Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Dammer Bürgermeister gibt sich kämpferisch: Muhle fordert Ende von "Förderitis"

Erst gab es Grünkohl, dann schwierige Kost. Beim CDU-Kohlessen gab Dammes Bürgermeister Gerd Muhle Impulse, wie der ländliche Raum sich positiv entwickeln kann. Pfarrer Zumdohme warb für Plattdeutsch.

Artikel teilen:
Virtuell dabei: Pfarrer Heiner Zumdohme warb dafür, das Plattdeutsch zu bewahren. Foto: Lammert

Virtuell dabei: Pfarrer Heiner Zumdohme warb dafür, das Plattdeutsch zu bewahren. Foto: Lammert

68 angemeldete Zugänge, wahrscheinlich mehr als 100 Teilnehmer und 2 Reden, die sich intensiv mit der Zukunft der ländlichen Kommunen beziehungsweise des Plattdeutschen befassten: Erstmals veranstalteten die CDU-Gemeindeverbände Damme, Osterfeine/Rüschendorf, Neuenkirchen, Vörden, Holdorf und Steinfeld sowie Rieste ihr Kohlessen virtuell.

Dabei skizzierte Dammes Bürgermeister Gerd Muhle in 8 Punkten, wo er die besonderen Herausforderungen für die Kommunen sieht und wie sie sich fit machen können für die Zukunft. Da forderte er mit besonderem Nachdruck zum Beispiel ein Ende der "Förderitis und Berateritis". "Weg damit", sagte der Christdemokrat.

Die Kommunen benötigten vielmehr eine ausreichende Finanzausstattung, um im Zuge der kommunalen Selbstverwaltung selbst zu entscheiden, wo sie investieren wollen. In dem Zusammenhang setzte er sich auch für ein Ende der strukturellen Benachteiligungen des ländlichen Raums gegenüber von Großstädten ein. Die finanziellen Zuwendungen an diese Städte seien prozentual deutlich höher als die an die Kommunen in der Fläche.

Tourismus bietet Kommunen eine große Chance

Mit Blick auf die sogenannte Raumordnung forderte der Bürgermeister ebenfalls ein Umdenken. Sie müsse dezentral und nicht zentral gedacht werden. Es könne nicht angehen, dass in kleineren Kommunen zum Beispiel keine Verbrauchermärkte entstehen dürfen, obwohl sie auch dort notwendig seien.

Eine große Chance sieht der CDU-Politiker im Tourismus als wachsenden Wirtschaftsfaktor in der hiesigen Gegend. Er geht davon aus, dass sich viele Bundesbürger zukünftig auf Urlaubsziele in Deutschland besinnen werden, weil nach der Corona-Pandemie Themen wie das Klima und die Nachhaltigkeit auch beim Reisen eine wesentlich wichtigere Rolle spielen werden. Er sei davon überzeugt, dass es Billigreisen in dem Ausmaße wie vor Corona nicht mehr geben wird.

Wasserstofftechnik ist die Zukunft bei den Motoren

Beim Thema "Mobilität im ländlichen Raum" erwartet Gerd Muhle auch in Zukunft den Vorrang des Individualverkehrs. Die Reaktivierung von Bahnstrecken wie etwa der zwischen Damme und Holdorf sei zu teuer, der Öffentliche Personennahverkehr lasse sich nicht so ausbauen, wie es sich mancher wünsche. Die Zukunft bei der Antriebstechnik der Kraftfahrzeuge sieht der Bürgermeister in der Wasserstofftechnologie.

Eine klare Aufgabe gab er den Kommunen für die Ortskerne beziehungsweise Innenstädte mit auf den Weg: Sie müssten neu erfunden werden – etwa mit Blick auf Begegnungszentren und Aufenthaltsräume, um für die Bürger attraktiv zu bleiben.

Ebenfalls deutlich positionierte sich der Bürgermeister bei der Digitalisierung. Er forderte, überall für frei zugängliches W-Lan und bis 2023 für schnelle Datenübertragungen nach G 5-Standard zu sorgen. Im Übrigen gelte bei der Digitalisierung "Probieren geht über Studieren".

Die Corona-Pandemie habe möglich gemacht, was mancher bis dahin für undenkbar gehalten habe, zum Beispiel digitale Konferenzen oder das Home-Schooling.

Pfarrer Zumdohme wirbt für Bewahrung des Plattdeutschen

St.-Viktor-Pfarrer Heiner Zumdohme war bei der von der stellvertretenden Dammer CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Claudia Westendorf moderierten Veranstaltung der zweite Redner. Er hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für die Bewahrung des Plattdeutschen, das immerhin rund 2 Millionen Niedersachsen sprechen. Das Plattdeutsche sei eine friedliche Sprache: "Mit ihm bist du näher bei den Menschen."

"Ich brauche keinen Facility-Manager, ich brauche einen Hausmeister."Pfarrer Heiner Zumdohme

Zwar unterliege auch die Sprache vielen Entwicklungen, er halte aber nichts davon, in Reden viele Fremdwörter und Anglizismen einzubauen: "Ich brauche keinen Facility-Manager, ich brauche einen Hausmeister", sagte der Geistliche. Das Plattdeutsche habe aber nur dann eine Zukunft, wenn es nicht zur Folklore oder Döntjes-Sprache verkomme. Es sei für seine Bewahrung wichtig, auch plattdeutsche Texte mit Tiefgang vorzulesen: "Das zeigt, dass Plattdeutsch das ganze Leben umschließen kann."

Die CDU forderte der Pfarrer auf, den Menschen Hoffnung und Zuversicht zu geben und die Welt mit Freude und Mut zu gestalten.

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Dammer Bürgermeister gibt sich kämpferisch: Muhle fordert Ende von "Förderitis" - OM online