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Die Furcht vor Stimmverlusten war zu groß

Thema: Fehlende Konsequenz beschert Deutschland einen weiteren Corona-Winter. Den Druck auf Ungeimpfte zu erhöhen, ist richtig.

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5 Millionen Impfunwillige in einem bundesweiten Kraftakt zum Piks zu bewegen, klingt nach einem Plan. Doch es darf bezweifelt werden, dass Gesundheitsminister Jens Spahn mit einer hektisch vom Zaun gebrochenen Impfwoche Deutschland noch vor einem Corona-Winter bewahren kann. Die vom Robert-Koch-Institut geforderte „drastische“ Steigerung der Impfquote ist durch Aktionismus nicht zu erreichen.

Die politischen Parteien – gleich welcher Couleur – waren sich einig darin, die Pandemie aus dem Bundestagswahlkampf herauszuhalten. Zu groß war die Furcht, durch konsequentes Handeln allzu viele Stimmen von Impfverweigerern, Impfskeptikern und gegenüber den Pandemiefolgen gleichgültigen Zeitgenossen einzubüßen. Dabei wäre konsequentes Handeln bereits im Sommer notwendig gewesen, um in diesem Herbst zumindest in Sichtweite der notwendigen Impfquote von 85 Prozent zu gelangen.

Zu lange hat sich die Aufklärungskampagne auf jene Milieus konzentriert, die über seriöse Medien, Experten-Podcasts und gesellschaftlich engagierte Multiplikatoren einfach zu erreichen und im Grunde gar nicht mehr zu überzeugen waren. Wo sind die auf Migranten und Jugendliche aus bildungsfernen Elternhäusern abgestimmten Werbekampagnen? Es ist viel über das Impfen vor dem Supermarkt philosophiert worden. Neben der Hähnchenbraterei steht aber noch immer kein Impftisch.

„Es ist überfällig, die Gangart gegenüber Impfmuffeln zu verschärfen und diese nicht weiter mit Samthandschuhen anzufassen“Ulrich Suffner

Nun versuchen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hektisch, das Schlimmste noch zu verhindern. Es ist überfällig, die Gangart gegenüber Impfmuffeln zu verschärfen und diese nicht weiter mit Samthandschuhen anzufassen. Es ist richtig, Arbeitnehmern, die sich hätten impfen lassen können, im Falle einer 14-tägigen Quarantäne die Lohnfortzahlung zu verweigern. Es ist notwendig, bei drohender Überlastung des Gesundheitssystems die Freiheit von Einschränkungen in Alltag und Freizeit auf Geimpfte und Genesene zu begrenzen. Es ist im Kampf gegen Corona hilfreich, Arbeitgebern zu erlauben, den Impfstatus ihrer Beschäftigten abzufragen.

Es gilt, die Freiheitsrechte der Geimpften, Genesenen und der aus gesundheitlichen Gründen nicht für eine Impfung geeigneten Menschen zu sichern, Unternehmen und Arbeitnehmer vor weiterem wirtschaftlichen Schaden zu bewahren – und vor allem die Schulen aufzuhalten.

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