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Deutlich weniger Krankenhausbehandlungen in Niedersachsen

Als die Corona-Pandemie ausbrach, sollten Kliniken nicht notwendige Operationen verschieben. Die Fallzahlen sanken – auch in Niedersachsen. Vor allem eines macht Experten große Sorgen.

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Symbolfoto: dpa/Gambarini

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Die Zahl der Krankenhausbehandlungen in Niedersachsen ist laut einer Studie auch im zweiten Pandemiejahr 2021 gesunken. Bei Fällen mit körperlichen Krankheiten gab es landesweit ein Minus von elf Prozent im Vergleich mit 2019 – 2020 lag der Rückgang bei zwölf Prozent, wie eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der Allgemeinen Ortskrankenkassen nach Abrechnungsdaten von AOK-Versicherten ergab. In der Omikron-Welle der Corona-Pandemie brachen die Fallzahlen bei Krankenhausbehandlungen erneut ein. Grund seien hohe Infektionszahlen, die zu Personalengpässen in Kliniken und zu Absagen von Behandlungen und Operationen führen könnten.

Bundesweit war demnach 2021 bei Fällen mit körperlichen Krankheiten ein Minus von 14 Prozent im Vergleich mit 2019 festgestellt worden – ein ähnlich hohes Minus wie im ersten Corona-Jahr 2020 mit 13 Prozent. Nach Angaben der niedersächsischen Krankenhausgesellschaft gab es 2021 nach Zahlen des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus bei den Fallzahlen in den Kliniken bundesweit einen Rückgang um 13,39 Prozent – im Vergleich mit 2019, also vor der Pandemie. Eine Sprecherin erklärte, es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass dies in Niedersachsen anders sei.

Mandeln oder Hüftgelenke: Planbare Operationen gehen stark züruck

„Im Ergebnis der Erhebung zeigt sich, dass wir vergleichsweise besser durch die Pandemie gekommen sind“, sagte der Vorstandschef der AOK Niedersachsen, Jürgen Peter. Allerdings: Während der Report feststellte, dass die Zahl der Behandlungen bei Brustkrebs im Land ihr Niveau beinahe hielt, sank die Zahl der Darmkrebs-Operationen deutlich - 2020 um 14 Prozent, 2021 um 11 Prozent. „Hier steht die Befürchtung im Raum, dass fehlende Diagnostik und spätere Behandlung zu mehr schweren Krebserkrankungen, höheren Tumorstadien bei der Erstdiagnostik und einer Erhöhung der Sterblichkeit führen“, sagte Instituts-Geschäftsführer Jürgen Klauber.

In den Pandemie-Jahren 2020 und 2021 gingen laut Studie landesweit vor allem planbare Operationen zurück – besonders auffällig bei Mandel-Operationen: 2020 gab es 26 Prozent weniger Operationen, 2021 sogar 43 Prozent weniger. Die Implantationen künstlicher Hüftgelenke sanken um zwölf Prozent (2020) und sieben Prozent (2021). Nach Angaben des Instituts handelt es sich dabei um Eingriffe, die „tendenziell zu häufig und teilweise ohne leitliniengerechte Indikationsstellung durchgeführt werden“. Im Zuge der Pandemie sei es damit „offenbar“ zu einem Abbau von Überversorgung bei diesen Eingriffen gekommen.

Zahl der Behandlungen wegen Herzinfarkten ist um sieben Prozent gesunken

Bei lebensbedrohlichen Notfällen wie Herzinfarkten lagen die Behandlungsrückgänge in Kliniken bei sieben Prozent (2020) und vier Prozent (2021). Bei Schlaganfällen betrug der Rückgang zwei Prozent (2020) und fünf Prozent (2021). In den Kliniken seien eher schwerere Fälle angekommen, das deute darauf hin, dass Patienten mit milderen Symptomen nicht oder verzögert den Rettungsdienst alarmiert hätten – was Spätfolgen haben könne.

Nach Angaben der AOK Niedersachsen gibt es mehrere Gründe für die Entwicklungen: So waren die Kliniken seit der ersten Pandemiewelle im Frühjahr 2020 aufgefordert, nicht notwendige Operationen zu verschieben – die Behandlungen in Fällen von körperlichen Krankheiten brachen damals um 26 Prozent ein. In den späteren Wellen waren die Rückgänge der stationären Aufnahmen niedriger – trotz höherer Covid-19-Fallzahlen. Grund war etwa die Verfügbarkeit von Impfungen.

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