vertreter der Dominanzkultur versuchen sogleich, abzulenken. Das ist Teil eines großen strukturellen Problems.

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Diskriminierung ist in Deutschland immer noch weit verbreitet. 5617 Fälle wurden der Antidiskriminierungsstelle des Bundes im Jahr 2021 gemeldet, heißt es im Jahresbericht, den die neue Beauftragte der Bundesregierung, Ferda Ataman, vorstellte.

Mindestens genauso abstoßend wie die schiere Zahl sind die reflexhaften Ablenkungsversuche aus Reihen der Mehrheitsgesellschaft. Vorneweg marschiert CDU-Innenpolitiker Alexander Throm: Ataman tauge nicht als Brückenbauerin, weil sie die Deutschen mal als „Kartoffeln“ bezeichnet hatte.

Mal ehrlich: Wer hinter der Kartoffel antideutschen Rassismus sieht, der hat gar nichts von der Unterdrückungsform des Rassismus verstanden. Und: Die Realität ist doch eine völlig andere. Der flotte Spruch über die angeblich sexuell gefrustete Arbeitskollegin oder die Dauerschleifen-Relativierung „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber ...“ haben weiter Hochkonjunktur.

Wo die "Generation Altherrenwitze" die Fäden zieht

Nicht nur im Büro oder auf Partys, sondern auch in oberen Sphären der Politik, wo die „Generation Altherrenwitze“ die Fäden zieht. Etwa FDP-Chef Christian Lindner, der seine geschasste Generalsekretärin sexistisch demütigten darf. Oder CDU-Vorsitzender Friedrich Merz, der bei der Frage, ob er sich einen schwulen Kanzler vorstellen könne, Homosexualität sogleich mit Kindesmissbrauch in Verbindung bringt.

In diesem Kontext ist Ferda Ataman geradezu verpflichtet, den Finger tief in die Wunde zu legen. Brücken werden später gebaut. Zunächst müssen die herrschenden strukturellen Diskriminierungen von großen Teilen der Bevölkerung auch als solche erkannt werden.

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