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Die Kehrseite der Digitalisierung

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Die Digitalisierung ist notwendig und wird deshalb auch gerne von den Parteien beworben. Doch bei all der Zuversicht fehlt es am Bewusstsein für die Gefahren.

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Überall hängen sie wieder an den Masten, Wänden und Bannern: die Plakate zur Landtagswahl in Niedersachsen. Mal verkünden die Kandidaten mit strahlend-weißem Lächeln parteipolitischen Inhalt und ein konkretes Programm, mal enthalten die Pappplakate nicht viel mehr als heiße Luft und ein paar platte Sprüche. Auffällig ist, dass die Parteien sich in diesem Jahr bei der Gestaltung der Wahlplakate neben der Bewältigung der Energiekrise scheinbar vor allem den Ausbau der Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben haben.

Im internationalen und europäischen Vergleich, was die technische Ausrüstung einiger Schulen in Deutschland angeht, ist das auch eine logische Schlussfolgerung. Doch unabhängig davon, dass ein flächendeckender Ausbau der digitalen Infrastruktur notwendig ist und den Weg in die Zukunft bereitet, müssen auch die Gefahren einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft mit bedacht werden.

"Ob Finanz-, Liefer-, Gesundheits- oder Bildungssystem: Die Integration des Internets nimmt in allen gesellschaftlichen Bereichen zu. Dabei wurde es nicht dafür konstruiert, all das zu leisten."Tobias Thomes

Natürlich öffnet die Digitalisierung den Menschen neue und ungeahnte Türen. Für die Arbeitswelt bietet der digitale Wandel zahlreiche Chancen. Im Privaten werden die Flexibilität und der Komfort erhöht. In Zukunft werden deshalb voraussichtlich nicht nur Museumsbesuche wie beim „Musee Dezentral“ virtuell möglich sein. Ob Finanz-, Liefer-, Gesundheits-, Sicherheits- oder Bildungssystem: Die Integration des Internets nimmt in allen gesellschaftlichen Bereichen zu. Dabei wurde es nicht dafür konstruiert, all das zu leisten.

Die Gefahr des Internets steigt nun mal mit zunehmender Abhängigkeit, wie die Ausfälle von WhatsApp, Facebook und Co. im vergangenen Oktober gezeigt haben. Cyber-Attacken wie aus der Serie „Blackout“ sind keine Utopie mehr. Das hat der Hackerangriff auf die ukrainische Stromversorgung 2015, bei der etwa 230.000 Westukrainer kurz vor Weihnachten mehrere Stunden im Dunkeln blieben, verdeutlicht. Oder der Cyberangriff auf das Gesundheitssystem in Großbritannien 2017, bei dem etwa 40 Krankenhäuser zeitweise ihren Betrieb stark einschränken mussten und keine Notoperationen mehr durchführten.

Außerdem ist der Einfluss von Amazon, Google und Facebook im Internet fast uneingeschränkt: Über 80 Prozent des Internetverkehrs laufen über die fünf größten dort vertretenen Unternehmen. Und an welchen Wertemaßstab diese ihre Interessendurchsetzung knüpfen, bleibt fraglich. Vom mangelnden Datenschutz ganz zu schweigen. Das birgt Gefahren, die vermutlich aus heutiger Sicht noch nicht abzusehen sind. Trotzdem sollten die Risiken einer digitalisierten Welt im Bewusstsein verankert werden. Da klingen mir Wahlplakate mit der Aufschrift „Digital first. Bedenken second.“ leider nicht wirklich nach Zukunft, sondern eher nach Steinzeit.


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