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Das Leben in blühenden Plakat-Landschaften

Kolumne: Batke dichtet – Es ist Herbst geworden. Aber wir befinden uns nicht nur im Blätter-, sondern auch im Plakate-Wald. In 3 Wochen ist Wahl – mal wieder. Denn gefühlt sind wir im Dauer-Wahlmodus.

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Kaum ist man mal 2 Wochen nicht im Lande, schon präsentiert sich bei der Rückkehr die Heimat in einem veränderten Antlitz. Es ist Herbst geworden, das auch, aber wohin man schaut: Plakate, Fotos von im gleichnamigen Shop aufgehübschter Menschen, Slogans, Parolen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir wieder an die Wahlurnen gerufen werden. Landtagswahl in 3 Wochen, Sie wissen schon.

Gefühlt befinden wir uns im Dauer-Wahlmodus – innerhalb der letzten 36 Monate gab es fast permanent Kreuzchen zu machen: Europa, Kreistag, Stadtrat, Bundestag, Landrat. Wir Lohner durften binnen dieser Spanne zusätzlich zweimal ein Stadtoberhaupt wählen. Und jetzt – zum krönenden Abschluss – geht es um die Niedersachsenmeisterschaft. Titelverteidiger Stephan Weil von der SPD zieht ebenso wie CDU-Herausforderer Bernd Althusmann durchs Land – beide gefallen sich in der Inszenierung ihrer Rolle des Kümmerers in unruhigen Zeiten.

Richtig bunt ist es also geworden an unseren Straßen und auf markanten Plätzen, wir rauschen durch blühende Plakat-Landschaften. Der bevorzugte Ort für das Überbringen von Bild- und Textbotschaften sind unsere Straßenlaternen, manchmal muss man sich arg konzentrieren, dass man sie nicht rammt bei den Bemühungen, das zu verstehen, was die Parteien und ihre Kandidaten uns sagen wollen. Immerhin, so meine Beobachtungen bei einem Streifzug durchs wahlkämpfende Südoldenburg, bleiben unsere Bäume weitgehend davon verschont, als Werbefläche missbraucht zu werden. Borkenkäfer, Eichenprozessionsspinner – sie haben schon genug zu leiden, da müssen sie nicht auch noch zusätzlichen Qualen etwa als Projektionsfläche für sinnfreie AfD-Parolen erdulden.

Prognose: Mehr als Platz 4 ist für Birkner & Co. nicht drin

Ich weiß nicht, ob es Ihnen auch schon aufgefallen ist: Viele FDP-Plakate sind extrem gelbstichig ausgelegt. Womöglich laufen die Liberalen Gefahr, nur verschwommen wahrgenommen zu werden, was sich auch in den jüngsten Umfrageergebnissen (im Schnitt bei 7 Prozent) niederschlägt. Ob man mit der frischen Initiative für ein Atomkraft-Revival noch die Kohlen aus dem Feuer holt, darf bezweifelt werden – mehr als Platz 4 ist für Birkner & Co. nicht drin. Noch deftiger dürfte es für die sich momentan selbst zerfleischenden Linken kommen; auch mit kernigen Sprüchen („Mal ehrlich, die scheiß Miete ist zu hoch“) werden sie die 5-Prozent-Hürde nicht überspringen.

In einer etwas komfortableren Position sind da die Grünen, in der Brautschau haben sie die besten Karten. Mit „Bye, Bye CO₂“ oder „Politik für morgen statt von gestern“ kommen sie nur bedingt originell daher, doch das bundespolitische Momentum dürfte für sie auch auf Niedersachsen abfärben, sodass 20 Prozent realistisch erscheinen.

Weit davon entfernt ist eine andere Gruppierung, die auch zu den 14 zur Landtagswahl zugelassenen Parteien gehört und immerhin über einen Sitz im EU-Parlament verfügt: Sie trägt den schönen Namen „Volt“; angesichts der Energiekrise müssten ihr eigentlich die Wähler die Urne einrennen – doch mit Hochspannung wird Volt am Wahlabend nichts zu tun haben. Eher mit einem Blackout.


Zur Person

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an redaktion@om-medien.de

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