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Die letzte Generation im Kino

Thema: Wachsendes Klimabewusstsein ist ohne Straßenblockaden möglich – das zeigt die jüngste "Umweltbewusstseinsstudie". Fast 80 Prozent der Deutschen sehen den Klimawandel als persönliche Bedrohung.

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Im Januar bewegte der Film "Don't look up" viele Zuschauer, im Dezember ist es "Avatar". Beides sind Werke, die auf das drohende Ende unseres so schönen blauen Planeten hinweisen wollen. Cineastisch gesehen hat nicht der Krieg, sondern die Umwelt das Jahr geprägt. In "Don't look up" weigern sich die amerikanische Präsidentin (Meryl Streep), die meisten Medien und die Öffentlichkeit, die Warnung von Wissenschaftlern (Leonardo DiCaprio) ernst zu nehmen, dass ein gewaltiger, erdvernichtender Meteorit im Anmarsch ist.

"Nicht hochgucken" lautet die Reaktion einer hemmungslos konsumsüchtigen Gesellschaft. Das ist natürlich eine Parabel auf den hilflosen Umgang mit der anrollenden Klimakatastrophe. Manche Szenen hätte man im letzten November auch in Sharm-El-Sheikh während der chaotischen Welt-Klimakonferenz drehen können. "Avatar – the Way of Water" macht einen fernen Planeten zum Sehnsuchtsort. Hier leben die Wesen im Einklang mit der Natur, und es sind die mit ihren Maschinen eindringenden Menschen, die die Idylle brutal zerstören. Regisseur James Cameron sind phantastische Computer-Animationen gelungen.

"Vielen ist also bewusst, dass sie tatsächlich die 'letzte Generation' sind, die die drohende Katastrophe noch aufhalten kann."Werner Kolhoff

Wer öfter Natur-Dokus schaut, kennt freilich einen Planeten, wo Cameron Ähnliches auch hätte drehen können: die Erde. Noch. Gerade fand in Kanada die Weltnaturschutzkonferenz statt, auf der verabredet wurde, wenigstens 30 Prozent der Wasser- und Landfläche so zu schützen, dass das Artensterben gebremst wird. Dieser Beschluss war so bedeutsam wie das Pariser Klimaabkommen von 2015, mit dem verabredet wurde, die Erderwärmung, wenn möglich, auf 1,5 Grad zu begrenzen. Wie wir heute wissen, bewegt sich die Menschheit aktuell eher auf 3 Grad zu.

Es ist keine gewagte Prognose zu vermuten, dass es dem Naturschutzabkommen ähnlich ergehen wird. Dass beide Filme Renner waren, lässt jedoch hoffen. Und die jüngste "Umweltbewusstseinsstudie" des Umweltbundesamtes hat es bestätigt: Fast 80 Prozent der Deutschen sehen den Klimawandel als persönliche Bedrohung an; die große Mehrheit befürwortet ein entschiedeneres Handeln. Vielen ist also bewusst, dass sie tatsächlich die "letzte Generation" sind, die die drohende Katastrophe noch aufhalten kann. Die Klimaaktivisten gleichen Namens haben zu dieser Einsicht im zurückliegenden Jahr mit ihren Blockaden wenig beigetragen. Eher im Gegenteil.


Zur Person:

  • Der Lohner Werner Kolhoff, 66, hat für den Berliner Tagesspiegel und die Berliner Zeitung gearbeitet, war Sprecher des Senats und leitete ein Korrespondentenbüro.
  • Heute ist er in Berlin als politischer Kolumnist tätig.

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