Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Der (Wahl-) Kampf um die Windkraft: Parolen im toten Wald

Thema: Der Wahlkampf um die Windkraft – Windräder verschandeln die Landschaft. Das stimmt. Aber können wir wirklich auf sie verzichten?

Artikel teilen:

Wo immer Windräder geplant werden, gibt es Bürgerproteste, vor allem in den Mittelgebirgen: „Windräder verschandeln die Landschaft.“ Tatsächlich sehen die lieblichen Höhen nicht mehr so lieblich aus, wenn über ihnen die Flügel kreisen. Zwar mindert eine Beteiligung der betroffenen Bürger und Gemeinden an den Stromerträgen das optische Störgefühl meist schon erheblich, auch wird das Problem offenbar bei Brücken und Schnellstraßen nicht ähnlich stark empfunden. Doch unter dem Strich stimmt es: Windräder verschandeln tatsächlich die Landschaft.

Im laufenden niedersächsischen Landtagswahlkampf setzt die AfD stark auf dieses Thema. Sie plakatiert: „Für eine schöne Heimat: Landschaft statt Windparks.“ Oder: „Wälder für Windräder opfern? Es gibt eine Alternative.“ Diese Plakate hängen auch rund um den Harz, etwa in Osterode, und hier sieht man, wie zynisch sie sind. Denn gleich hinter dem hübschen Fachwerkstädtchen ist die „Heimat“ gar nicht mehr schön: Abgestorbene Bäume so weit das Auge reicht. Manchmal ragen die kahlen Stämme noch in den Himmel, manchmal sind sie schon zu großen Haufen zusammengeschoben, bereit zum Schreddern.

Nicht das Windrad, sondern die Klimakrise verschändelt

„Der Wald steht schwarz und schweiget“ – Die Zeile aus dem alten Kinderlied bekommt eine neue Bedeutung. Trockenheit, Hitzestress und der Borkenkäfer sind wie die Apokalyptischen Reiter über die Region hergefallen. Den Tourismus kann das einstige Wanderparadies vergessen, wenn es so weiter geht. In vielen anderen Gegenden Deutschlands sieht es ähnlich aus. 450.000 Hektar Wald sind in den letzten 4 Jahren bundesweit schon verloren gegangen. Es lässt sich also mit gleichem Fug und Recht sagen: Nicht das Windrad verschandelt die Landschaft, sondern die Klimakrise. Mit Windrädern stünden vielleicht wenigstens die Bäume noch. Nun werden einige einwenden, die Windräder könnten das Waldsterben auch nicht stoppen, dazu sei der Effekt viel zu klein. Man denke nur an China. Stimmt auch. Aber auf die Gegenfrage, was denn eine bessere Wirkung habe, wissen diese Leute nie eine Antwort außer Achselzucken.

Nun ja. Es ist nach diesem Sommer der Rekordtemperaturen und der Rekordtrockenheit, der Waldbrände und der versiegten Flüsse nicht übertrieben, wenn man sagt, dass Achselzucken allmählich wohl nicht mehr reicht.


Zur Person:

  • Der Lohner Werner Kolhoff (66) hat für den Berliner Tagesspiegel und die Berliner Zeitung gearbeitet, war Sprecher des Berliner Senats und leitete ein Korrespondentenbüro.
  • Heute ist er in der Hauptstadt als politischer Kolumnist tätig.
  • Sie erreichen ihn unter redaktion@om-medien.de.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Der (Wahl-) Kampf um die Windkraft: Parolen im toten Wald - OM online