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Das Klima ist ein Investitionsrisiko

Thema: Stresstest für Banken und EU-Taxonomie – Die Geldinstitute müssen stärker darauf achten, ob Investitionen auch gut für das Klima sind.

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Nachhaltigkeit ist nicht bloß für ökologisch angehauchte Unternehmen eine feine Sache. Sie ist für alle Firmen ein Muss. Dafür sorgt schon die Europäische Union, indem sie auch Mittelständlern ab 2024 die Berichtspflicht über Nachhaltigkeit auferlegt. Schon jetzt gilt diese Pflicht für den Finanzsektor. Ihm kommt bei der Transformation der Wirtschaft eine Schlüsselrolle zu. Deswegen ist der Klimastresstest der Europäischen Zentralbank so wichtig. Und er offenbart leider: Die Geldinstitute müssen stärker darauf achten, ob Investitionen auch gut für das Klima sind.

Unternehmen, die sich um Klimaschutz bemühen und in ihrem Geschäftsgebaren das gesellschaftliche Wohl berücksichtigen, müssen dafür in Form günstiger Kredite belohnt werden. Andere, die auf Kosten unseres Planeten Profit machen, müssen mit hohen Zinsen oder gleich mit Nichtbeachtung bei der Kreditvergabe bestraft werden. Dieses Prinzip betrifft auch die weltweiten Lieferketten der Unternehmen. Es darf nicht sein, dass wir die Umwelt in Asien, Südamerika und Afrika zerstören und in Europa den Gewinn abschöpfen.

Dazu hat die EU das Lieferkettengesetz auf den Weg gebracht, das eben solch rücksichtsloses Gebaren künftig sanktioniert. Wer die Verordnungen der EU, die eine nachhaltige Unternehmensführung betreffen, für Planwirtschaft und überbordende europäische Bürokratie hält, der liegt komplett daneben. Denn für die Schäden an Klima und Umwelt zahlen am Ende alle Steuerzahler.

Schäden durch Trockenheit, Stürme und Überschwemmungen kosten Milliarden

Versicherer schätzen, dass allein die deutsche Volkswirtschaft Hunderte von Milliarden Euro in den kommenden Jahrzehnten ausgeben muss, um die Schäden durch Trockenheit, Stürme und Überschwemmungen zu kompensieren. Je mehr wir das 1,5-Grad-Ziel verfehlen, desto verheerender und häufiger werden die Naturkatastrophen und desto teurer wird es.

Das stellt besonders für die Finanzwirtschaft aber auch für jedes andere Unternehmen ein beträchtliches Risiko dar. Deswegen ist es auch ökonomisch sinnvoll, dass die EU Anreize für mehr Klimaschutz setzt. Dass sie bei der sogenannten EU-Taxonomie allerdings Investitionen in Atom- und Gaskraft als nachhaltig einstuft, ist ein Witz.

Habeck selbst muss gesetzgeberisch und finanziell nachlegen

Auch die Reaktivierung von Kohlekraftwerken durch die Bundesregierung – so wichtig die kurzfristige Versorgungssicherheit für Deutschland ist – sendet kein gutes Signal an Unternehmer und Banken, stärker in wirklich erneuerbare Energien zu investieren. Die Novelle des Erneuerbaren Energiengesetzes, die Bundesrat und Bundestag verabschiedet haben, ist immerhin ein Anfang, der – wie der grüne Klimaminister Robert Habeck am Donnerstag im Bundestag zu Recht aber süffisant in Richtung CDU/CSU anmerkte – 10 Jahre zu spät kommt.

Doch auch Habeck selbst muss schleunigst gesetzgeberisch und finanziell nachlegen, um die optimalen Rahmenbedingungen für die möglichst rasche Transformation der Wirtschaft zu schaffen. Alles andere wird noch viel teurer. Gelingt die Transformation nicht, wird die Welt für unsere Enkel weniger lebenswert. Und etliche Unternehmen wird es dann nicht mehr geben.

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