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Die geheuchelte Empörung um ein angebliches Winnetou- und Elke-Verbot

Wie sich konservative Kreise vor den Karren der Bild-Zeitung spannen lassen. Offenbar geschieht das in voller Absicht, um Stimmenfang in der untersten Populismus-Schublade zu machen.

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Wardenburg vor 2 Wochen, CDU-Landesparteitag: Der Spitzenkandidat der Christdemokraten bei den Landtagswahlen, Bernd Althusmann, sagt lautstark: „Ich habe Winnetou immer extrem gerne gelesen und will, dass die Filme auch weiterhin im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu sehen sind.“ Die Parteibasis jubelt kaum irgendwo so frenetisch wie hier.

Alle freuen sich, dass sie damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnten. Dem missliebigen, „zwangsgebührenfinanzierten“ Sendeapparat von ARD, ZDF & Co. wurde einer mitgegeben. Und auch einer angeblich von einer radikalen Minderheit verlangten Mischung aus Zensur, Gedankenkontrolle und Sprechverboten konnte etwas entgegengesetzt werden. Hurra, wir sind mächtig empört.

Leidige Debatte hat keinerlei Substanz

Beim genaueren Hinsehen – und das hätten auch Althusmann und die Parteibasis tun können – hat die ganze leidige Debatte um Winnetou & Co. allerdings keinerlei Substanz und müsste sich so schnell in Luft auflösen wie einst die Rauchzeichen im Apachenland.

Eigentlich ist doch alles ganz einfach: Im August zog der Ravensburger Verlag ein Begleitbuch zu dem neuen Film „Der junge Häuptling Winnetou“ zurück. Zuvor hatte es Kritik an dem Werk gegeben. Allerdings kam sie weniger von linken Aktivistengruppen, wie immer wieder behauptet, sondern von Wissenschaftlern, Indigenen und der Filmförderung. Gerügt wurden rassistische Stereotype über die Ureinwohner Nordamerikas in dem Buch. Der Verlag sah ein, einen Fehler gemacht zu haben, nahm das Werk vom Markt. Das war's.

Da hatte er allerdings die Rechnung ohne die Bild-Zeitung gemacht. Bild verdrehte in altbekannter Manier die Tatsachen, unterstellte Ravensburger, sich „radikalen Minderheiten“ zu unterwerfen und begann, daraus die Mär vom Winnetou-Verbot zu stricken. Kurz darauf wurde kräftig nachgelegt. Winnetou sei jetzt auch „bei den Öffentlich-Rechtlichen erstmal abgemeldet“. Das ist glatt gelogen.

Ärzte spielten Song letztmals vor 11 Jahren live

Die ARD strahlt keine Winnetou-Filme mehr aus, weil vor langer Zeit die Sendelizenzen ausgelaufen sind. Punkt. Viele konservative Politiker, von Söder bis Althusmann, ließen sich dennoch vor den Bild-Karren spannen, um – offenbar in voller Absicht – Stimmenfang in der untersten Populismus-Schublade zu machen.

Mittlerweile ist die Empörungswelle abgeebbt. Das ist allerdings schlecht für Bild. Also wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben. Jetzt ist die Kultband „Die Ärzte“ dran. Wegen der aktuellen Cancel-Culture-Debatte würden die „jetzt“ ihren Song „Elke“ nicht mehr spielen, in dem es um eine fiktive Liebesgeschichte zwischen Sänger Farin Urlaub und einem übergewichtigen Fan geht. Auch diese Bild-Bewertung ist völliger Unsinn. Die Ärzte haben das Lied letztmals vor 11 (!) Jahren live gespielt, weil es obsolet sei.

Winnetou läuft am 3. Oktober im ZDF: Nicht verpassen!

Ausgerechnet die Ärzte, die das Geschäftsmodell von Bild seit 14 Jahren so passend und zeitlos beschreiben wie kein anderer: „Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild. Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht, aus: Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht.“

Hat sich Bernd Althusmann eigentlich schon zu Elke geäußert? Offenbar nicht. Dafür hat er am 3. Oktober um 11.30 Uhr einen festen Termin. Dann läuft „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“. Im ZDF. Nicht verpassen!

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