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Die Wahl zwischen Pest und Cholera

Sieg, Niederlage, Verhandlung: Wie kann der Krieg in der Ukraine enden? Eine Analyse.

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Mehr als 2 Wochen nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine wissen wir diese drei Dinge: Der ukrainische Widerstand gegen die Invasion ist zäher, als viele gedacht haben; der russische Vormarsch ist sehr viel langsamer, Wladimir Putins Armee offenbar deutlich schwächer als vielfach angenommen – auch vom Autor dieser Zeilen. Und: So wie der russische Herrscher bereit ist, das Völkerrecht und die europäische Friedensordnung über Bord zu werfen, ist er bereit, Grausamkeiten an Zivilisten zuzulassen, wenn es seinem Ziel dient.

Durch die russische Schwäche und die ukrainische Zähigkeit ist dieser Krieg, der ein schneller und erfolgreicher Feldzug für den Kreml werden sollte, zu einer Gefahr für das System Putin geworden. Die Ukrainer kämpfen unterdessen einen heldenhaften Kampf. Ja, man könnte sagen, dass sie den westeuropäischen Post-Heroismus der vergangenen Jahrzehnte unter ihrer Tapferkeit begraben.

Doch welche Möglichkeiten gibt es, dass dieser Krieg ein Ende findet? Eigentlich nur diese: Russland siegt, Russland zieht sich zurück oder es gibt einen Verhandlungsfrieden. Was ist realistisch – und erstrebenswert?

Ein russischer Sieg: Sollte der ukrainische Widerstand brechen (etwa auch, weil Präsident Wolodymyr Selenskyj getötet wird), würde Putin wohl ein Marionettenregime in Kiew installieren und ukrainische Gebiete annektieren. Die Ukrainer wären einmal mehr der Freiheit und der Demokratie beraubt. Millionen würden nach Westen fliehen.

Ein Verhandlungsfrieden: Sollte Russland an der Zähigkeit der Ukrainer verzweifeln, könnte es zu einem Verhandlungsfrieden kommen. Putin, der die Stärke seiner Armee offenbar gründlich falsch eingeschätzt hat, müsste einen Triumph präsentieren können, um „gesichtswahrend“ einen Frieden akzeptieren zu können: Gebietsgewinne oder eine Entmilitarisierung der Ukraine, was das Land zu einem Spielball des Kreml machen dürfte.

Eine russische Niederlage: Ein russischer Rückzug aus der Ukraine wäre natürlich das Ergebnis, was sich alle Menschen guten Willens erhoffen. Aber: Er wäre brandgefährlich. Denn wenn der Mythos des übermächtigen russischen Militärs implodiert, hat Putin keine Drohkulisse mehr, mit der er seine Herrschaft in Russland stützen kann. Wenn die Armee wankt, wankt das System Putin. Putin weiß das. Für ihn geht es jetzt um alles oder nichts. Droht ihm eine Niederlage, ist ihm zuzutrauen, kaltschnäuzig Massenvernichtungswaffen in der Ukraine einzusetzen: biologische oder chemische Waffen – oder taktische Atomwaffen. Dass ihm zivile Opfer egal sind, hat Putin bei den Feldzügen in Tschetschenien und Syrien bewiesen. Auch in der Ukraine haben die Gräuel begonnen.

Fazit: Was folgt aus diesen drei Szenarien? Klar ist: Ohne Wladimir Putin als Herrscher im Kreml wäre die Welt vermutlich ein besserer Ort. Aber der Weg dahin ist mit hohen Risiken behaftet – vor allem für die Ukraine. Die weltweite Solidarität mit dem Land, die (gerne auch noch harscheren) Sanktionen gegenüber Russland – all das nährt die Hoffnung, dass die Zeit des Wladimir Putin abläuft. Aber: Der Genannte könnte zuvor wie ein in die Enge getriebenes Raubtier um sich beißen.

Man mag es zynisch finden, aber die Frage bleibt: Wäre ein Verhandlungsfrieden mit Putin nicht humaner als seine Niederlage, die in eine Katastrophe für die Ukraine münden könnte?

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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