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Der Papst geht ins Risiko

Thema: Nein zum Rücktrittsgesuch Kardinal Marx' - Der Papst entlässt den aufrichtigsten Missbrauchsaufklärer aus seinen Schwierigkeiten nicht: Eine weise, aber auch riskante Entscheidung.

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Es ist erstaunlich, wie schnell Gottes Mühlen mahlen, wenn die katholische Kirche am Tiefpunkt angelangt ist. Dass der Papst keine Woche benötigt, um das erzbischöfliche Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx abzulehnen, ist allein zeitlich eine Sensation.

Das Kirchenoberhaupt entlässt den aufrichtigsten Missbrauchsaufklärer unter deutschen Bischöfen nicht aus seinen Schwierigkeiten und seiner persönlichen Verantwortung. Das ist weise und riskant. Das schnelle Nein des Papstes lässt sich als Rückendeckung deuten. Offensichtlich will Franziskus nicht länger vor der institutionellen Schuld des sexuellen Missbrauchs fliehen. Aber will er wirklich jene klerikalen Strukturen zerstören, die Missbrauch ermöglichen? Oder bleiben spektakuläre Worte aus Rom doch wieder folgenlos?

"Sollte Marx im Sommer doch noch zurücktreten müssen, nähme auch Franziskus Schaden."Ulrich Suffner

Zur Tagesordnung übergehen können die deutschen Bischöfe nicht. „Wir müssen für die Geschichte Verantwortung übernehmen, sowohl als einzelner als auch in Gemeinschaft“, schreibt der Papst. Der Kardinal soll also weiter aufklären. Das könnte dem synodalen Reformweg in Deutschland neuen Schwung geben. Marx soll aber auch zu eigenen Fehlern stehen – als Erzbischof und Vertrauter des Papstes. Der Kardinal hat bereits Versäumnisse im Umgang mit einem Täter in seiner Zeit als Bischof von Trier eingeräumt. Weiteres Ungemach droht durch ein Gutachten zu Missbrauch im Bistum München und Freising.

Sollte Marx im Sommer doch noch zurücktreten müssen, nähme auch Franziskus Schaden. Dass der Papst dieses Risiko eingeht, lässt hoffen, dass Worten nun doch auch Taten folgen sollen.

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