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Die Burggräften sollen gereinigt werden

Im Zuge einer langjährigen Sanierung soll die Anlage von Schlamm befreit werden. Die Finanzpolitiker sprachen ihre Empfehlung für einen 15.000-Euro-Zuschuss aus.

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Gräfte? Das ist die westfälische Bezeichnung für einen Wassergraben um einen Adelssitz. Fotos: M. Niehues

Gräfte? Das ist die westfälische Bezeichnung für einen Wassergraben um einen Adelssitz. Fotos: M. Niehues

Hier lebte Kardinal Clemens August Graf von Galen. Hier zieht es jährlich tausende Ausflügler hin. Im Klostercafe trinken Gäste ihren Kaffee und im Klosterladen kaufen sie Devotionalien ein: Die beiden Klostergästehäuser verzeichnen jährlich rund 6.000 Übernachtungen. Die Burg Dinklage mit ihren Nebenanlagen - das wird in dieser kurzen Aufzählung deutlich - ist das Wahrzeichen der jungen Stadt am Burgwald. Kurz: ein Naherholungsort mit großer Anziehungskraft.  

Die Gräfte um die Burganlage ist durch Laub und weitere Verschmutzungen stellenweise jedoch stark verschlammt, weshalb der Lebensraum für Flora und Fauna eingeschränkt ist. So beschreibt es Schwester Franziska Lukas als Äbtissin in einem Antrag der seit 1949 auf der Burg lebenden Benediktinerinnen, der jetzt in der Sitzung des Finanz- und Tourismusausschusses vorgestellt wurde. 

Um die Gräfte zu entschlammen, zu reinigen und den Dreck zu entsorgen, rechnen die Benediktinerinnen mit Gesamtkosten in Höhe von fast 110.000 Euro. Etwa 74.000 Euro haben sie. Zudem hoffen die Ordensfrauen auf Zuschüsse von der Stadt Dinklage in Höhe von 15.000 Euro und von der Bingo-Umweltstiftung von Höhe von 20.000 Euro.  

Ziel: Ökologie verbessern und Lebensraum erhalten

Ziel des von den Schwestern als "Entschlammung und Reinigung der Gräftenanlage der Burg Dinklage" bezeichneten Projekts: Die ökologische Qualität soll verbessert werden. Ein artgerechter Lebensraum für Fische und andere Tiere wie zum Beispiel den Kammmolch soll erhalten bleiben. Der Wasserverbrauch soll reduziert werden. "Zugleich soll die jetzige Maßnahme die Grundlage für eine nachhaltige Pflege des Gewässers schaffen", heißt es in dem Antrag. 

Laut der Abtei wurde Vergleichbares vor mehr als 20 Jahren durchgeführt. Die letzte Teilreinigung um die Wassermühle herum fand sogar in den 1950er Jahren statt. Im vergangenen Jahrhundert soll die Gräftenanlage rund alle 20 Jahre mit "Manneskraft" und leichtem Gerät gereinigt worden sein.

Ausschussmitglieder unterstützen das Vorhaben

Im Finanz- und Tourismusausschuss empfahlen alle drei Fraktionen einstimmig, das Projekt zu unterstützen. Matthias Windhaus (SPD) findet, dass die Gräften nicht den besten Eindruck machen. Wenn die Stadt mit ihrem Zuschuss die Burganlage als touristischen Anziehungspunkt und gleichzeitig den Umweltschutz unterstützen könne, spreche nichts gegen die Zustimmung der Politik. Dem schlossen sich Andreas Windhaus (CDU) und Claudia Bausen (Bürgerforum) an.

Der optimale Zeitraum für die Arbeiten sei der Spätsommer/Herbst 2020, teilte Schwester Franziska Lukas mit. Die Analyse einer Firma habe bereits ergeben, dass der Schlamm als "nicht auffällig" einzustufen ist. Dies erleichtere die Entsorgung.

Die Reinigung der Gräften ist Bestandteil eines umfassenden Sanierungskonzeptes für die gesamte Burganlage. In den vergangenen 25 Jahren seien bereits 80 Prozent erledigt worden, erklärte Schwester Franziska Lukas. Die Reinigung sei nun ein weiterer Baustein; sie sichere den langfristigen Bestand der Anlage.

Die Burg Dinklage samt ihrer Anlagen ist bei Ausflüglern beliebt.Die Burg Dinklage samt ihrer Anlagen ist bei Ausflüglern beliebt.

Gleichbleibender Wasserstand ist für die Burg wichtig

Die Geschichte der Burg Dinklage geht bis ins 14./15. Jahrhundert zurück. Da es den damaligen Erbauern, der Familie von Dincklage, verboten war, eine durch Mauern befestigte Burg zu errichten, haben sie die Burgen (ursprünglich standen vier kleine Burgen in direkter Nachbarschaft zueinander) mit Wassergräben umgeben.

Die heutige Burg Dinklage umfasst zwei der vier Burgen, die schon Ende des 16. Jahrhunderts durch das Torhaus miteinander verbunden wurden. Dieser fortan Hauptburg oder Dietrichsburg genannte Gebäudekomplex wird von zwei Wassergräben (Gräften) umgeben. Der Überlieferung nach ist die Burg zum Teil auf Eichenpfählen gegründet, sodass ein gleichbleibender Wasserstand zum Erhalt der Burg zwingend erforderlich ist.

Die äußere Gräfte mündet in einen Mühlenteich, der bis ins 19. Jahrhundert den Antrieb der Wassermühle sicherte. Ursprünglich handelte es sich um fließendes Gewässer. Der Zulauf wurde aber in den 1960er Jahren für den Bau der Autobahn (A 1) abgeschnitten. Seitdem muss in trockenen Zeiten Wasser hinzugepumpt werden. Dies erfolgt über eine Anlage, die von der Stadt Dinklage betrieben wird. 

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