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Corona hat Gemeinde finanziell nur wenig belastet

Thomas Otto, Bürgermeister der Gemeinde Saterland, blickt im Gespräch mit OM Online zurück und nach vorn. Finanziell stehe die Gemeinde, so Otto, "gefühlt relativ gut da".

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Thomas Otto, Bürgermeister der Gemeinde Saterland, plant im kommenden Jahr eine Neuorganisation der Verwaltung. Foto: Stix

Thomas Otto, Bürgermeister der Gemeinde Saterland, plant im kommenden Jahr eine Neuorganisation der Verwaltung. Foto: Stix

Ein klein wenig ist Thomas Otto, Bürgermeister der Gemeinde Saterland, selbst überrascht, was im vergangenen Jahr so alles gelaufen ist. Zumal die engbedruckte DIN-A4-Seite, auf der er die wichtigsten Termine des Jahres zusammengestellt hat, ja nur einen Ausschnitt der Arbeit zeigt. Alles, was da gelistet ist, war zuvor in der Verwaltung geplant und erarbeitet sowie in den politischen Gremien beraten worden.

Und diese Zusammenarbeit, so lässt Otto durchblicken, ist optimierbar. "Die Politik mitzunehmen, war nicht immer ganz leicht", sagt er diplomatisch und spielt – ohne Namen zu nennen – auf einige Auseinandersetzungen mit der CDU-Mehrheitsfraktion und insbesondere mit dem inzwischen ausgeschiedenen Ratsherrn Gerd Albers an. "Ich setze da jetzt große Hoffnungen auf die neuen Ratsmitglieder", richtet er den Blick nach vorn und hofft auf eine "einvernehmliche Arbeit im Rat".

Gemeinde nimmt 10,8 Millionen Euro an Gewerbesteuer ein

Ein paar Themen greift Otto aus der Liste heraus und geht näher darauf ein. Corona ist natürlich eines davon. Vier große Schutzimpfungen für die über 80- und über 70-Jährigen hat die Gemeinde organisiert. "Das war damals schon eine echte Herausforderung", sagt Otto rückblickend. Insgesamt aber habe die Pandemie die Gemeinde vor allem emotional getroffen, etwa durch den Ausfall von Großveranstaltungen oder durch Einschränkungen bei ehrenamtlichen Tätigkeiten und beim Ausfall von Probenabenden der Musikvereine. 

Finanziell hingegen habe Corona die Gemeinde weniger belastet, was auch an den guten Gewerbesteuereinnahmen gelegen habe. Veranschlagt waren im Haushalt 6,8 Millionen, eingenommen hat die Gemeinde 10,8 Millionen Euro. "Das liegt sicher auch an der Struktur unserer Unternehmen", sagt Otto. "Wir haben ein breit aufgestelltes Gewerbe, viele Mittelständler und viel Handwerk, und gerade das boomt derzeit ja", erläutert er. Auch deshalb hat die Gemeinde 2021 zwei neue Gewerbegebiete erschlossen, in einem weiteren – dem Gewerbegebiet Schmaler Damm – begannen die Bauarbeiten.

Auch bei den Wohngebieten gab es 2021 Zuwachs. In den Baugebieten Witteberg und Loange Fäilde verloste die Gemeinde die Baugrundstücke, um ein transparentes und gerechtes Verfahren zu schaffen. Interessanterweise seien, so Otto, jetzt noch Baugrundstücke übrig, obwohl es deutlich mehr Interessenten als Bauplätze gegeben habe. "Möglicherweise haben einige wegen der gestiegenen Baupreise zurückgezogen", sagt der Bürgermeister. Und manche hätten vielleicht auf ein ganz bestimmtes Baugebiet gehofft und verzichtet, als sie das nicht bekommen konnten. Otto ist sich allerdings sicher, dass letztlich alle Grundstücke weggehen werden. "In Ramsloh haben wir immer noch 20 Bewerber für vier Bauplätze."

Neuorganisation der Verwaltung steht 2022 an

Beim Ausblick auf 2022 muss Otto zunächst auf den Jahresanfang 2021 blicken. Zwei leitende Mitarbeiter des Rathauses waren damals für längere Zeit erkrankt, für Otto eine schwierige Situation. Zum einen wurde deutlich, wie knapp die Personaldecke der Verwaltung ist. "Da darf eigentlich niemand auf längere Frist ausfallen", sagt Otto. "Mich selbst hat es vor allem emotional belastet, dass Kollegen von ihrer Arbeit krank geworden sind", ergänzt er.

Im kommenden Jahr soll auch deshalb mit Blick auf den wachsenden Arbeitsanfall die interne Verwaltungsstruktur neu organisiert werden. "Andere Gemeinden unserer Größe haben vier Fachbereiche, wir haben nur drei", nennt Otto ein Beispiel für mögliche Veränderungen. Ein externes Büro soll zudem die Verwaltung beleuchten und eine Organisationsanalyse erstellen.

Baumaßnahmen bestimmen die Agenda 2022

Unabhängig davon soll das Rathaus in Ramsloh renoviert und für eine Neuverteilung der Büros umgebaut werden. Die Bereiche mit viel Publikumsverkehr werden künftig im Erdgeschoss zusammengeführt. Das Bauamt zieht komplett in die mittlere Etage, die Einheiten mit wenigen externen Besuchern, darunter auch die Leitungsebene, wandern ins Obergeschoss. "Das Rathaus ist 30 Jahre alt, das muss ohnehin mal durchrenoviert werden", sagt Otto.

Auch jenseits des Verwaltungsgebäudes stehen vor allem Baumaßnahmen auf der Agenda 2022. Der Busbahnhof am Schulzentrum wird um- und ausgebaut, Bauarbeiten stehen auch an der Marienschule in Strücklingen sowie an der Haupt- und Realschule Ramsloh an. Der Kindergarten Pusteblume wird um eine Mensa erweitert, der gemeindliche Bauhof in Scharrel bekommt nicht nur einen neuen Groß-Traktor, sondern auch einen Neubau für 800.000 Euro. Insgesamt will die Gemeinde 2022 über 11 Millionen Euro investieren. "Das ist viel Geld", gibt Otto zu. "Aber uns geht es gefühlt finanziell relativ gut", sagt er. "Und wenn man für Investitionen einen Kredit braucht, dann schafft man dadurch ja auch einen Gegenwert." 

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