Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Corona und die Maskenpflicht: Pflichten sind gut, Kontrolle besser

Thema: Corona und die Maskenpflicht – Die mangelnde Durchsetzung von Gesetzen führt nur dazu, dass die Menschen sich streiten – und der Staat sich lächerlich macht. Auch bei der Maske.

Artikel teilen:

Die Verlängerung der Maskenpflicht im Fernbahn- und Flugverkehr ist umstritten. Nächste Woche entscheidet der Bundestag. Andere Staaten haben sie nicht, außerdem endet die maskierte Reise in komplett maskenfreien Fussballstadien, Kneipen, Kantinen oder Hörsälen. Jedenfalls dann, wenn die einzelnen Bundesländer nichts anderes bestimmen. Wer denkt, dass ihm nichts passieren kann, etwa weil er geimpft ist oder weil er Corona für eine Grippe hält, der wird die Pflicht ohnehin als Zwang empfinden, mindestens als staatliche Belästigung.

Auf der anderen Seite gibt es jedoch eine Menge Leute, die Angst vor Corona haben oder haben müssen. Etwa jene, die einer gefährdeten Gruppe angehören. Oder die, deren Reise eben nicht zu einem Massenevent führt, sondern vielleicht zu einem Krankenbesuch bei der Oma. Sie alle haben Anspruch auf eine halbwegs sichere Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln. Und dass die FFP2-Maske die Verbreitung des Erregers in geschlossenen Räumen hemmt, das ist erwiesen. Das Maskentragen ist also sowohl ein Akt der Solidarität als auch der Vorsorge. Und eine ziemlich harmlose Einschränkung. Keiner, der gesund ist, kann sagen, dass er das nicht ein paar Stunden aushält. Er will nur nicht.

"Falsch aber ist es, erneut ein Gesetz zu schaffen, das anschließend nicht durchgesetzt wird."Werner Kolhoff

So lange die Pandemie tobt, ist die Regelung also richtig. Die Länder sollten sie konsequenterweise auch für den Nahverkehr beschließen, denn viele Gefährdete sind gezwungen, ihn zu benutzen.

Falsch aber ist es, erneut ein Gesetz zu schaffen, das anschließend nicht durchgesetzt wird. So ist es nämlich derzeit: Maskengegner und Ignoranten lachen einem frech ins Gesicht, wenn man sie auf die Gesetzeslage hinweist; Schaffner gucken weg. Die, die Angst vor Ansteckung haben, drücken sich in die Ecken. Selbst Kanzler und Journalisten fliegen maskenfrei, wenn sie unter sich sind. So eine Maskenpflicht ohne Folgen hilft niemandem.

Verbote, die nur auf dem Papier stehen, gibt es ohnehin schon zu viele: Zigarettenstummel wegschnippen, Hupen als Erziehungsmittel, Parken auf Radwegen, Hundehaufen liegen lassen, Radfahren in der Fußgängerzone, Müllentsorgung im Wald. Die Liste kann man beliebig verlängern. Die mangelnde Durchsetzung von Gesetzen führt nur dazu, dass die Menschen sich streiten – und der Staat sich lächerlich macht. Auch bei der Maske.


Zur Person:

  • Der gebürtige Lohner Werner Kolhoff, 66, hat für den Berliner Tagesspiegel und die Berliner Zeitung gearbeitet, war Sprecher des Berliner Senats und leitete ein Korrespondentenbüro. Heute ist er in der Hauptstadt als politischer Kolumnist tätig.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

Der neue Newsletter für Friesoythe. Immer am Donnerstag das Wichtigste aus der Eisenstadt in ihrem Postfach. So verpassen Sie nichts mehr.  Jetzt hier kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Corona und die Maskenpflicht: Pflichten sind gut, Kontrolle besser - OM online