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#Digitalisierungsspätzünder

Mit diesem Internet tun wir uns in Deutschland noch immer schwer - das zeigt die Pandemie deutlich. Zeit, dass sich etwas ändert.

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Das Internet geht nicht mehr weg. Das bleibt jetzt wohl erst einmal hier. Ich weiß, die wenigsten dürfte diese Erkenntnis wirklich erschüttern. Aber gewehrt haben wir uns lange. Viel zu lange, wie die Corona-Pandemie uns endlich lehrt.

Homeoffice wie Homeschooling führen uns erbarmungslos vor Augen, dass die Digitalisierung in den vergangenen Jahren schlicht verschlafen wurde. Zum einen fehlt an zu vielen Stellen die nötige Infrastruktur. In einem sonst modernen Staat wie Deutschland gibt es immer noch Landstriche, die keinen Zugang zu schnellem oder generell Internet haben. Ist das traurig? Auf jeden Fall. Hätte das je so sein müssen? Mitnichten. 

Doch mit dem Internetzugang allein ist es auch nicht getan. In zahlreichen Unternehmen und vor allem in den Schulen konnte dank Corona offenbart werden, dass die nötige Hard- wie Software fehlen, um im Zweifel dezentral arbeiten zu können beziehungsweise im Fall der Schulen: überhaupt digital zu arbeiten. Es ist zu offensichtlich, dass daran zuvor nie viele Gedanken verschwendet wurden. Die fleißigen Lehrer beispielsweise, die ihre Schüler mit aufwendig produzierten Erklärvideos und ausgeklügelten Aufgaben versorgt haben, haben das größtenteils aus eigener Motivation heraus und mit privatem Eigentum erledigt.

"Natürlich bringt mir das genialste Endgerät nichts, wenn ich nicht weiß, was ich damit machen soll."Carina Meyer, Redakteurin

Dass uns ein gewisser Konservatismus im Bezug auf Digitalisierung und Technik verfolgt, wird für mich sehr oft an einem Büroartikel deutlich, der nicht totzukriegen ist: das Faxgerät. Ich habe beispielsweise noch nie ein Fax verschickt – und es auch nie vermisst. Ich bin stattdessen immer wieder erstaunt über die schlechte Qualität der Endergebnisse und geradezu schockiert von nachträglich handschriftlich beigefügten Hinweisen, bevor das Fax verschickt wurde. Der Empfänger darf dieses Schreiben dann entweder einscannen oder gar abtippen – da am Ende doch wieder am PC gearbeitet wird. Was soll das dann?

Fans dieser Retro-Maschine argumentieren gerne, wie sicher wichtige Dokumente damit verschickt werden können. Das ist meiner Meinung nach generell der falsche Ansatz – nicht nur beim Thema Fax. Wir sollten Schritte in die richtige Richtung wagen und nicht stehenbleiben, weil das gerade bequemer ist. Deshalb sollte die Konsequenz sein, dafür zu sorgen, dass das Vertrauen in bessere Alternativen gerechtfertigt ist. Und nicht bei einer Technik zu verweilen, die mittlerweile mehr Nach- als Vorteile hat. 

Es bedarf mehr digitaler Kompetenz

Zum anderen fehlt es an der sogenannten digitalen Kompetenz. Natürlich bringt mir das genialste Endgerät nichts, wenn ich nicht weiß, was ich damit machen soll. Der Digitalrat hatte kürzlich einen nachvollziehbaren Vorschlag, der medial leider ein wenig untergegangen ist: Die Bevölkerung sollte digital nachgeschult werden.

Dass das notwendig ist, hat sich ebenfalls in den vergangenen Monaten verschärft dargestellt. Da sind Lehrer, die völlig abgetaucht sind, weil sie im Umgang mit den modernen Medien zu unsicher sind. Da sind Bürger, die die Online-Kommunikation mit Behörden oder Unternehmen überfordert. Da sind Mitmenschen, die in den Sozialen Medien echte Nachrichten nicht von Unsinn unterscheiden können.

Doch damit sich wirklich etwas ändern kann, ist es wichtig, dass die Bereitschaft und die Einsicht für Fortschritt sich flächendeckend durchsetzen. Nicht nur bei den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, sondern bei jedem Einzelnen. Es hilft nichts, für sich zu entscheiden „Ich brauche das nicht“. Das Ergebnis dieser Einstellung ist lediglich, dass man über kurz oder lang abgehängt wird. Denn wie wir wissen: Das Internet geht nicht mehr weg. Es bleibt.

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