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Deutschland wird aus der Mitte regiert

CDU/CSU und SPD benötigen die Grünen und die FDP zur Regierungsbildung. Am Wahlabend erheben noch immer zwei Kandidaten Anspruch auf das Kanzleramt. Immerhin ist eine stabile Regierung in Sicht.

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Ulrich Suffner

Ulrich Suffner

Deutschland hat gewählt und die von den Parteien angekündigte Richtungsentscheidung auf kluge Weise getroffen. Deutschland will aus dem demokratischen Zentrum heraus regiert werden, wie der FDP-Vorsitzende Christian Lindner am Wahlabend richtig analysiert hat. Die Mitte wurde gestärkt, die Ränder rechts und links wurden geschwächt.

Aus drei wird zwei: Am Wahlabend können nur noch SPD-Kandidat Olaf Scholz und CDU-Kandidat Armin Laschet ihren Anspruch auf das Kanzleramt aufrecht erhalten. Wer in Koalitionsverhandlungen das Rennen machen wird, entscheiden die Grünen und die FDP. Während die Alternativen die SPD favorisieren dürften, zieht es die FDP eher zur Union. Noch einmal werden es beide Parteien nicht zu einer großen Koalition gegen sie kommen lassen. 

Auch wenn die Kanzlerfrage noch nicht geklärt ist, ist die SPD ein strahlender Wahlsieger.Ulrich Suffner, Chefredakteur OM-Medien

Deutschlands neuer Liebling Olaf Scholz, aber auch Franziska Giffey in Berlin und Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern haben die Traditionspartei wach geküsst - und ihr gezeigt, was mit seriösem Personal aus der Mitte der Gesellschaft möglich ist. Die Zukunft der SPD liegt nicht in sozialistischen Experimenten. Mit pragmatischer, sozialreformerischer Sachpolitik ist Augenhöhe mit der Union dagegen möglich.

Die Union ist die große Verliererin der Bundestagswahl. Das historisch schlechteste Ergebnis zeigt vor allem der CDU schonungslos auf, was sie ohne Angela Merkel aktuell wert ist. Allein die CSU hat trotz ebenfalls hoher Verluste ansatzweise geliefert. Sollte es tatsächlich noch zu einer Jamaika-Koalition kommen, dürfte Markus Söder weitere Ansprüche zu Lasten der Schwesterpartei stellen und womöglich sogar ein zweites Mal die Kanzlerschaft einfordern. Die desaströse Fehlentscheidung der CDU-Funktionärsebene, gegen den Willen der Basis Armin Laschet als Kanzlerkandidat durchzudrücken, kann noch immer in der Opposition enden. Dann folgte ein Großreinemachen.

Die Grünen werden der nächsten Bundesregierung angehören. Annalena Baerbock hat ihren Anspruch auf das Kanzleramt im Wahlkampf zwar nicht halten können, aber die Grünen werden als Motor für die Klimawende in Deutschland benötigt - und sie sollten endlich auch Verantwortung dafür übernehmen. Die FDP, der zweite Königsmacher, wird dafür sorgen, dass diese Klimawende mehrheitlich marktwirtschaftlich organisiert wird und darüber nicht die Finanzen nach zwei Jahren Pandemie endgültig in Unordnung geraten.

Die Verluste von AfD und Linke sind eine gute Nachricht. Dass immer weniger Menschen den Ideologien vom rechten und linken Rand auf den Leim gehen, ist eine gute Nachricht. Daraus ergibt sich die Herausforderung für alle demokratischen Parteien, die großen gesellschaftlichen Gräben zuzuschütten - zwischen West und Ost, zwischen Impfbefürwortern und Impfgegnern, in der Klimapolitik.

Nicht nur für diese Aufgabe braucht es eine stabile, verlässliche Regierung. Sie wird es geben, wie auch immer der nun beginnende Verhandlungsmarathon in Berlin enden sollte. Nur Geduld.

Verpassen Sie nichts von der Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag. Wer regiert in den nächsten 5 Jahren? Wer zieht in den Landtag in Hannover ein?  Alle Ergebnisse aus allen Wahlkreisen und den Städten und Gemeinden im OM finden Sie auf unserer Themenseite, inklusive Liveticker. 

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