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Der Bagger frisst sich in Cappeln durch die alte Kfz-Werkstatt

Auf knapp 5000 Quadratmetern wird Platz geschaffen für das neue Rat- und Dorfgemeinschaftshaus. Die übrig bleibenden Flächen sollen an Investoren verkauft werden.

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Blech zu Blech: Das mit dem Abriss beauftragte Unternehmen sortiert die Materialien. Entweder gibt es eine Weiterverwertung oder der Schutt wird entsorgt. Foto: Thomas Vorwerk

Blech zu Blech: Das mit dem Abriss beauftragte Unternehmen sortiert die Materialien. Entweder gibt es eine Weiterverwertung oder der Schutt wird entsorgt. Foto: Thomas Vorwerk

Vor Sommer ist mit dem ersten Spatenstich für das neue Rat- und Dorfgemeinschaftshaus in Cappeln nicht zu rechnen, doch die Vorbereitungen sind schon jetzt für jedermann sichtbar. In den vergangenen Tagen wurde damit begonnen, die Werkstatt des ehemaligen Autohauses Hannöver abzutragen und die verbauten Materialien zu separieren, um sie fachgerecht zu entsorgen. Im zweiten Schritt wird es an die Gebäude an der Hauptstraße gehen und auch dort ist im Vorfeld schon vieles ausgeräumt worden.

Letztes Grundstück gab es nur komplett zu kaufen

Das Inventar im „Möller-Haus“, in dem zuletzt ein Getränkemarkt beheimatet war, ist längst entfernt und auch zwei Häuser weiter ist in der Kindertagespflege „Wolkentanz“ alles demontiert worden. Nicht anders sieht es nebenan in der Tagespflege aus.

All das wird dem Erdboden gleich gemacht, um Platz für das neue Rathaus nebst Dorfgemeinschaftshaus zu schaffen, aber auch um weitere Flächen für private Investoren bereitzustellen. Den letzten und größten Teil des Areals gab es vor gut zwei Jahren nur komplett zu kaufen. Das Hannöver-Gelände zieht sich von der Cloppenburger Straße an der kompletten rückwärtigen Seite der alten Bebauung entlang bis fast zur Bokeler Straße hin. Was nicht als Parkplätze und Freiflächen für den kommunalen Bau benötigt wird, soll an private Investoren veräußert werden.

Jury fällte nach einer zwölfstündigen Sitzung ihr Urteil

Die Entscheidung, den alten Kfz-Handel zu erwerben, ist vor fast exakt zwei Jahren in letzter Minute gefallen. Die öffentliche Ratssitzung wurde seinerzeit für 60 Minuten unterbrochen, und hinter verschlossenen Türen wurde dem Vernehmen nach leidenschaftlich diskutiert, ob der geforderte Preis gezahlt werden soll. Über die Höhe der Summe wurde nichts öffentlich gemacht. „Der Preis ist sehr hoch, aber es ist eine Entscheidung für Generationen“, hatte Cappelns Bürgermeister Marcus Brinkmann allerdings durchblicken lassen, als das Publikum wieder zur Sitzung zugelassen war.

Leerstand: Die Gebäude an der Hauptstraße sind längst ausgeräumt, wie der ehemalige Getränkemarkt. Foto: Thomas VorwerkLeerstand: Die Gebäude an der Hauptstraße sind längst ausgeräumt, wie der ehemalige Getränkemarkt. Foto: Thomas Vorwerk

Es folgte der bereits beschlossene Architektenwettbewerb, der im Sommer Ende Juni 2019 in einer zwölfstündigen Sitzung der Jury sein Finale fand. Sieger wurde der Entwurf von „Reinders­architekten“ aus Osnabrück. Gleichzeitig gab es den städtebaulichen Wettbewerb zur Gestaltung der gesamten Ortsmitte. Dafür fiel die Entscheidung zugunsten des Büros „9° Architektur“ aus Oldenburg.

Kirche machte einen Rückzieher

Das an einem heißen Kirmessonntag in der Fahrzeughalle der Feuerwehr gezeigte neue Rathaus sollte aber in den Folgemonaten Gegenstand von intensiven Diskussionen bleiben. So war ursprünglich eine Beteiligung der Kirchengemeinde vorgesehen, die dann auf den Neubau eines Pfarrheims verzichten würde und beispielsweise die Bücherei im Erdgeschoss eines Flügels einrichten wollte. Anfang September 2019 verbreitete sich die Nachricht, dass die Kirche einen Rückzieher macht, wie ein Lauffeuer durch den Ort. Mit Folgen für die weiteren Planungen. Weiterhin in gleicher Größe bauen oder dem Rathaus den Flügel stutzen? Diese Frage beschäftigte die Politik fortan. Vor knapp einem Jahr dann die Entscheidung, das neue Rat- und Dorfgemeinschaftshaus in einer verkleinerten Variante umzusetzen.

Pläne werden Politik weiterhin beschäftigen

Damit sind allerdings noch nicht alle Diskussionen beendet, denn es steht immer noch im Raum, wie ein sich dem Siegerentwurf anpassender zusätzlicher Bau für einen privaten Investor interessant sein könnte. Konkret geht es dabei um Gebäudehöhe und Geschossanzahl, was sich signifikant auf die Wirtschaftlichkeit einer Verpachtung auswirkt. Die Dorfentwicklung und speziell die Belebung der Ortsmitte wird die Politik in den kommenden Monaten und Jahren noch intensiv beschäftigen.

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