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Der CDU hilft ein Kurieren der Symptome nicht

Thema: Die Christdemokraten müssen sich programmatisch für die Post-Merkel-Ära neu aufstellen. Die Partei braucht einen Vorsitzenden, der Ausstrahlung besitzt und die Basis begeistern kann.

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Wer als CDU-Mitglied aktuell einen Blick auf die Meinungsumfragen wirft, den dürfte es schaudern. Denn die bei der Bundestagswahl am 26. September 2021 erreichten desaströsen 24,1 Prozent – zur Erinnerung: acht Jahre zuvor hatten CDU und CSU zusammen noch 41,5 Prozent erreicht – scheinen nicht das Ende der Talfahrt zu sein. Um die 21 Prozent verzeichnen die Demoskopen bundesweit für CDU/CSU. Viel mehr aber dürfte die CDU schmerzen, dass – zumindest Stand heute – bei den Landtagswahlen im kommenden Jahr erdrutschartige Verluste drohen und damit der Verlust von Regierungsverantwortung.

Natürlich muss die CDU, ebenso dringend aber auch die CSU, das Wahldebakel aufarbeiten. Doch parallel dazu muss sie sich innerhalb kürzester Zeit neu aufstellen, um 2022 nicht vollends unter die Räder zu kommen. Es ist bei diesem Prozess durchaus erstaunlich, aus welchen Ecken die CDU inzwischen vermeintlich wohlmeinende Ratschläge bekommt. Vor allem auch von jenen, die im Wahlkampf noch rücksichtslos auf der CDU und ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet herumgetrampelt und jeden noch so kleinen Fehler ans Licht gezerrt haben, um ihn genüsslich zu sezieren.

Nun also schlagen die einen, die sich plötzlich um den Fortbestand der CDU sorgen, ein Mitgliedervotum vor, um den neuen Vorsitzenden zu bestimmen, damit nicht 1000 Delegierte ihn bei einem Parteitag unter sich auskungeln. Andere bringen eine Doppelspitze a la Grüne, SPD und Die Linke ins Gespräch, wieder andere – auch weibliche CDU-Mitglieder – wollen endlich die Frauenquote umsetzen.

"Die CDU muss sich zum Beispiel die Frage stellen, wieso sie innerhalb von acht Jahren den Status als Volkspartei gründlich verspielt hat." Klaus-Peter Lammert

All das ist aber kaum mehr als ein Kurieren an Symptomen. Die CDU muss viel tiefer ansetzen. Die CDU muss sich zum Beispiel die Frage stellen, wieso sie innerhalb von acht Jahren den Status als Volkspartei gründlich verspielt hat und warum sie zu einer sich in vielen Punkten kaum noch von der SPD und den Grünen zu unterscheidenden Vereinigung geworden ist. Und sie muss die 16 Jahre Kanzlerschaft der Angela Merkel äußerst kritisch hinterfragen, in denen die Partei viel ihres früher auch vorhandenen konservativen Profils verloren und damit Wähler, wohl vor allem auch im von ihr sträflich vernachlässigten ländlichen Raum, regelrecht verprellt hat. Und sie muss sich fragen, warum sie bei jungen Menschen derzeit kein Bein an die Erde bringt, was besonders dann fatal ist, wenn ihr die älteren Wähler in Scharen davonlaufen.

Schließlich: Die CDU braucht möglichst schnell einen neuen Parteivorsitzenden. Einen, der Ausstrahlung besitzt, der die Parteibasis begeistern kann und dem sie vertraut. Sein großer Vorteil wird sein, dass er im Gegensatz zu den Merkel-Nachfolgern in diesem Amt – Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet – nicht mehr mit Querschüssen und Stolperfallen aus dem Kanzleramt rechnen muss. Denn dort wird aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren ein Sozialdemokrat sitzen, der wahrscheinlich den linken Flügel seiner Partei sehr genau im Auge behalten muss.

Um auch einen Namen zu nennen: Wahrscheinlich wäre Friedrich Merz derzeit der beste Vorsitzende für die CDU. Er ist bei der Basis wohl der beliebteste aller Kandidaten. Allerdings sollte er akzeptieren, dass sich aus einer Wahl nicht automatisch ein Anspruch auf die Kanzlerkandidatur 2025 ableitet. Da wäre die CDU gut beraten, wenn sie die vier Jahre nutzen würde, mit Merz' Hilfe einen jüngeren Bewerber aufzubauen. Die Frage ist nur, ob der Sauerländer da mitspielt.


Zur Person:

  • Klaus-Peter Lammert ist Reporter der OM-Medien.
  • Den Autor erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de

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