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Die neue soziale Frage

Thema: Baukindergeld und die Wohnkosten - Angesichts der horrend ansteigenden Immobilienpreise bleibt staatliche Bauförderung ein Tropfen auf den heißen Stein. Zentrale Probleme werden nicht behoben.

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Sieben Milliarden Euro Steuerverschwendung – das hat uns die „Große Koalition“ mit dem Baukindergeld beschert. Mehr als 330  000 Familien haben zwar 12 000 Euro für Erwerb oder Bau einer Immobilie einstreichen können.

Allerdings muss nach Auslaufen der befristeten Maßnahme konstatiert werden: Oft dürfte das Geld den Eigentumserwerb kaum erleichtert haben. Immobilienverkäufer, Makler, Landbesitzer und Baufirmen – alle konnten wissen, mit wie viel zusätzlicher Förderung aus Steuergeld eine Familie rechnen kann. In vielen Fällen dürfte diese Summe einfach auf den Bau- oder Kaufpreis draufgeschlagen worden sein. Die Taschen derer, die vom Bauboom und den horrenden Wohnpreisen der vergangenen zehn Jahre profitieren, dürften sich somit noch mehr gefüllt haben – für junge Familien hingegen ist die teuerste Entscheidung ihres Lebens kaum günstiger geworden.

Von Beginn an gab es sinnvollere Ideen

Dabei gab es auch vor Einführung der Förderung Einwände und Vorschläge für Alternativen. Wer Immobilienbau oder -kauf günstiger machen will, hätte bei den Kaufnebenkosten ansetzen müssen, allen voran bei der Grunderwerbssteuer. Die hätte – für selbst genutztes Wohneigentum – abgeschafft oder erheblich reduziert gehört.

12 000 Euro – im Lichte einer Nachricht der vergangenen Woche wirkt der Betrag auch in seiner Höhe wie ein schlechter Scherz. Immobilien waren bundesweit im Dezember 8,1 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Gegen solche Teuerungsraten kann kein Arbeitnehmer ansparen und auch das Baukindergeld bleibt nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Doch warum wird Wohnen – egal ob im Eigentum oder zur Miete – so teuer? Erstens wächst die Bevölkerung durch Zuzug. Zweitens verändert sich die Gesellschaft. Haushalte werden kleiner; das macht das Wohnen teurer und treibt den Mietspiegel nach oben. Und dann ist da natürlich die Zinspolitik. Betongold ist bei Niedrigzinsen für viele eine der letzten attraktiven Anlageformen geworden.

Für die meisten anderen aber sind Haus oder Wohnung nicht ein Instrument der Geldmehrung, sondern notwendige Grundlage für ein würdiges Leben. Bezahlbares Wohnen ist längst zu einer der zentralen sozialen Fragen unserer Zeit geworden. Wer die jungen Generationen in Wahlen für sich gewinnen will, sollte das nicht vergessen.

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