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Damit der Verkehr in Dinklage sicherer und flüssiger fließt

Ein Arbeitskreis hat ein Konzept erarbeitet, um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu steigern. Die ersten Entwürfe wurden nun präsentiert.

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Hier entsteht ein Mini-Kreisel – auf Anregung des Arbeitskreises Verkehr: Am Freitag waren die Bauarbeiter der Fachfirma an der Kreuzung Kösters Gang / Schulstraße noch fleißig. Foto: Röttgers

Hier entsteht ein Mini-Kreisel – auf Anregung des Arbeitskreises Verkehr: Am Freitag waren die Bauarbeiter der Fachfirma an der Kreuzung Kösters Gang / Schulstraße noch fleißig. Foto: Röttgers

Es ist ein etwas sperriges Wort und geistert seit eineinhalb Jahren  durch die politischen Diskussionen: Verkehrsentwicklungsplan (VEP). Den Verkehrsfluss besser zu lenken, es Fußgängern und Radlern leichter zu machen und die Sicherheit zu erhöhen – das  sind die Ziele des VEP, mit dem sich die Stadt Dinklage in Sachen Mobilität gut für die nächsten Jahrzehnte aufstellen und gleichzeitig die Innenstadt aufwerten möchte. Im Ausschuss für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung hat die Politik jüngst die ersten der Entwürfe öffentlich diskutiert. Nun sollen die Dinklager nach ihrem Eindruck gefragt werden. 

Welchen Hintergrund hat der Verkehrsentwicklungsplan? Der Verkehrsentwicklungsplan wurde vornehmlich auf Initiative der SPD vom Rat beschlossen. Die Sozialdemokraten hatten in den vergangenen Jahren einige Anträge in die politischen Gremien eingereicht. Das Verkehr- und Parkraumkonzept sollte optimiert werden, die Attraktivität für Fahrradfahrer und Fußgänger erhöht werden. Handlungsbedarf sah die SPD-Fraktion vor allem am Kösters Gang, der Schulstraße, der Gartenstraße und der Burgstraße. Die Attraktivität und der Aufenthaltscharakter der Stadt sollten dabei auch unter den Aspekten des Umwelt- und Klimaschutzes verbessert werden.

Im Sommer 2019 wurde dann ein Arbeitskreis "Verkehrsentwicklung" eingerichtet, der bislang dreimal unter der Leitung des Fachbüros PGT Umwelt und Verkehr (Hannover) tagte. Diskutiert wurde unter anderem über die Punkte „Verkehrsgruppen und -arten“, „Verkehrssicherheit“, „Innenstadt und Parkraum“, „ÖPNV“ (kurz für Öffentlicher Personennahverkehr), „Verkehrsführung und Elektromobilität“.

Hier wirds bisweilen unübersichtlich: Verwaltung, Politik und Fachbüro besichtigten bei ihrer Wegebereisung Anfang September auch die Kreuzung vor der Eisdiele. Foto: SPD  WindhausHier wird's bisweilen unübersichtlich: Verwaltung, Politik und Fachbüro besichtigten bei ihrer Wegebereisung Anfang September auch die Kreuzung vor der Eisdiele. Foto: SPD / Windhaus

Wie bewertet das Fachbüro die Verkehrssituation in Dinklage? Gemischt. Die Wege in die Stadt sind für Fußgänger und Radfahrer kurz, auch dank mehrerer kleinerer Wegeverbindungen. Die zentral liegenden Schulen sind überwiegend gut zu Fuß und mit dem Rad erreichbar. Der Stadtring und die Umgehungsstraße entlasten die Innenstadt. Die Stadtmitte ist dank der kurzen Wege kompakt. In der City sind alle nötigen Geschäftsbereiche vorhanden.

Die Verkehrsexperten bemängeln allerdings auch: Die Gehwege sind zu schmal, es gibt keine getrennten Rad- und Fußwege. Im Allgemeinen ist die Verkehrsführung für Radfahrer nicht eindeutig. Dazu kommt: Trotz Stadtring und Umgehungsstraße fahren zu viele Autos und Lkw durch die City. Es mangelt an einer eindeutigen Hierarchie. Auch das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs ist trotz des Rufbusses nicht gut.

Sind schon Projekte umgesetzt? Jein. Der im Bau befindliche Mini-Kreisel an der Kreuzung Schulstraße/Kösters Gang führte zumindest auf die Beratungen im Arbeitskreis Verkehr zurück. Zunächst war dort eine T-Kreuzung angedacht worden. Auch die mögliche Variante für die Park- und Zufahrtsregeln bei der Kardinal-von-Galen-Grundschule am Klinghamer Weg stammt aus dem Gremium. Wobei die Idee nicht allen Ratsmitgliedern gefällt. Auch die angedachte, aber von der Politik noch zu beschließende, mögliche Einbahnstraßenregelung für den Kösters Gang wurde vom Arbeitskreis favorisiert.

Was ist mit der Innenstadt? Hier soll der Verkehr flüssiger fließen – und er könnte es möglicherweise auch etwas anders. Ein Knotenpunkt ist die zum Teil unübersichtliche Kreuzung direkt vor der Eisdiele, wo die Verkehrsteilnehmer von drei Straßen kommen. Die Idee, die Burgstraße von der Eisdiele bis zum Star Imbiss (Einfahrt Am Pfarrhof) für den Verkehr zu sperren, erntete jedoch Kritik von Joe Behrens. Der CDU-Ratsherr und Vorsitzende der Bürgeraktion forderte die Durchlässigkeit von der Burgstraße bis zur Innenstadt. „Die Straße muss offenbleiben, und das nicht nur als Einbahnstraße“, betonte er. Die Bürgeraktion sei aber offen für Ideen.

Grundsätzlich gilt für die Innenstadt: Es ist eine Tempo-20-Zone vorgesehen, die Wege sollen barrierefreier werden, es soll mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer geben. Letzteres hatten sich in einer OV-Umfrage vom Frühjahr 2019 übrigens auch mehr als 60 Prozent von 439 Befragten gewünscht. Über Kreisverkehre diskutiert wurde im zuständigen Arbeitskreis dem Vernehmen nach übrigens auch an zwei weiteren Knotenpunkten in der Innenstadt: Zum einen beim Rathaus an der Kreuzung Alter Markt / Bahnhofstraße und Sanderstraße sowie vor dem Ärztehaus an der Kreuzung Kösters Gang / Clemens-August-Straße.

Was ist noch angedacht? An der Schulstraße – wo sich die Oberschule, das Kardinal-von-Galen-Haus, die Schwimmhalle und das TVD-Aktivcenter befinden – soll der Verkehr ebenfalls sicherer fließen. Zum Beispiel, in dem der ruhende Verkehr neu geordnet wird. Außerdem gibt es Überlegungen, den Parkring zwischen der Clemens-August-Straße – wo sich das Gesundheitszentrum befindet – und der Schulstraße zu verändern. Das Radverkehrsnetz soll deutlich verbessert werden. Und langfristig soll nach Möglichkeit auch das letzte Stück der Umgehungsstraße geschlossen werden – um den Verkehr aus der (Innen-)Stadt zu entzerren.

Wie geht es weiter? Alle Ideen sind bislang nur Vorschläge. Geld wurde (mit Ausnahme des Mini-Kreisels am Kösters Gang) noch nicht ausgegeben. Bauamtsleiter Michael Busch betonte: „Jede Maßnahme muss noch beschlossen werden.“ Die Diskussion, wie die Innenstadt gestaltet werden soll, soll öffentlich geführt werden, besonders mit der Kaufmannsschaft und den Anliegern. Der Verkehrsentwicklungsplan soll etwa auf Faltblättern präsentiert werden, auch eine Online-Befragung ist angedacht.

Hier hat sich schon etwas getan: Politik, Verwaltung und Fachbüro nahmen bei der Wegebereisung Anfang September die Schulstraße unter die Lupe, wo der Gehweg neu gepflastert wurde. Foto: SPDHier hat sich schon etwas getan: Politik, Verwaltung und Fachbüro nahmen bei der Wegebereisung Anfang September die Schulstraße unter die Lupe, wo der Gehweg neu gepflastert wurde. Foto: SPD

Hatte nicht auch das Bürgerforum erst vor Kurzem ein Verkehrskonzept gefordert? Ja. Das hat mit dem Verkehrsentwicklungsplan allerdings nichts zu tun. Das Bürgerforum forderte im vergangenen Sommer ein sogenanntes Verkehrskontrollkonzept und eine entsprechende Debatte. Der Grund: Es werde in Dinklage zu schnell gefahren, vermehrt falsch geparkt und zu wenig kontrolliert. Die Forderung nach einem Verkehrskontrollkonzept hatte CDU und SPD irritiert, weil viele Ansätze schon im Arbeitskreis Verkehr diskutiert wurden und deshalb zum Teil schon überholt seien. An den Sitzungen des Arbeitskreises hatte das Bürgerforum indes nicht teilgenommen.


Fakten:

  • Mitglieder in dem halb-öffentlichen Gremium sind von der Verwaltung Bürgermeister Frank Bittner, Klimaschutzmanagerin Dorothee Arp sowie vom Bauamt Anne Miosga, Michael Busch und Sven Friedrich. Dazu die Polizei, die Bürgeraktion, die Leiter aller vier Schulen und Heinz Fischer vom Projekt Dinklusiv. Eingeladen sind auch alle Mitglieder des Stadtrates. 
  • Das Bürgerforum nahm an den drei Sitzungen des Arbeitskreises Verkehrsentwicklung, an der entsprechenden Sitzung des Fachausschusses und der vorangegangen Wegebereisung nicht teil. Bei der Tour ging es um die Innenstadtgestaltung, Verkehrsführung für alle Verkehrsteilnehmer, Verkehrssicherheit, Barrierefreiheit, Parkraumgestaltung.

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