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Corona ist eine Nagelprobe für die Demokratie

Der ehemalige Professor der Tierärztlichen Hochschule, Thomas Blaha sieht eine "radikale Ich-Haltung". Wer sich ohne medizinische Gründe nicht impfen lassen will, müsse Einschränkungen hinnehmen.

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Die Impfkampagne in Deutschland stagniert bei etwas über 60% vollständig geimpfter Personen, obwohl Epidemiologen seit Monaten erklären, dass wir die Pandemie erst bei einer über 80-prozentigen (besser über 90-prozentigen) Impfdecke so einschränken können, dass wir wieder ein normales Leben führen können.

Die Hauptargumente sind: „Ich bin doch gesund“, oder „Ich misstraue der kurzen Zulassungszeit“ (obwohl viele Millionen Menschen weltweit geimpft sind und keine schweren Nebenwirkungen bekannt sind). Diese Argumente bestätigen die Analysen von Martin Hecht, der das Buch: „Die Einsamkeit des modernen Menschen – Wie das radikale ICH die Demokratie bedroht“ veröffentlicht hat.

Diese Ich-Haltung ist schlimm für die moralische Verfasstheit unserer Gesellschaft, weil es einen gravierenden Mangel an Solidarität signalisiert. Noch schlimmer aber für die Demokratie ist, dass sich auch in der Politik ein verzerrtes Demokratieverständnis eingeschlichen hat, das meint, dass „demokratische Freiheiten“ bedeutet, dass jeder Einzelne und jede kleine Partikularinteressensgruppe alles tun und alles lassen können soll. Das ist dem Wiedergewählt-werden-Wollen der politischen Akteure geschuldet.

"Das Mindeste, was die Politik jetzt machen muss, ist die konsequente Umsetzung der 2G-Regel."Thomas Blaha

Anders ist es nicht zu erklären, warum die Bundesregierung sofort als das Impfen möglich wurde, erklärten, dass es selbstverständlich niemals eine Impfpflicht geben solle. Die Politik hat also dem „radikalen Ich“ das Wort geredet und nicht der Stärkung und Förderung des Gemeinwohls der Mehrheit der Gesellschaft. Wenn die Politik es nicht sagt, müssen es andere sagen: Impfen ist eine moralische Bürgerpflicht, und wer sich ohne medizinische Gründe dafür nicht impfen lassen will, muss die Einschränkungen für Nichtgeimpfte hinnehmen, für die er sich ja frei entschieden hat.

Das Mindeste, was die Politik jetzt machen muss, ist die konsequente Umsetzung der 2G-Regel. Wer keine Fahrerlaubnis erwerben will, darf ja auch nicht mit einem Auto am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen, was von niemandem als unzulässige Einschränkung von demokratischen Freiheiten gesehen wird. Und überhaupt: Sehen denn diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, nicht, dass gerade sie es sind, die die von ihnen so gehassten und beschimpften Coronamaßnahmen immer weiter herauszögern. Das „radikale Ich“ hat nicht nur Probleme mit der Solidarität, sondern offensichtlich auch mit dem logischen Denken.

Und die Politik sollte sich wieder auf die eigentlichen Grundpfeiler der Demokratie besinnen, wobei einer dieser Pfeiler ist: auf demokratischem Wege Entscheidungen finden, die der Allgemeinheit dienen, und die gegen die Wenigen, die das anders sehen, durchgesetzt werden müssen – im Interesse des Gemeinwohls.

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