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Das denken die Dinklager über Burgwald, Freibad und Co.

Die Oldenburgische Volkszeitung hat 305 Bürgerinnen und Bürger befragt. Die Ergebnisse sind zum Teil ziemlich eindeutig.

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Ein Naherholungsziel für Einheimische und Touristen: Der Burgwald Dinklage ist in allen Jahreszeiten einen Ausflug wert. Foto: Stockwerk 2 / Malopo

Ein Naherholungsziel für Einheimische und Touristen: Der Burgwald Dinklage ist in allen Jahreszeiten einen Ausflug wert. Foto: Stockwerk 2 / Malopo

Der Burgwald, das Freibad und die zunehmenden Diskussionen zwischen Naturschutz und Stadtentwicklung: Das sind einige der großen Schlagworte, über die in Dinklage in den vergangenen Monaten vor allem in der Politik ausführlich diskutiert wurde. Aber was denken eigentlich die Bürgerinnen und Bürger über diese Themen? Die Oldenburgische Volkszeitung hat 305 Dinklager befragt. Zu den zum Teil sehr deutlichen Ergebnissen beziehen Dinklages Bürgermeister Frank Bittner und die 3 Fraktionen Stellung.

Die Flächenkonflikte

Das Gewerbegebiet am Dinklager Ring, der Forschungsstall in Höne, die neue Kita in der Wiek – im vergangenen Jahr gab es alleine bei diesen 3 Projekten deutlich vernehmbare Kritik von Naturschutzverbänden und Bürgern. Für Verwaltungschef Frank Bittner ist es deshalb „nach wie vor wichtig, alle Beteiligten an einen Tisch zu setzen“. Jedes Bauvorhaben sei eben ein Abwägungsprozess zwischen Umwelt und Stadtentwicklung. Das Umfrageergebnis hat man deshalb im Rathaus durchaus zufrieden zur Kenntnis genommen. Wenn 55 Prozent der Befragten finden, dass sich die Konflikte weiterhin in Einklang bringen lassen, zeige das Ergebnis auch dies: Dass der Großteil der Bürger Vertrauen in die Arbeit der Verwaltung hat.

Für Andreas Nordiek aus dem Fraktionsvorstand der CDU sind die Belange des Naturschutzes und der notwendigen wirtschaftlichen Weiterentwicklung der Stadt ein „Spagat“, der von allen Verantwortlichen „nach intelligenten und von allen Seiten mitgetragenen Lösungen verlangt“. Die Christdemokraten arbeiteten an „tragfähigen und zukunftsweisenden Konzepten und stehen für einen offenen Dialog“. Dass Umweltschutz und städtebauliche Entwicklung sich in Einklang bringen lassen, davon ist die CDU überzeugt. Es dürfe indes nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben.

Aus Sicht der SPD-Fraktion ist es eine Verpflichtung der politischen Akteure, einen Einklang zwischen berechtigten Natur- und Umweltbelangen, Schaffung von Wohnraum und neuen Arbeitsplätzen sowie wirtschaftlichen Interessen herzustellen. Für den Fraktionsvorsitzenden Matthias Windhaus sind dabei aber „Zuverlässigkeit sowie die Fähigkeit und Bereitschaft zum Dialog“ notwendig. Mit Blick auf die Diskussionen am Dinklager Ring hätten sich dort allerdings einige Vertreter des Bürgerforums und des Umweltschutzvereins Pro Natura „völlig verrannt und sind mit ihren Unterstellungen mehr als akzeptabel übers Ziel hinausgeschossen“.

Mit Blick in die Zukunft müssten dem Natur- und Umweltschutz mehr Bedeutung beigemessen werden, sagt Windhaus. Er verweist auf die eigenen Erfolge: Die Einstellung der Klimaschutzmanagerin, das energetische Quartierskonzept und feste politische Debatten über Klima- und Naturschutz im Bauausschuss – jeweils von der SPD initiiert – seien wichtig gewesen. Es brauche für die Zukunft aber weiter „gute Ideen und innovative Ansätze“. Wie diese: Die Schaffung neuer Grünflächen, das Verbot von Steinbeeten in neuen Baugebieten, die Rückhaltung von Regenwasser auf privaten Grundstücken oder von der Stadt initiierte Formen regenerativer und dezentraler Energieversorgung.

So zuversichtlich wie Bürgermeister, CDU und SPD blickt das Bürgerforum nicht in die Zukunft. Im Gegenteil: Die Fraktion sieht nach wie vor Konflikte zwischen Naturschutz und Stadtentwicklung und bezieht sich vor allem auf das Gewerbegebiet Östlich Dinklager Ring. Der Fraktionsvorsitzende Ulrich Heitmann hat „arge Zweifel“, ob sich die Ansiedlung des Kunststoffrecyclers Thees nicht doch nachhaltig auf das Naturschutz- und FFH-Gebiet Burgwald auswirkt. Grundsätzlich will das Bürgerforum „die Entwicklung der Stadt vorantreiben und auch unterstützen, was aber nicht heißt, dass dabei die Aspekte des Natur- und Umweltschutzes ebenso wichtig sind“. Gerade die Thees-Thematik sei für den Bürger und einem Großteil der Ratsmitglieder schwierig einzuschätzen.

Der Burgwald

Fakt ist: Der Burgwald droht auszutrocknen. Das Naherholungsgebiet benötigt Wasser. Bürgermeister Frank Bittner ist deshalb gespannt, welche Ergebnisse das hydrogeologische Gutachten, das der Landkreis Vechta in Auftrag gegeben hat, liefert. Auf dessen Basis möchte die Untere Naturschutzbehörde bis zum Frühjahr 2021 einen Managementplan erstellen. Bittner sagt: „Es ist gut, dass jetzt etwas passiert.“ Nach den Ergebnissen des hydrogeologischen Gutachtens wisse man, „wie bedroht ist das Ganze nun wirklich?“

Die CDU Dinklage ist davon überzeugt, dass der Burgwald noch eine Zukunft hat. Andreas Nordiek bedauert allerdings: Da sich der Burgwald als ausgewiesenes Naturschutzgebiet in privater Hand befindet und die Zuständigkeiten beim Landkreis Vechta liegen, könne die Stadt Dinklage und letztlich auch die CDU indes nicht unmittelbar agieren. Beide könnten aber dafür sorgen, dass alle relevanten Personen und Institutionen ihrer gemeinsamen Verantwortung zum Erhalt des Burgwaldes gerecht werden. Nur in einem breiten Miteinander werde es gelingen, den Burgwald als stadtnahes Erholungsgebiet und touristisches Highlight nicht nur zu erhalten, sondern auch für die Zukunft „fit zu machen“.

Die SPD setzt bei der Debatte „auf ausgewiesene Experten, die sich in ihrer täglichen Arbeit mit dieser Materie beschäftigen und nicht nur für Schlagzeilen und Fotos in den Burgwald fahren“, sagt Windhaus. In erster Linie sei der Landkreis gefragt. Die Behörde sei in der Verpflichtung, den politischen Gremien die entsprechenden geeigneten Maßnahmen zur Sicherung vorzuschlagen. Aus Sicht der SPD wäre ein Kompensationspool des Landkreises für Naturschutz im Bereich des Burgwaldes eine gute Maßnahme.

Alternativ zum Naturschutzfachlichen Ersatz- und Ausgleichsfonds (NEF) können Erlöse durch Ersatzzahlungen für nicht mögliche Kompensationsmaßnahmen nach dem Bundesnaturschutzgesetz zweckgebunden in größere allgemeine Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege investiert werden. Der Burgwald benötigte aber nicht nur Wasser in der Fläche, sondern auch ein intelligentes Wassersystem, welches das vorhandene (Regen-)Wasser im Burgwald hält, betont Matthias Windhaus. Den Vorschlag des Försters, mehr Fremdländer-Baumarten anzupflanzen, hält die SPD für überlegenswert.

Das Bürgerforum sieht die Zukunft des Burgwald „sehr kritisch“. Das touristische Aushängeschild der Stadt Dinklage steht „mehr oder minder vor dem Kollaps, es ist eher 5 nach 12 als 5 vor 12“, warnt Heitmann. Der Fraktionschef sagt: Die Wasserförderung sei „unverzüglich“ zu beenden. Heitmann glaubt: Wenn der Mühlenbach nicht wieder an das südlich verlaufende Wassersystem angeschlossen wird, um den Grundwasserspiegel steigen zu lassen, werde sich das Naturschutzgebiet von den zugefügten Schäden aus der Vergangenheit nicht wieder erholen.

Das Freibad

Bürgermeister Frank Bittner findet: Das Ergebnis der Umfrage sei ein klares Votum, „dass wir mit Politik und Verwaltung auf dem richtigen Weg sind. Wir wollen das Freibad erhalten.“ Nach dem jüngsten Ratsbeschluss gibt es nun diesen Stand: Das in vielen Bereichen sanierungswürdige Bad, für das 2020 exakt 7131 Eintrittskarten verkauft wurden, soll mit einer Wasserfläche von 720 Quadratmetern modernisiert werden. Die Stadt kann bis zu 45 Prozent der Sanierungskosten, die sich auf 3,9 Millionen Euro belaufen, aus einem Bundesprogramm fördern lassen und reicht dafür einen entsprechenden Antrag ein. Für die Kofinanzierung hat der Rat sein Okay gegeben.

Dass die Stadt Dinklage weiterhin ein Freibad benötige, habe die CDU schon vor einigen Jahren positiv beantwortet, sagt Fraktionsvorstand Nordiek. Die Christdemokraten hätten sich dann in den vergangenen zwei Jahren intensiv mit der Neugestaltung beschäftigt. Vor dem Hintergrund des hohen Finanzvolumens einer Komplettmodernisierung habe es sich die CDU-Fraktion nicht leicht gemacht, sondern sich intensiv in die Detailplanungen eingebracht. Das Ja zum Fördereintrag sei „ein klares Statement für ein Freibad in Dinklage“.

Die SPD fühlt sich durch die Umfragewerte bestätigt, das Freibad am bestehenden Standort zu sanieren – auch, „um so auch der Gefahr einer Schließung entschieden entgegenzutreten“. Die anderen beiden Fraktionen hätten sich zuletzt nicht eindeutig für den Erhalt des Bades ausgesprochen. „Ein in die Jahre gekommenes Freibad kann aus Sicht der SPD durch Modernisierung und strukturelle Änderungen wieder an Attraktivität gewinnen.“ Erfreulicherweise bestehe jetzt die Aussicht auf Fördergelder in Höhe von 45 Prozent. Es gehe auf einmal ganz schnell. „Was vorher noch nicht unbedingt gewollt war, wurde jetzt beschlossen.“

Hat viele Mängel: das Dinklager Freibad. Foto: BöckmannHat viele Mängel: das Dinklager Freibad. Foto: Böckmann

Das Bürgerforum hatte vor einigen Wochen noch die Zukunft des Freibads zumindest infrage gestellt, mittlerweile steht für das Bürgerforum eindeutig fest: Das Dinklager Freibad soll unbedingt erhalten bleiben und saniert werden, auch wenn keine Fördergelder fließen. Wichtig sei, dass die Sanierung in einem Zuge durchgeführt werde. Und: Die Attraktivität müsse erheblich gesteigert werden. 


Info: Hier gibt es die ausführlichen Stellungnahmen der Fraktionen: 


Kommentar zu den Umfrageergebnissen von Frederik Böckmann

"Auch die Stadt Dinklage ist in der Pflicht"

Angesichts der scharfen Tonlage, mit der von einigen Lokalpolitikern und Naturschützern die Debatten um Gewerbeansiedlungen geführt werden, lässt sich mit Blick auf die Umfrage festhalten: Lautstärke in der öffentlichen Diskussion ist nicht immer unbedingt repräsentativ. Die Bürger vertrauen der Arbeit von Verwaltung und Politik. Das ist gerade in diesen Zeiten ein gutes Zeichen.

Repräsentativ ist auch das Ergebnis zum Burgwald: Ja, die Dinklager glauben noch an eine Zukunft. Hier ist aber auch die Stadt in der Pflicht: Sie sollte selbst mehr das Heft in die Hand nehmen, eigene Lösungsvorschläge zur Burgwald-Rettung präsentieren – und nicht nur die langwierigen Prozesse beim Landkreis Vechta abwarten. Auch der Fußballer Bittner weiß: Agieren ist meistens besser, als nur zu reagieren. Irgendwann ist es zu spät.

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