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Das Fass "Polens Reparationszahlungen" bleibt besser zu

Thema: Polens Reparationsforderungen – Aus dem Fass, das die Warschauer Regierung aufgemacht hat, kommt nichts Gutes. Dabei steht die errechnete Schadenshöhe außer Zweifel.

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„Dann reden wir aber auch über Schlesien“: Das ist meist die spontane Reaktion in Deutschland, wenn man auf die polnische Entschädigungsforderung in Höhe von 1,3 Billionen Euro für deutsche Kriegsverbrechen zu sprechen kommt. Und zwar auch außerhalb der Vertriebenenverbände. Das Beispiel zeigt, welches Fass die Warschauer Regierung hier aufgemacht hat: Daraus kommt nichts Gutes.

Dabei steht die Schadenshöhe, die eine Kommission errechnet hat, weitgehend außer Zweifel. Die Deutschen haben im Zweiten Weltkrieg in Polen brutal gewütet. Sie haben nicht nur 5,5 Millionen Polen, darunter viele Juden, umgebracht, sondern auch versucht, die Substanz polnischer Kultur, Architektur und Wirtschaft zu zerstören oder zu rauben. Und sie haben dafür bisher sehr, sehr wenig Geld bezahlt.

"Es geht Polen auch um stärkere deutsche Signale der Aufarbeitung und der Zuwendung."Werner Kolhoff

Zwei entscheidende Fakten klammert Warschau jedoch in der Debatte aus. Der eine: Deutschland hat nach dem Weltkrieg große Gebiete an Polen abtreten müssen - Pommern, Schlesien, Teile Ostpreußens - und diese Verluste seit dem Grundlagenvertrag von 1970 nicht mehr in Frage gestellt. Spätestens beim Zwei-Plus-Vier-Vertrag im Jahr 1990 hätte Polen seine Entschädigungsrechnung aufmachen müssen, doch es war seinerzeit damit zufrieden, dass die Grenzen nun endgültig festgeschrieben wurden.

Der andere ist: Der Krieg liegt nun schon 77 Jahre zurück. Es leben neue Generationen von Deutschen und Polen endlich in einem geeinten Europa friedlich zusammen. Sie bauen an einer gemeinsamen Zukunft und stehen vor der Herausforderung, sich gemeinsam gegen die Bedrohung aus Russland zu wehren. Die Entschädigungsforderung reißt alte Wunden auf und ist rückwärts gewandt. Sie wird von der nationalistischen Partei PiS im Wahlkampf genutzt, um innenpolitisch Stimmung zu machen.

Einen Punkt allerdings hat die polnische Regierung: Sie beklagt, dass man sich in Deutschland zwar zu den Verbrechen an den Juden bekenne, nicht aber in gleicher Weise zu denen an den Polen. Es geht Polen auch um stärkere deutsche Signale der Aufarbeitung und der Zuwendung. An diesem Wochenende jährt sich der deutsch-französische Elysée-Vertrag zum 60. Mal. Er hat im Westen eine einzigartig gute Nachbarschaft der ehemaligen Kriegsgegner begründet. Eine ähnliche Intensität guter Beziehungen gibt es zu unserem großen östlichen Nachbarn noch nicht. Hierfür lohnt sich jedes Engagement. Auch mit Geld.


Zur Person:

  • Der Lohner Werner Kolhoff, 66, hat für den Berliner Tagesspiegel und die Berliner Zeitung gearbeitet, war Sprecher des Berliner Senats und leitete ein Korrespondentenbüro.
  • Heute ist er in der Hauptstadt als politischer Kolumnist tätig.

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