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Dicke Menschen, fettes Geld

Kolumne: Meine Woche – Die Menschen werden immer dicker. Auch während der Pandemie haben viele zugelegt. Sind wir ausschließlich selbst schuld daran?

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Eine Umfrage hat kürzlich ergeben, dass 40 Prozent der Befragten in Deutschland während der Pandemie zugenommen haben. Ich wurde zwar nicht gefragt, aber ich reihe mich da mal ein. Bei mir und vielen anderen ist der Grund unter anderem Bewegungsmangel. Nun kann man mir und den 40 Prozent sagen: Selbst schuld. Ja, in manchen Fällen stimmt das vielleicht. Aber trifft das auf alle zu, die zugelegt haben? Nicht unbedingt. Denn Bewegung allein reicht nicht. Eine sehr große Rolle spielt die Ernährung.

Ich habe die Tage eine interessante Dokumentation aus Frankreich aus dem Jahr 2020 gesehen: „Dick, dicker, fettes Geld“. Darin geht es um die Macht großer Lebensmittelkonzerne und wie wenig – oder auch gar nicht – die meisten Regierungen ihnen die Stirn bieten. Hersteller von Fertigprodukten und Softdrinks sowie Fast-Food-Ketten haben insbesondere Minderjährige und Geringverdienende im Visier – mit Erfolg, wie die Doku zeigt. Die Konzerne haben es perfektioniert, den Leuten weiszumachen, dass nur genug Sport gegen Übergewicht hilft. Aufklärung über ungesunde Produkte: unerwünscht. Übergewicht und die damit verbundenen Folgen gelten in vielen Ländern längst als Epidemie. 

Chile zeigt, dass es funktionieren kann

Wer hier nur an dicke US-Amerikaner und Mexikaner denkt, liegt damit zwar nicht ganz falsch, sollte sich aber auch hierzulande umblicken. Unsere Bundesernährungsministerin tut sich sehr schwer damit, den Lebensmittelkonzernen Grenzen aufzuzeigen. Wir kennen die üblichen Einwände: Der Staat soll sich nicht zu sehr einmischen, die Menschen sollen eigenverantwortlich handeln. Rezepturen können nicht geändert werden, Preise könnten steigen. Das Ergebnis ist, dass wir einen Nutri-Score haben, den die Hersteller freiwillig auf ihre Verpackungen drucken können. Und wie oft blicken Sie so auf den Nutri-Score?

Dabei zeigt Chile, dass es funktionieren kann. Dort gibt es eine strenge, aber kinderleicht zu verstehende Lebensmittelkennzeichnung. Die Hersteller müssen mit einzelnen Warnzeichnen auf den Verpackungen darauf hinweisen, wenn das Produkt zu viel Zucker, zu viel Salz, zu viele gesättigten Fettsäuren und zu viele Kalorien hat. Hat die Verpackung 4 Warnkennzeichnungen, ist es maximal ungesund. Simpel und effektiv. Darüber hinaus gibt es tagsüber Werbeverbote für ungesunde Lebensmittel und auch in den Schulen dürfen ungesunde Lebensmittel nicht mehr angeboten beziehungsweise in den Kantinen verarbeitet werden.

Natürlich gab es 2016, als das Gesetz in Chile eingeführt wurde, heftige Proteste seitens der Lebensmittelbranche. Doch die Regierung blieb eisern. Und das hat sich ausgezahlt. Bereits nach einem Jahr waren erste Effekte sichtbar. Die Chilenen ernährten sich gesünder, die Hersteller bemühten sich, ihre Produkte so anzupassen, dass sie unter den Grenzwert für die Kennzeichnung fielen. Es geht also doch.

  • Info: Wer sich für die Doku interessiert: „Dick, dicker, fettes Geld“ ist in der Arte-Mediathek wie auch auf dem Youtube-Kanal von Arte zu finden.

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