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Datenklau: Niedersachsen am zweithäufigsten betroffen

Zuletzt sprengten Kriminelle in Niedersachsen etliche Geldautomaten von Bankfilialen. Es gibt auch weniger brachiale Methode: das Ausspähen sensibler Kundendaten. Warum gibt es wieder mehr Fälle?

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Eine Bankkundin steckt ihre Girokarte in einen Geldautomaten. Foto: dpa/Gutierrez

Eine Bankkundin steckt ihre Girokarte in einen Geldautomaten. Foto: dpa/Gutierrez

Niedersachsen ist vom Datenklau an Geldautomaten bundesweit nach wie vor am zweithäufigsten betroffen – und die Zahl der Fälle hat im ersten Halbjahr zugenommen. Von Januar bis Juni kamen im Nordwesten 23 solcher Straftaten zusammen. Im Vorjahreszeitraum waren es 12 gewesen. Beim sogenannten Skimming ("Abschöpfen") können für die Kartenbesitzer teils hohe Einzelschäden entstehen. Die meisten Delikte gab es in der ersten Jahreshälfte mit großem Abstand in Hamburg (75), auf den Plätzen 3 und 4 hinter Niedersachsen folgten Baden-Württemberg (15) und Bayern (13). Vor einem Jahr hatte Bayern die Liste angeführt.

Quelle der Zahlen ist die Frankfurter Einrichtung Euro Kartensysteme, die sich im Auftrag der Kreditwirtschaft um die Sicherheit für Zahlungskarten kümmert. Insgesamt gab es den Angaben zufolge erstmals seit Jahren wieder mehr Skimming. In ganz Deutschland wurden im Verlauf der vergangenen sechs Monate demnach 140 Fälle registriert, in denen Kriminelle Geldautomaten manipulierten, um an Kartendaten oder Geheimnummern zu gelangen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren 63 gezählt worden.

"Das Geschäftsmodell 'Skimming' ist für die Betrüger durch die weltweite Umsetzung der sicheren EMV-Chip-Technologie an Karte und Terminal zum Auslaufmodell geworden."Euro Kartensysteme

"Während der Schwerpunkt der Angriffsziele im ersten Halbjahr 2021 noch in Bayern und Niedersachsen lag, fanden die Manipulationen in diesem Jahr hauptsächlich in Hamburg und Niedersachsen statt", hieß es bei Euro Kartensysteme auf Anfrage. Bundesweit seien es schon mehr Fälle als im Gesamtjahr 2021 mit damals 136 Ausspähaktionen.

Der Gesamtschaden verringerte sich von 293.000 Euro auf 87.000 Euro. "Das Geschäftsmodell 'Skimming' ist für die Betrüger durch die weltweite Umsetzung der sicheren EMV-Chip-Technologie an Karte und Terminal zum Auslaufmodell geworden", begründete Euro Kartensysteme den Trend. EMV-Karten werden bei jedem Gebrauch auf Echtheit geprüft. Die Bezahlkarte mit dem leichter kopierbaren Magnetstreifen ist dagegen ein Auslaufmodell.

Manche Kriminelle gehen brachialer vor

Den Anstieg der Fallzahlen erklären Experten damit, dass eine regional organisierte Gruppe sich offensichtlich darauf konzentriert, die wenigen noch umlaufenden Sparkarten mit der veralteten Magnetstreifen-Technik abzugreifen. Ausgespähte Daten solcher Karten könnten Betrüger dann auch in Deutschland zu Geld machen. Überwiegend kommen nachgemachte Bezahlkarten auf Basis von in Deutschland gestohlenen Daten jedoch im Ausland zum Einsatz.

Manche Kriminelle gehen brachialer vor: In den vergangenen Monaten wurden etliche Geldautomaten auch in Niedersachsen gesprengt – zuletzt in der Nacht zum Montag in Harsum (Kreis Hildesheim). Dabei richteten die Täter teils große Zerstörungen an, manchmal auch an umliegenden Geschäfts- und Wohngebäuden. Nicht immer konnten sie Beute machen.

Anfang Juli hatten niedersächsische Fahnder zusammen mit Kollegen aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und den Niederlanden gegen eine mutmaßliche Bande von Automaten-Sprengern zugeschlagen. Einige Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Den bisherigen Gesamtschaden bezifferten die Ermittler auf über 4 Millionen Euro.

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