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Die Stadt Lohne will ein Nahwärmenetz aufbauen

Sechs städtische Liegenschaften und zwei Gebäude des Landkreises könnten zunächst ans Netz angeschlossen werden. Die Verwaltung soll nun die Planungen vorantreiben und ein Betreibermodell erarbeiten.

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Eine klimaneutrale Wärmeversorgung: Über ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Biomethan sollen im ersten Schritt sechs städtische Liegenschaften und zwei Gebäude des Landkreises Vechta angeschlossen werden. Symbolfoto: dpa/Zucchi

Eine klimaneutrale Wärmeversorgung: Über ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Biomethan sollen im ersten Schritt sechs städtische Liegenschaften und zwei Gebäude des Landkreises Vechta angeschlossen werden. Symbolfoto: dpa/Zucchi

Die Stadt Lohne will ihren städtischen Gebäudebestand auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung umstellen. Dazu ist – in Kooperation mit der Firma Envitec Biogas aus Lohne – der Aufbau eines Nahwärmenetzes in der Innenstadt geplant. Daran sollen im ersten Schritt sechs städtische Liegenschaften und zwei Gebäude des Landkreises Vechta angeschlossen werden.

Der Betrieb würde über ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Biomethan realisiert werden. Das BHKW könnte in der Nähe des Lohneums aufgestellt werden. Die Investitionskosten belaufen sich auf knapp 3 Millionen Euro – dürften aber aufgrund der Folgen des Ukrainekriegs schon jetzt höher liegen.

Der Ausschuss für Umwelt, Bau und Stadtentwicklung hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema beschäftigt. Matthias Tietz vom gleichnamigen Ingenieurbüro für Energielösungen stellte eine Machbarkeitsstudie mit verschiedenen Varianten vor, die das Büro IngenieurNetzwerk Energie (INeG) auf Plausibilität geprüft hatte. Dazu referierte INeG-Vorstand Bastian Hoffmann.

CO2-Ausstoß in Lohne liegt über den Bundesdurchschnitt

Zum Hintergrund: Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen laut Klimaschutzgesetz um 65 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. Das bedeutet eine Reduzierung auf jährlich circa 5,6 Tonnen CO2-Äquivalente pro Kopf. Aktuell liegt der Ausstoß in Deutschland noch bei etwa 9 Tonnen CO2-Äquivalente pro Kopf im Jahr – und in Lohne aufgrund der energieintensiven Industrie sogar bei jährlich 13 Tonnen CO2-Äquivalente pro Kopf, wie Tietz anmerkte.

An das Nahwärmenetz sollen im ersten Schritt folgende Gebäude angeschlossen werden: das Lohneum, das Feuerwehrhaus, die Sporthalle Adenauerring, die Albert-Schweitzer-Realschule, die Realschule, die Stegemannschule – sowie vom Landkreis die Kreissporthalle und die Handelslehranstalten.

Nahwärmenetz würde 951 Tonnen CO2 jährlich einsparen

Dies wäre laut Tietz die wirtschaftlichste Variante. Die Optionen, allein die städtischen Gebäude anzuschließen oder zusätzlich noch das Rathaus und die Gertrudenschule in das Netz einzubinden, erwiesen sich hingegen als weniger ökonomisch.

Der Diplom-Ingenieur (FH) Versorgungstechnik/TGA erläuterte, was Biomethan ist und erklärte die Funktionsweise eines BHKW. Er ging auf die verschiedenen Aspekte ein, die er bei der Studie untersucht hatte. Tietz sagte, dass die Stadt mit dem Konzept eine jährliche Einsparung von 951 Tonnen CO₂-Äquivalente erzielen könnte. Zum Vergleich: Dies entspricht den Emissionseinsparungen durch eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 3343 Kilowatt-Peak (kWp).

Aufgrund einer Besonderheit könnte das BHKW laut Tietz "extrem wirtschaftlich" betrieben werden: Olaf von Lehmden, Aufsichtsratsvorsitzender und Chief Executive Officer (CEO) von Envitec Biogas, hat eine Preiszusage von 8 Cent pro Kilowattstunde für das Biomethan gemacht. An der Börse werden für einen Kraftstoff vergleichbarer Qualität aktuell 15 Cent pro Kilowattstunde gehandelt.

"Es sind wirklich richtig gute Rahmenbedingungen, um so ein Projekt realisieren zu können."Bastian Hoffmann, Vorstand beim Büro IngenieurNetzwerk Energie (INeG)

Hoffmann stellte die Prüfung vor, die zu ähnlichen Ergebnissen gekommen war. Er empfahl, einen Pufferspeicher von mindestens 300 Kubikmetern Größe, um flexibler zu sein. Hoffmann gab an, dass die INeG bei der Prüfung "etwas konservativer" als Tietz gerechnet habe. Sein Fazit zum Vorhaben: "Es sind wirklich richtig gute Rahmenbedingungen, um so ein Projekt realisieren zu können."

Während der Diskussion kritisierte Dr. Lutz Neubauer ("Pro Wald"), dass bei der Studie der Fokus auf der Wirtschaftlichkeit gelegen habe. Er forderte dazu auf, größer zu denken und mehr Gebäude einzubinden, weil dies erhebliche Klimavorteile ermögliche. Tietz stimmte dem Vorschlag in Teilen zu. Bauamtsleiter Ralf Blömer entgegnete, dass ein Ausbau des Nahwärmenetzes jederzeit möglich sei. Dies empfahl später auch Hoffmann.

Die Verwaltung soll nun die Planungen vorantreiben und ein Betreibermodell erarbeiten. Die Ergebnisse sollen der Politik wieder vorgestellt werden. Im Idealfall könnte das Netz laut Hoffmann in der Heizperiode 2024/25 in Betrieb gehen.

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