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Die Stimme der Erstwähler

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Rund 2,8 Millionen junge Deutsche wählen am 26. September zum ersten Mal. Die Frage ist: Wen? Ob Wahlwerbespots mir bei dieser Entscheidung helfen?

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2 Kreuze setzen, das ist doch total einfach. Eines links und eines rechts – ein Kinderspiel. Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Mal? An das erste Mal, wo Sie den Bundestag aktiv mitgewählt haben? Rund 2,8 Millionen junge Deutsche haben am 26. September die Chance, erstmals zu wählen. Ich bin einer von ihnen. Ein Erstwähler.

So ein erstes Mal, das wollen sich nur die wenigsten entgehen lassen. Immerhin: Diese Chance gibt es nur ein einziges Mal im Leben. Für mich hat dieses erste Mal aber auch an sich, dass ich möglichst alles richtig machen möchte. Einfach gesagt: Meine Kreuze sollen an der richtigen Stelle gesetzt sein. 

Ein schwieriges Unterfangen ist das auf jeden Fall. Mein erster Schritt in Richtung Entscheidung heißt: Wahl-O-Mat. Mein Ergebnis ist hingegen enttäuschend: Etliche Kleinstparteien sollen die persönlichen Favoriten sein. Ein Blick in deren Programme – falls ein solches überhaupt vorhanden ist – zeigt, dass dies oft nur im kleinen Rahmen stimmt. Und: Bringt es bei dieser wichtigen Bundestagswahl wirklich so viel, wenn ich eine Partei wähle, die am Ende weit fern der 5-Prozent-Hürde bleibt?

Die One-Man-Show im Wahlwerbespot ist dieses Jahr mehr als angesagt

Wahlplakate, Flyer oder auch Trielle im Fernsehen rufen bei mir nicht gerade Begeisterung hervor. Darum habe ich es einfach mal ganz klassisch ausprobiert: Wahlwerbespots der größten deutschen Parteien. Zugegeben, ich schaue sie nicht ganz klassisch. Statt Fernsehen heißt es für mich Internet. Der Inhalt bleibt aber identisch.

1.30 Minuten – Die Videolänge ist bei fast allen Parteien gleich. Beim optischen Inhalt überwiegen die Gemeinsamkeiten auch. Bis auf die Linken, die AfD und die Grünen setzten alle anderen großen Parteien auf eine One-Man-Show. Egal ob Armin Laschet (CDU), Markus Söder (CSU), Olaf Scholz (SPD) oder der One-Man-Show-Profi Christian Lindner (FDP): Sie alle lassen in den 1.30 Minuten die Kamera um ihre Person sich drehen.

Dazu erzählen sie oder lassen erzählen, warum gerade sie der Richtige sind. Unterlegt mit oftmals dramatischer Musik werden teils wild durcheinander gewürfelte Sequenzen gezeigt. 

"Der rechte Rand der Parteien – die AfD – versucht, mit einem 'normalen' Deutschen zu punkten. Doch welche Gemeinsamkeiten Martin Schmidt und ich haben sollen, habe ich noch nicht so ganz kapiert."Jan-Christoph Scholz

Sie alle haben viel erlebt und wollen viel erleben – bei manchen ist es sogar so schlimm, dass sie schon nicht mehr schlafen können. Die Linken probieren es ganz schlicht mit weißer Schrift auf rotem Hintergrund. Doch wirklich neue Erkenntnisse, die über Standardfloskeln hinausgehen, bieten sie – wie alle anderen auch – nicht. Der rechte Rand der Parteien – die AfD – versucht, mit einem "normalen" Deutschen zu punkten. Doch welche Gemeinsamkeiten Martin Schmidt und ich haben sollen, habe ich noch nicht so ganz kapiert.

Anders sind die Grünen. Hier wird nicht gesprochen, sondern gesungen. Von Laien. Mit Ohrwurmcharakter wird dem Wähler ein klassisches Volkslied präsentiert. Viel Spott musste sich die Partei darum auch schon im Internet anhören. Angeblich seien die älteren Bürger begeistert von der Werbung, heißt es aus Parteikreisen. Inhaltsleer bleibt die Kampagne, wie auch die der übrigen Parteien, aber auch.

Etliche Youtube-Minuten später bin ich in meiner Wahlentscheidung nicht wirklich weitergekommen. Wer am Ende meine Kreuze bekommt, ist noch nicht ganz klar. Immerhin eines steht bei mir fest: Ich werde am Sonntag wählen gehen und das sollten Sie auch tun.


Zur Person:

  • Jan-Christoph Scholz ist Volontär der OM-Medien.
  • Sie erreichen den Kolumnisten per Mail an: redaktion@om-medien.de.

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