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Die Freigabe von Cannabis: Das turnt nicht an

Thema: Die geplante Freigabe von Cannabis – Sie passt nicht in die Zeit. Die Gesellschaft sollte sich lieber auf andere Aspekte der Hippie-Zeit konzentrieren.

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"Legalize it" lautete der Schlachtruf ganzer Generationen von Hippies, der nun endlich von Karl Lauterbach erhört wird. Die Ampel will Cannabis freigeben. Ich bin sehr ambivalent, was die Bewertung angeht. Und das nicht nur, weil ich zwar ein paar Mal an einem Joint gezogen, aber nie etwas gemerkt habe, sodass ich der Sache sowieso wenig abgewinnen kann. Das ist subjektiv. Ich weiß, dass es bei anderen funktioniert und sie (sehn-)süchtig darauf warten, sich straffrei das Hirn volldröhnen zu dürfen.

Die Argumente für die Legalisierung sind gewichtig: Dann kann Cannabis kontrolliert in Apotheken und zertifizierten Läden abgegeben werden, der Schwarzmarkt wird ausgetrocknet und mit ihm die dazu gehörende Kriminalität, es gilt der Jugendschutz und außerdem gibt es Qualitätskontrollen. Und ist es nicht so, dass andere Drogen längst akzeptiert sind? Allen voran der Alkohol, die Alltagsdroge Nummer eins. Schon legendär ist ein Inserat der CSU, stramme Gegnerin der Cannabis-Freigabe: "Danke an unsere Bayerische Polizei für ein drogenfreies Starkbierfest!" Markus Söder hat ausweislich seiner jüngsten Parteitagsrede bis heute den Fehler nicht gefunden.

"Die Gesellschaft sollte sich sowieso lieber auf den anderen Slogan der Hippie-Zeit konzentrieren: 'Make love, not war'"Werner Kolhoff

Was mich zögern lässt, ist etwas anderes: Es hat inzwischen viel gesundheitlichen Fortschritt gegeben. Wir sind 50 Jahre weiter. Zur Zeit der Flower-Power-Generation wurde zum Beispiel noch so viel geraucht, dass im Fernseh-"Frühschoppen" weder der Moderator noch seine Gäste zu sehen waren. Heute hingegen finden selbst Jugendliche Zigaretten uncool. Es wäre ein Rückschritt, wenn sie durch Cannabis wieder an den Tabak herangeführt würden. Überhaupt versuchen immer mehr Menschen, möglichst drogenfrei zu leben. Fitness und gesunde Ernährung sind Megatrends. Bund und Länder geben jährlich viele Millionen Euro aus, um das zu unterstützen. Und noch mehr, um die Folgen von Drogenmissbrauch zu bewältigen. Und nun soll einer neuen Droge das Tor weit geöffnet werden. Es ist irgendwie, als ob man in Waldbrandgebieten überall Warnschilder aufstellt – und gleichzeitig den Verkauf von Mini-Grills erlaubt.

Unter dem Strich würde ich sagen: besser keine Freigabe. Die Gesellschaft sollte sich sowieso lieber auf den anderen Slogan der Hippie-Zeit konzentrieren: "Make love, not war". Der droht nämlich weltweit gerade in Rauch aufzugehen, und das turnt nun gar nicht an.


Zur Person:

  • Der Lohner Werner Kolhoff (66) hat für den Berliner Tagesspiegel und die Berliner Zeitung gearbeitet, war Sprecher des Berliner Senats und leitete ein Korrespondentenbüro.
  • Heute ist er in der Hauptstadt als politischer Kolumnist tätig.

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